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1860 München:Präsentiert von Hasan Ismaik

Beim Testturnier gewinnt Augsburg das Finale gegen Gladbach. Bestimmendes Thema aber ist 1860 - mit den kuriosen Umständen um Timo Gebharts Rückkehr.

Von Christoph Leischwitz und Philipp Schneider

Vielleicht war es Sascha Mölders einfach zu langweilig geworden im Sturm, vielleicht hat er sich auch wirklich geärgert über Efkan Bekiroglu, es wird nicht mehr herauszubekommen sein. Weil die Spieler des TSV 1860 München am Samstag nicht mit der Presse reden durften. Dass die maue Offensivvorstellung der Löwen im Blitzturnier mit je 45 Minuten Spielzeit gegen Borussia Mönchengladbach und die SpVgg Greuther Fürth ein Grund für den Frust gewesen sein könnte - naheliegend. "Hey, halt die Klappe", schrie Mölders im Spiel gegen Fürth gut hörbar über den Platz, "du hast den Ball verloren, spiel Fußball!" Kurz schien er seinem Mitspieler sogar an die Wäsche gehen zu wollen, wurde aber abgehalten. Danach standen die beiden noch zusammen in der Mauer, anschließend wurde Bekiroglu ausgewechselt.

Zweimal 0:1, das waren repräsentative Ergebnisse. In der Abwehr wehrten sich die Sechziger in ihrem letzten Test vor dem Drittliga-Saisonstart durchaus erfolgreich, auch wenn Trainer Daniel Bierofka später meinte, bei Neuling Dennis Erdmann müsse man noch den "Feinschliff reinkriegen". Erdmann hatte vor dem 0:1 der Gladbacher durch Patrick Herrmann den Fehler im Spielaufbau begangen. Der Angriff hingegen war eine einzige Enttäuschung. Was allerdings vor allem daran lag, dass er aus dem Mittelfeld nicht sonderlich schlau angespielt wurde. "Ich hoffe, sie werden da noch spritziger, da muss mehr kommen", meinte auch Bierofka, der seinen Spielern schwere Beine attestierte. Mangelnde Kreativität war ebenso auszumachen, vor allem dann, wenn ein starker Gegner mal etwas weniger Platz für den Spielaufbau zur Verfügung stellt.

20 06 2017 Fussball Regionalliga Bayern 2017 2018 Saisonvorbereitung TSV 1860 München Training a; Timo Gebhart

Rückkehrer der Regionalliga-Saison 2017/2018: Timo Gebhart, 30, hat die Mannschaft damals auf den Weg zum Aufstieg gebracht – und war dann die meiste Zeit verletzt.

(Foto: Bernd Feil/M.i.S/imago)

Schon am Rande des Turniers sickerte die Information durch, dass sich Sechzig in dieser Transferperiode doch noch einmal mit eben so einem Kreativspieler verstärken würde: Timo Gebhart, 30, kehrt zurück, nachdem er in der Regionalliga-Saison die Mannschaft auf den Weg zum Aufstieg gebracht hatte, dann aber die meiste Zeit verletzt war. Weit spannender als die Personalie an sich sind - typisch 1860 - die Umstände der Verpflichtung: HAM International Limited, der Mehrheitsgesellschafter bei 1860, von dem im Zuge des Konsolidierungskurses keine Darlehen mehr angenommen werden sollen, damit die Schuldenlast des eigenen Klubs nicht weiter steigt, hat sich zum ersten Mal seit der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags bereit erklärt, ein Sponsoring zu übernehmen. Für Gebhart, zuletzt in Diensten des Regionalligisten Viktoria Berlin, war plötzlich kein Darlehen nötig - nicht einmal ein Genussschein.

Er soll so etwas sein wie ein Geschenk.

Tatsächlich. Hasan Ismaik, so heißt es in einer Pressemitteilung mit triumphierenden Tonfall, die sein Statthalter Saki Stimoniaris am Samstagabend verschickte, habe Gebharts Finanzierung "kurzfristig in vollem Umfang" übernommen. Und sich "zudem in einem nicht unwesentlichen Teil an der Weiterverpflichtung des 27-jährigen Abwehrspielers Aaron Berzel" beteiligt.

Die Erwähnung des Berzel-Deals stimmte in diesem Zusammenhang nachdenklich. Private Gönner, die anonym bleiben wollen, hatten sich zuvor zusammengeschlossen, um Berzel an 1860 zu binden. Und sie hatten eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnet. Es gibt Gründe, weswegen es sich empfiehlt, die Herkunft des Geldes in solchen Fällen nicht zu nennen. Um zu verhindern, dass der Spieler zum Politikum wird. Nach Aussendung dieser Mitteilung ist Gebhart schon zum Hasan-Ismaik-Spieler geworden, bevor er seine erste Pressekonferenz gegeben hat. Gebhart wird ein Hasan-Ismaik-Spieler sein, wenn er auf der Bank sitzt. Er wird ein Ismaik-Spieler sein, wenn er ein Tor schießt. Wenn er kein Tor schießt. Wenn er verletzt ausfällt. Selbst wenn er sich eine Perücke aufsetzt und mit wallendem Haar eine Kabinenansprache hält, werden seine Kollegen wohl denken: Ah! Diese Ansprache wird uns präsentiert von Hasan Ismaik!

13 07 2019 Fussball Bundesliga 2019 2020 Testspiele in der Sommerpause Blitzturnier in Heimstette

Kämpferisch im Duell mit dem Gegner und bei Ansagen für die Mitspieler: Sechzigs Sascha Mölders (re.).

(Foto: Bernd Feil/MIS/imago)

Das Vereinspräsidium reagierte am Abend mit der Mitteilung, es begrüße Ismaiks Hinwendung zum Sponsoring "ausdrücklich". Diese sei "eine erfreuliche Wende in der bisherigen Finanzierungspolitik".

Ismaiks Mitinvestoren im Falle Berzels wiederum, von denen einige fünfstellige Summen beigesteuert haben, werden sich sicher unheimlich gefreut haben, dass Ismaik nun der einzige namentlich bekannte Finanzier ist, der sich in einer Pressemitteilung feiern lässt.

Wobei, eigentlich lässt sich eher Stimoniaris feiern. Nachdem es um den Betriebsratsvorsitzenden des Bus- und Lastwagenherstellers MAN sehr ruhig geworden war, heißt es in der Botschaft nun: "Hasan Ismaik und ich." Ismaik und er, also Stimoniaris, seien demnach "davon ausgegangen, dass der Verein mit der Finanzspritze, in Höhe von zwei Millionen Euro aus dem Sommer 2018, konstruktiver umgeht und seine Kalkulation einhalten kann." Trainer Bierofka findet, die Stärke seiner Mannschaft sei die Eingespieltheit. Daran hat auch die Verpflichtung neuer Spieler nichts geändert. In Berzel und Gebhart kommen zwei, die den Großteil des Teams kennen. Und sie passen hervorragend zum Slogan: "Einmal Löwe, immer Löwe".

© SZ vom 15.07.2019

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