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1860 München:Im Acker-Stil

Sascha MOELDERS (MÖLDERS) ( 9, 1860) im Kopfballduell mit Halles 6 LINDENHAHN (HAL). Fussball, TSV 1860 Muenchen (1860)

Erzielte gegen Halle sein erstes Tor seit der Corona-Pause: 1860-Stürmer Sascha Mölders (links).

(Foto: Oryk Haist/imago)

Stürmer Sascha Mölders beweist beim 2:1 gegen Halle seinen Wert für den TSV 1860 München.

Von Felix Haselsteiner

Die "VIP-Lounge" im Grünwalder Stadion, sie war auch am Sonntagnachmittag wieder gut gefüllt: Aus den Fenstern der umliegenden Wohnhäuser schauten zumindest ein paar wenige Zuschauer dem TSV 1860 bei seinem vierten Geister-Heimspiel zu, der 2:1-Sieg gegen Halle sorgte für im Stadion kaum hörbaren Jubel von hoch oben. Nun könnte es allerdings sein, dass die Geisterspiel-Ränge in der kommenden Woche einen neuen Gast bekommen: "Warum werden wir eigentlich nie in die VIP-Lounge eingeladen", fragte Ivonne Mölders während des Spiels süffisant auf Instagram, sie würde "auch einen Kasten mitbringen".

Es ist davon auszugehen, dass die 1860-Fans in den Hochhäusern einem Bier beim Derby gegen den FC Bayern II nicht abgeneigt wären - und dass auch Ivonnes Ehemann Sascha nichts gegen etwas mehr räumliche Nähe zur Familie einzuwenden hätte. Wie viel diese dem Löwen-Stürmer bedeutet, zeigte er am Sonntagnachmittag nach seinem Führungstreffer zum 2:1, der sich als Siegtreffer herausstellen sollte. Freudig lächelnd posierte der 35-Jährige da vor einem am Zaun aufgehängten Bettlaken, auf dem sich die Familie - Ivonne und die vier Kinder - verewigt hatte.

Mölders hatte aber auch rein fußballerisch betrachtet ausreichend Grund zur Freude: Das 2:1 war sein erster Treffer nach der Corona-Pause, die Partie gegen Halle mit Sicherheit seine beste seit dem Neustart, vielleicht auch weil es genau die Sorte Fußballspiel war, die einem Spielertyp wie Mölders gefällt. Gegen kompakte und zweikampfstarke Hallenser ging es für die Löwen nicht darum, mit eleganten Kombinationen zu spielen, sondern vielmehr darum, "den Kampf anzunehmen", wie Mölders nach dem Spiel bei Magenta Sport sagte.

90 Minuten lang konnte der bullige Stürmer sich also mit den Innenverteidigern erbitterte (Luft-)Duelle liefern, die oft fußballerisch begannen und sich dann verbal fortsetzten, konnte unzählige Bälle festmachen und Freiräume kreieren. So wie beim 1:0 in der achten Minute, als Mölders ein Zuspiel von Außenverteidiger Philipp Steinhart durchließ und Stefan Lex frei aufs Tor zulaufen konnte. "Es war kein Zufall, wie dieses Tor gefallen ist", betonte Mölders, merkte jedoch auch selbstkritisch an, in der zweiten Halbzeit hätte er noch "das ein oder andere Tor mehr schießen können, dann wäre das Spiel früher entschieden gewesen". Eine Vielzahl an Abschlüssen erarbeitete sich Mölders in seinem Acker-Stil, ein ums andere Mal vergab er die Entscheidung, allein: Es rächte sich nicht - zum Glück für die Löwen, die nun weiter ein bisschen vom Aufstieg träumen können, zumindest theoretisch.

Ligaunabhängig wäre ein Verbleib von Mölders beim TSV ein großer Zugewinn für die Mannschaft, das war gegen Halle deutlich spürbar. Ligaunabhängig ist das Thema aber insofern nicht, als dass den Sechzigern in der dritten Liga ein erneuter Schnitt droht, der die Finanzierung eines Gutverdieners mit der Erfahrung von über 100 Bundesligaspielen wie Mölders erschweren dürfte. Ein Verbleib in München wäre vielmehr auch ein Bekenntnis zur engen Bindung der Familie Mölders an den TSV - und die könnte man ja zum Beispiel mit einem Bier beim nächsten Heimspiel vertiefen.

© SZ vom 23.06.2020

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