Das Hinspiel bot schon jetzt einen der wenigen Höhepunkte der laufenden 1860-Saison, im Wortsinn, denn damals im September erzielte Thore Jacobsen das einzige Tor beim Spiel auf der Alm, sein 60-Meter-Schuss wurde später auch zum Tor des Monats gewählt. Am Freitagabend nun eröffneten die Sechziger gegen Arminia Bielefeld den 25. Drittliga-Spieltag, und sie spielten eigentlich auch gar nicht so schlecht, dann aber gab es nach 35 Minuten plötzlich eine Trinkpause – vermutlich, weil es endlich einmal wieder deutliche Plustemperaturen gab. Unmittelbar danach folgte aber jene Szene, in der ihnen wirklich alles ein bisschen zu hoch war: ein langer Abschlag, ein Heber von Roberts Uldrikis auf Joel Grodowski, und der lupfte den Ball über den heraus eilenden Torwart Marco Hiller ins Tor (36.).
Das Spiel war kein Debakel, auch wenn in der 83. Minute auch noch das 0:2 fiel, so wie zuletzt bei Dynamo Dresden, und in der Nachspielzeit auch noch das 0:3. Trotzdem wird Sechzig im Laufe des Wochenendes gebannt darauf schauen, was die Tabellennachbarn machen – und womöglich sind am Sonntag die Abstiegsränge noch näher gerückt. „Wir sind jetzt voll im Abstiegskampf“, sagte Abwehrspieler Max Reinthaler. „Wegen einem Kindergartentor“, ärgerte sich sein Nebenmann Lucoqui, der zum ersten Mal in der Löwen-Startelf stand. Es ist nicht weiter verwunderlich, wenn ein Trainer drei Spieler aus der Viererkette nach einem 2:5 austauscht, zumal dieses 2:5 in Dresden noch deutlich höher hätte ausfallen können, einzig der jüngst genesene Kapitän Jesper Verlaat stand erneut in der Startelf.

Bayern gegen Leverkusen:Jetzt wird’s psychologisch, meine Herren!
Bayern gegen Leverkusen, nächste Runde. In der Champions League treffen die Münchner erneut auf den Trainer Xabi Alonso, den sie noch nie bezwungen haben. Was die Aufgabe noch schwieriger macht: Die Frage, wie fit Harry Kane eigentlich sein wird.
Am Freitagabend gegen Bielefeld wirkte das ganze Konstrukt dann auch erst einmal stabiler, wenngleich der junge Rechtsverteidiger Lukas Reich so seine Probleme mit seinem großen, schnellen Gegenspieler Joel Grokowski hatte. Sechzigs Februar-Zugang Dickson Abiama machte indes genau dort weiter, wo er beim letzten Heimspiel (1:1 gegen Ingolstadt) aufgehört hatte: Er machte Betrieb im Angriff und gab schon nach 57 Sekunden den ersten Torschuss des Spiels ab, wenngleich aus recht spitzem Winkel.
Schon kommen die Durchhalteparolen: „Wir müssen jetzt Gras fressen, es einfach irgendwie erzwingen.“
Die Löwen hatten zur Pause ein leichtes Chancenplus, wahrscheinlich hätten sie noch mehr Chancen erspielt, doch Bielefeld achtete sehr darauf, Angriffe so früh wie möglich zu unterbinden, zur Not auch mit unfairen Mitteln – drei gelbe Karten hatten die Arminen in Halbzeit eins mit taktischen Fouls gesammelt. Die daraus resultierenden Freistöße sind dank der Schusstechnik von Maximilian Wolfram jetzt auch wieder gefährlich, stellten Arminia-Keeper Jonas Kersken aber vor keine größeren Probleme (34., 42.).
Für Aufsehen sorgten mal wieder die Fans in der Westkurve, die nach 18 Minuten Dutzende weiße Lichter zündeten und hinter der Westtribüne ein minutenlanges Feuerwerk abfackelten. Einen besonders guten Blick auf all die Vorkommnisse hatte übrigens Bielefelds Trainer Mitch Kniat, der wegen seiner vierten gelben Karte gesperrt war und die Partie aus einem der hölzernen Mini-Büros über der Haupttribüne aus betrachtete. Dort hatte er das Fenster geöffnet und lehnte sich immer wieder weit aus dem Fenster, dabei sah er aus wie einer jener Kiebitze, die von der anderen Seite der Grünwalder Straße aus ihrem eigenen Wohnzimmer zusehen.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit schossen die Löwen noch früher und noch gefährlicher aufs Tor als zu Beginn, doch Kersken bekam beim Schuss von Julian Guttau gerade noch rechtzeitig die Fäuste hoch (46.). Jacobsen musste verletzt draußen bleiben und wurde durch Marlon Frey ersetzt, Soichiro Kozuki löste Abiama auf Rechtsaußen ab, Abiama ersetzte den unauffälligen Patrick Hobsch in der Mittelstürmer-Position. Die Umstellung machte die Gastgeber eher noch zielstrebiger, „meiner Meinung nach haben wir die zweiten 45 Minuten sehr dominiert“, sagte Trainer Glöckner, dessen Handschrift durchaus zu erkennen war. Doch Zielstrebigkeit und Konsequenz hätten gefehlt.
Tatsächlich fehlten fortan die klaren Torchancen, trotz größter Bemühungen, unterschiedlichen Spieleröffnungen und Laufwegen, geblockter Schüsse wie jenem von Guttau (79.) und den lautstarken Forderungen nach einem Elfmeter (85.). Natürlich hatten die Gäste auch noch einige gute Kontergelegenheiten, eine vergab Noah Sarenren Bazee, obwohl er zwei Gegenspieler aussteigen ließ (57.), doch nach dem zweiten Bielefelder Tor durch Uldrikis war die Partie entschieden. Mit dem 3:0 durch Julian Kania (93.), bei dem Hiller zumindest ein kleines bisschen überlupft wurde, fiel die Niederlage dann zu hoch aus.
Glöckner mahnte später jedoch an, dass man defensiv stabiler bleiben müsse, „der Ball kann immer noch reinfallen am Schluss, die Geduld muss man einfach haben“, fand er. So stehen nach einem guten Beginn mit Trainer Glöckner nun acht Gegentore in zwei Spielen, und am Samstag in einer Woche spielt Sechzig beim Abstiegskandidaten Hannover 96 II. „Wir müssen jetzt Gras fressen, es einfach irgendwie erzwingen“, sagte ein ratloser Reinthaler noch, der fand, dass sich die Löwen an diesem Abend eigentlich nicht viel vorzuwerfen hatten.

