TSV 1860 München gegen Mannheim„Dritte Liga – Sechzig ist dabei“

Lesezeit: 3 Min.

1860-Trainer Markus Kauczinski glaubt noch an eine kleine Chance im Aufstiegsrennen.
1860-Trainer Markus Kauczinski glaubt noch an eine kleine Chance im Aufstiegsrennen. Peter Kneffel/dpa

Die Löwen erkämpfen sich einen Punkt gegen Waldhof Mannheim – und müssen doch Häme der Gästefans ertragen. Es wird spannend zu sehen, wie offensiv Trainer Kauczinski in der enorm wichtigen Partie beim Tabellendritten Cottbus spielen lässt.

Von Christoph Leischwitz

Am Ende hallte ein Ruf nach, hinterlassen von den Gästefans beim Verlassen des Stadions. „Dritte Liga – Sechzig ist dabei“, riefen sie voller Häme. Wenn es aber nach Markus Kauczinski geht, dem Trainer der Geschmähten, lautet die Antwort auf diese Unterstellung: Na ja, vielleicht geht ja doch noch was.

„Das habe ich der Mannschaft im Kreis auch gesagt: Es ist noch nicht vorbei“, sagte der 56-Jährige nach dem 1:1 (0:1) des TSV 1860 München gegen Waldhof Mannheim, das als Zeitraffer für die gesamte bisherige Saison der Löwen gelten kann: starker Beginn, großes Bemühen in den Schlussminuten mitsamt Erfolgserlebnis, dazwischen aber auch immer wieder unerklärliche Fehler und – unterm Strich – fehlende Konstanz sowie bisweilen auch fehlende Cleverness. Unterm Strich, das bedeutet aktuell: sieben Punkte Rückstand auf Platz drei; Sechzig müsste vier Mannschaften überholen, um eine Aufstiegschance zu wahren. Es sieht nicht gut aus für die Mannschaft, die mit sehr hohen Erwartungen in die Saison gestartet war.

Zum Tod von Karsten Wettberg
:Ein unsterblicher Löwe

Er gab dem TSV 1860 die Selbstachtung zurück: Karsten Wettberg war sein Leben lang Sechzig-Fan. Als Trainer weckte er in kurzer Zeit große Emotionen in Giesing – und beeindruckte auch ohne Klamotten.

SZ PlusNachruf von Gerhard Fischer

Letztmals in die zweite Liga aufgestiegen sind die Sechziger im Jahr 1992/93 unter Werner Lorant. Zuvor, in der Saison 1990/91, ein weiteres Mal unter Karsten Wettberg. Der „König von Giesing“ ist am Palmsonntag gestorben und wurde dieser Tage von den Fans verabschiedet, mit einem Kondolenzbuch auf dem Vereinsgelände und am Samstag mit einem Spruchband in der Westkurve. Die Mannschaft spielte mit Trauerflor. Jetzt kämpft Kauczinski darum, 35 Jahre später als nächster Coach die Löwen zum Aufstieg zu führen.

Kein leichtes Unterfangen: Der TSV 1860 schießt dafür zu wenige Tore. Angesichts von gerade einmal zwei Treffern in den vergangenen drei Ligapartien sind die Aufstiegsbemühungen der Löwen zum Schneckenrennen geworden. Die Mannschaft ist mittlerweile dazu verdammt, jedes Mal auf Sieg zu spielen. „Wir müssen gefährlicher werden“, hatte auch der Trainer vor dem Spiel gegen Waldhof gefordert. Und so wählte Kauczinski eine recht offensive Aufstellung, mit Patrick Hobsch als zweitem Stürmer und dem 20-jährigen Mittelfeldspieler Samuel Althaus, der in dieser spannenden Saisonphase sein Debüt in der Startelf geben durfte.

Haugen trifft, der Norweger agiert aber nicht immer präzise genug

Tatsächlich wirkten die Münchner von Beginn an sehr viel gefährlicher, Sigurd Haugen vergab die erste Großchance nach sieben Minuten. Der Vorlagengeber in dieser Szene, Philipp Maier, fand hernach völlig zu Recht, dass sein Team „Chancen für drei, vier Tore“ gehabt habe. Vor allem sein Kollege Haugen ließ in vielen Situationen Glück und Präzision vermissen, so auch bei einem Kopfball wenig später (14.). Das Tor fiel dann auf der anderen Seite: Lovis Bierschenk staubte zur Führung ab, weil Sechzigs Torwart Thomas Dähne eine wuchtige Hereingabe vor dessen Füße abgewehrt hatte (27.).

Vor der Pause wäre der Ausgleich mehrmals möglich gewesen, doch Kevin Volland bekam in einer umstrittenen Situation in Minute 30 zu Recht keinen Elfmeter zugesprochen. In der 42. Minute wurde er vor einem Heber aufs leere Tor wegen eines vermeintlichen Fouls zurückgepfiffen (wohl zu Unrecht). Haugen ließ später die größte Chance liegen, als er sechs Meter vor dem Tor frei zum Kopfball kam. Ihm gelang zwar nach Volland-Vorlage und einem starken Einsatz des eingewechselten Justin Steinkötter noch der Ausgleich, aber es war zu spät, um das Spiel noch zu drehen (86.). „Ich muss den Hut vor der Mannschaft ziehen, wir haben wirklich das Herz auf dem Platz gelassen, aber haben die Dinger nicht reinbekommen“, sagte Abwehrspieler Max Reinthaler. Er fand aber auch: „Solange wir die rechnerische Möglichkeit haben, werden wir den Aufstiegskampf nicht abschreiben.“

Sein Trainer hat derweil schon ein wenig weitergerechnet. Für Markus Kauczinski ist schon deshalb noch nicht alles vorbei, weil noch mehrere direkte Duelle zwischen den Aufstiegskandidaten warten, allein drei davon in den kommenden Tagen: am Mittwoch spielt Duisburg gegen Tabellenführer Osnabrück, am Dienstag empfängt Verl Rostock – und der TSV 1860 tritt bei Energie Cottbus an (19 Uhr). Sechzig hatte gegen Mannheim so viele Torchancen wie lange nicht, Patrick Hobsch als zweiter Stürmer bewirkte allerdings wenig. Es wird spannend zu sehen, wie offensiv Kauczinski in dieser enorm wichtigen Partie beim Tabellendritten spielen lassen möchte. „90 Minuten sind lang, die werden wir nicht komplett im Schlagabtausch verbringen können, weil mein Gefühl ist, dass Cottbus da ein bisschen mehr Qualität hat“, sagte er am Ostermontag bei der Pressekonferenz, „aber vielleicht gehen wir auch direkt offenes Visier. Ich lasse mir das durch den Kopf gehen“.

Apropos Kopf: „Es bringt jetzt nichts, den Sand in den Kopf zu stecken“, resümierte Philipp Maier nach dem Waldhof-Spiel in Lothar-Matthäus-Manier – „wenn du dich heute nicht belohnst, gilt es, sich am Dienstag zu belohnen“. Man dürfe so lange nicht aufgeben, wie der Aufstieg noch möglich ist. Das klang dann etwas weniger zuversichtlich als bei seinem Coach und traf wohl eher das Gefühl einer Vielzahl der Sechzig-Fans auf dem Weg raus aus dem Grünwalder Stadion.

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels wurde das Zitat „Es bringt nichts, den Sand in den Kopf zu stecken“ dem Trainer Markus Kauczinski zugeordnet. In Wahrheit hat es der Spieler Philipp Maier gesagt. Wir haben die Stelle korrigiert.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

TSV 1860 München
:Eine überschaubare Leistung reicht, um die Krise zu verhindern

1860 München gewinnt ein merkwürdiges Toto-Pokal-Halbfinale in Regensburg mit 1:0. Verantwortlich zeichnen zwei Spieler, die auf ihren Positionen Ausnahmekönner der dritten Liga sind.

Von Markus Schäflein

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: