1860 München Investor attackiert Hauptsponsor

Ismaik gegen Geschäftsführer, Ismaik gegen "Die Bayerische", Präsidium gegen Ismaik: Zwei Wochen vor der Wahl hat der Streit einen neuen Höhepunkt erreicht.

Von Markus Schäflein

Der Fußball-Drittligist TSV 1860 München hat, auch wenn das kaum mehr jemand mitbekommt, nicht nur Präsidiumsmitglieder, Investorenvertreter und Geschäftsführer in seinem Kader, sondern auch Fußballspieler - wenn auch zugegebenermaßen nicht besonders viele. Externe Zugänge gibt es wegen der gegenseitigen Blockade- und Brüskierungspolitik der Gesellschafter derzeit nicht, aber die verbliebenen Kicker der vergangenen Saison trafen sich am Montag zum Trainingsauftakt samt Laktattest in Oberhaching. Dazu kamen einige interne Neue, der von der Leihe aus Garching zurückgekehrte Simon Seferings etwa, U19-Spieler Fabian Greilinger, Niklas Lang aus der U17 und der so genannte "450-Euro-Innenverteidiger" Marco Raimondo-Metzger, der aus der Bayernliga-Mannschaft aufrückte.

Während die Vorbereitung der Mannschaft auf die Saison begonnen hat, hat die Vorbereitung der zerstrittenen Gesellschafter auf die Mitgliederversammlung einen neuen Wahlkampf-Höhepunkt erreicht. Investor Hasan Ismaik forderte via Facebook zunächst die Entlassung von Geschäftsführer Michael Scharold und attackierte wenig später auch den Vorstand des Hauptsponsors "Die Bayerische", Martin Gräfer. Die Versicherung hat bekanntlich angeboten, die Namensrechte am Nachwuchsleistungszentrum zu übernehmen und dafür 500 000 Euro beizusteuern, was Ismaik gar nicht gefällt - er möchte stattdessen lieber selbst ein Darlehen für die Verpflichtung neuer Spieler geben, was bekanntlich das Präsidium nicht wünscht.

Nachdem Gräfer am Sonntagabend angekündigt hatte, das Sponsoring in dieser Woche auch gegen den Willen des Investors umsetzen zu wollen, konterte Ismaik umgehend: "Wie sich Herr Gräfer seit geraumer Zeit in Szene setzt, geht weit über den Aufgabenbereich eines Sponsors hinaus. Ich sehe Gräfers Worte als reine Provokation." Der Versicherungsvorstand benutze "die Bühne 1860 als One-Man-Show".

Ismaik ließ auch keinen Zweifel daran, weshalb er über "Die Bayerische" verärgert ist - nämlich weil ihr Engagement den Klub und das Präsidium unabhängiger von ihm macht. "Es ist ein offenes Geheimnis, dass diese Versicherung seit 2017 ein besonderes Verhältnis zu den e.V.-Verantwortlichen pflegt", schrieb er. Der Sponsor habe "die schwierige Situation vor zwei Jahren ausgenutzt und für einen überschaubaren finanziellen Einsatz sehr viel Leistung bekommen, u.a. auch einen Platz im Aufsichtsrat". Um diesen Einfluss zu sichern, erhoffe sich Gräfer eine Wiederwahl Reisingers, vermutet offenkundig der Investor: "Ich interpretiere seine Zeilen als perfekt abgestimmte Wahlhilfe."

Was die laut Gräfer bevorstehenden Unterschriften unter den Sponsoringvertrag angeht, könne er sich "nicht vorstellen, dass die Geschäftsführung unseres Klubs dies ähnlich beurteilt", sagte der Investor; er steht nach wie vor auf dem Standpunkt, dass sein Veto Gewicht hat, wenngleich die "Geschäftsordnung für die Geschäftsführung der TSV München von 1860 Geschäftsführungs-GmbH" diese Sichtweise juristisch kaum stützt. Ismaik betonte jedenfalls: "Die Namensrechte am Nachwuchsleistungszentrum (...) stehen auch mit zeitlicher Begrenzung nicht zum Verkauf."

Das ist ja nun die spannende Frage: wie sich die Geschäftsführung mit dem von Ismaik attackierten Finanzchef Scharold und dem für den Sport zuständigen und von Ismaik geschätzten Günther Gorenzel verhält - und ob das Präsidium möglicherweise wieder mal 50+1 zieht, um die Unterzeichnung des Sponsoringvertrags per Weisung zu veranlassen.

Reisinger sowie seine beiden Stellvertreter Hans Sitzberger und Heinz Schmidt stärkten am Montag in einem offenen Brief jedenfalls schon einmal Scharold den Rücken. Sie hätten Ismaiks Äußerungen "mit deutlichem Befremden" zur Kenntnis genommen. "Die öffentlichen Angriffe Hasan Ismaiks auf den Geschäftsführer (...) Michael Scharold verurteilen wir. Sie sind nicht nur in ihrer Form völlig inakzeptabel, sondern auch sachlich falsch. Die Bezichtigungen unseres Mitgesellschafters folgen leider einem aus der Vergangenheit bekannten Muster." Zudem halte man "Soziale Medien grundsätzlich nicht für den richtigen Ort, um Gesellschafterthemen des TSV 1860 München zu platzieren".

Das Präsidium schätze Scharold "als fachlich sehr qualifizierten Geschäftsführer" und als "Mann des Ausgleichs", teilte es mit. "Seine Bemühungen, unterschiedlichste Vorstellungen und Interessen zu berücksichtigen, verdienen Respekt." Scharold genieße "das uneingeschränkte Vertrauen des Vereins". Allerdings ist mittlerweile auch dem Geschäftsführer klar, dass seine überaus respektablen Bemühungen um eine Zusammenarbeit der Gesellschafter etwas andere Früchte getragen haben, als er es sich gewünscht hätte.