Süddeutsche Zeitung

1860 München:Neun Neue für Ismaik

  • Bei 1860 München tritt neuerdings eine Gruppe an Unternehmern, Prominenten und Ehemaligen als Gegengewicht zu Geldgeber Hasan Ismaik auf.
  • Das Gremium nennt sich "Team Profifußball" und es plant, die Löwen wieder in die ersten beiden Ligen zu führen.

Von Markus Schäflein und Philipp Schneider

Eine Definition wollte Klaus Ruhdorfer gleich zu Beginn klären. Sie ist ja auch wichtig, schließlich hat sich das Team, mit dem er sich für den Verwaltungsrat des Fußball-Regionalligisten TSV 1860 München bewirbt, den Namen "Team Profifußball" gegeben. Bevor da jemand etwas falsch verstehen könnte, sagte der Unternehmer also: "Streng genommen ist dritte Liga ja schon Profifußball. Für uns nicht."

Und der Gastronom Thomas Hirschberger, in dessen birkenbewaldete Räumlichkeiten der Burgerkette "Hans im Glück" das Team eingeladen hatte, ergänzte: "Es gibt eine große Fraktion bei 1860, die mit dem Status quo - dritte, vierte Liga - zufrieden sind. Wir sind damit überhaupt nicht zufrieden. Die Entscheidung liegt bei den Mitgliedern." Auf der Jahreshauptversammlung am Sonntag, 22. Juli, wird sie fallen. Dann werden alle neun Verwaltungsratsmitglieder neu gewählt.

Zum neunköpfigen "Team Profifußball" gehören außerdem: die Schauspielerin Senta Auth, die in "Dahoam ist Dahoam" die Vroni Brunner spielt, der Unternehmer Norbert Oxée; der frühere Bankdirektor und Finanzberater Helmut Reiter aus Pfaffenhofen; der Marketing-Mann Matthias Pantke, der früher für den Medienunternehmer Leo Kirch gearbeitet hat; der IT-Berater Thomas Angerer; der Düsseldorfer Jesko Trahms, Anwalt für Strafrecht und Compliance (was bei 1860 ja nicht schaden kann) - und Bernhard Winkler, der ehemalige Löwenstürmer, der für das stehen soll, wofür das "Team Profifußball" ja kämpfen will: die guten alten Tage im Profifußball. Zudem gehört Franz Hell, Allesfahrer und Beisitzer im Vorstand der Fanorganisation Arge, zum Team - nicht als Kandidat, aber als "Ratgeber und Mentor", so Ruhdorfer.

"Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass wir hier zu einer Pressekonferenz rufen", sagte Ruhdorfer bei der Konferenz, zu der das Team am Montag die Münchner Presse gerufen hatte. Ein erstes Kennenlernen solle es sein. So richtig loslegen mit dem Wahlkampf wolle man erst, wenn die Mannschaft von Trainer Daniel Bierofka hoffentlich die Aufstiegsrelegation geschafft habe. Worum es ab diesem Moment allerdings gehe, sei ebenfalls völlig klar: "Man kann nicht gegen den Inhaber eines Unternehmens arbeiten", meint Ruhdorfer. Trahms sagt: "Ohne Fremdmittel, wo auch immer sie herkommen, wird es nicht gehen. Wir trauen es uns einfach zu, eine Common Base mit dem Hauptgesellschafter zu finden."

Auf den Einwand, dass es ja durchaus schon einige Funktionäre (das Präsidium um Gerhard Mayrhofer, das Präsidium um Peter Cassalette, der Verwaltungsrat um Otto Steiner, der einst mit einem Porzellan-Löwen nach Abu Dhabi flog) bei 1860 versucht hätten, eine Common Base mit dem Hauptgesellschafter zu finden, sagt Trahms: "Klar sind schon viele an der Aufgabe gescheitert. Aber den Laden zuzusperren, ist doch auch keine Alternative."

Der Plan des Teams Profifußball sei es, "sich an den Realitäten zu orientieren. Und wir haben nun einmal einen Hauptgesellschafter". Am Montag im Hans im Glück wird Hasan Ismaik ausschließlich "Hauptgesellschafter" genannt. Möglicherweise liegt das daran, dass die Kandidaten ahnen, dass der Name des Investors bei 1860 leicht verbrannt ist.

Die gefürchtete "Amateurfalle"

Die "große Sorge" der neun Kandidaten sei nun die "drohende Amateurfalle", in die 1860 geraten könne, sagt Ruhdorfer. "Wenn man weiß, dass 2019 die positive Fortführungsprognose des ehemaligen Geschäftsführers Markus Fauser endet. Wenn man weiß, dass jederzeit Darlehen fällig gestellt werden können. Und wenn man weiß, dass es keine Antworten auf wichtige Fragen gibt, dann kann einen das schon sorgen."

Letztlich, das wird schnell klar, läuft es auf der Mitgliederversammlung auf eine Kampfabstimmung hinaus zwischen den Vertretern des "Teams Profifußball" und den Unterstützern des gegenwärtigen Präsidiums um Robert Reisinger. Reisinger steht dem eigenen Bekunden nach zwar ebenfalls ein für den Profifußball, will diesen bekanntlich aber mit den Mitteln einer "schwäbischen Hausfrau" erreichen. Eine schwäbische Hausfrau, das muss man wissen, finanziert ihren Haushalt nicht mit Fremdmitteln und sie macht auch keine weiteren Schulden bei ihrem Hauptgesellschafter.

Das "Team Profifußball", beteuert Ruhdorfer, werde im Falle seiner Wahl mit dem gegenwärtigen Präsidium selbstredend "eng zusammenarbeiten". Das Amt des Präsidenten stehe ja schließlich nicht zur Wahl. Dennoch sind die neun Kandidaten mit der Politik der gegenwärtigen Führung nicht sonderlich einverstanden. "Belegt ist nur die Nadelstichpolitik, die führt zu nichts, das werden wir sicher anders machen", sagt Ruhdorfer.

"Der Hauptgesellschafter wird nicht aufgeben, das hat die jetzige Führung falsch eingeschätzt." Weil nicht im Block gewählt wird, ist es denkbar, dass es einzelne aus dem Team in den Verwaltungsrat schaffen und andere nicht. Auch dann würden die Gewählten "ihrer Verantwortung nachkommen".

Zunächst muss der Wahlausschuss des TSV 1860 den Kandidaturen zustimmen. "Es ist definitiv so, wir werden als Gefahr wahrgenommen", sagt Ruhdorfer, betont aber: "Das wird schon schwierig, uns abzulehnen."

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.3946343
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 17.04.2018/jbe
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.