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1860 München gegen St. Pauli:Erwartungsgemäß ausgekontert

1860 Muenchen v FC St. Pauli - 2. Bundesliga

Löwen-Spieler Yannick Stark im Duell mit Sebastian Schachten vom FC St. Pauli. Am Ende steht es 0:2.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der TSV 1860 München verliert sein Heimspiel gegen den FC St. Pauli 0:2 und verpasst den Sprung auf Platz drei. Die erste Niederlage nach vier Siegen zeigt: Wenn die Löwen das Spiel machen und kreativ werden müssen, sieht es nach wie vor mühsam aus.

Aus dem Stadion von Markus Schäflein

Das Träumen war von höchster Stelle offiziell erlaubt worden. "Die Fans dürfen euphorisch sein", hatte 1860-Präsident Gerhard Mayrhofer gesagt. Allzu viele träumten allerdings trotz Legalisierung wohl nicht von Platz drei, jedenfalls waren nur 23 700 Zuschauer in die Arena gekommen.

Und die Pessimisten, die sich den Misserfolg lieber im warmen Wohnzimmer im Fernsehen zu Gemüte führten, sahen sich bestätigt: Wieder einmal vergab der TSV 1860 München eine gute Chance, im Aufstiegskampf der zweiten Fußball-Bundesliga einen Sprung auf die begehrten Plätze zu machen.

Trotz einer überlegen geführten ersten Spielhälfte verloren die Löwen 0:2 (0:1) gegen St. Pauli durch zwei Kontertreffer von Christopher Nöthe (43.) und Fin Bartels (81.). Es war die erste Niederlage der Münchner nach zuletzt vier Siegen nacheinander. "Wir haben gegen eine starke Mannschaft hochverdient verloren", stellte 1860-Trainer Friedhelm Funkel fest. "Wir haben es nicht geschafft, die Kompaktheit der letzten Wochen herzustellen und die Räume zuzubekommen. Beide Gegentore sind aus unnötigen Ballverlusten entstanden."

Das Motto "Abschluss suchen statt Ballverlust", das Funkel angesichts der berühmten Hamburger Konterstärke ausgerufen hatte, setzte seine Mannschaft zu Beginn noch konsequent um. Ein direkter Freistoß von Daniel Adlung flog am linken Pfosten vorbei (9.), nach einer zu kurzen Kopfballabwehr drosch Moritz Volz den Ball direkt über die Querlatte (10.), Moritz Stoppelkamp prüfte den früheren 1860- Keeper Philipp Tschauner (22.).

Zwei Minuten später, als Benjamin Lauth Stoppelkamp geschickt hatte, wäre ein Querpass allerdings die bessere Lösung gewesen als der Schuss. Dann drosch nach einer guten halben Stunde Dominik Stahl, der in den vergangenen vier Spielen je einen Treffer erzielt hatte, den Ball Richtung Tor; der derzeit verhinderte Torjäger Lauth stand schmerzhaft in der Schussbahn.

Der FC St. Pauli verzeichnete gegen die erneut kompakte Defensive der Löwen lange nur wenige Chancen. 1860-Innenverteidiger Guillermo Vallori klärte nach einer Hereingabe von Bernd Nehrig knapp vor Fin Bartels zur Ecke (16.), viel mehr passierte lange nicht. Doch kurz vor der Halbzeitpause drehten die Hamburger auf. Ihr starker Ballverteiler Marc Rzatkowski - ein Zehner-Typ, wie ihn sich die Löwen wünschen - schickte Florian Kringe, dessen Hereingabe drückte Jan-Philipp Kalla ins Tor; da hatten die Löwen noch Glück, denn Kringe hatte sich im Abseits befunden (39.).

Doch vier Minuten später versuchte Rzatkowski, der von gleich fünf Münchnern nicht gestoppt werden konnte, wieder einen seiner Steilpässe, und diesmal stand der Angespielte nicht im Abseits: Der frühere Fürther Nöthe, von dem der Angriff auch ausgegangen war, traf zum 0:1 (43.). Wie Funkel gewarnt hatte, reichte ein Ballverlust (von Kai Bülow) und ein schneller Gegenzug zum Gegentor. Eine "Katastrophe" sei diese Szene gewesen, fand Funkel.

"Gekämpft hat die Mannschaft"

Nun stellte sich die Frage, wie die Sechziger auf den Rückstand reagieren würden; diese taktische Herausforderung hatte sich dem Team ja zuletzt nicht allzu oft gestellt. Und man musste feststellen: Sie machten es schlecht. Zwar hatten die Löwen wie schon im ersten Durchgang mehr Ballbesitz, nun allerdings gegen die kompakten Hamburger überhaupt keine Torchancen mehr.

"Gekämpft hat die Mannschaft und versucht, das Blatt zu wenden", sagte Funkel, "aber dazu waren wir einfach nicht in der Lage. Wir hatten nicht die klaren Möglichkeiten, unbedingt ein Tor machen zu müssen." Schon in der ersten Hälfte seien es ja eher "halbherzig herausgespielte Chancen" gewesen. Auch Bobby Wood, der in der 66. Minute als zweiter Stürmer für Bülow gekommen war, vermochte nicht zu helfen. Der verletzte Rob Friend als Stoßstürmer-Option wurde nun arg vermisst.

Vereinzelte Pfiffe mischten sich bei mittlerweile kühlen Temperaturen in die Anfeuerungsrufe. Die besseren Chancen hatte St. Pauli: Rzatkowski (53.) und der eingewechselte frühere Sechziger Sebastian Maier (69.) scheiterten an Torwart Gabor Kiraly; dann traf ein Freistoß von Maier den rechten Pfosten(75.).

Es kam, wie es zu erwarten war - einmal durften die Hamburger ihre Konterstärke gegen aufrückenden Münchner noch unter Beweis stellen. Nach einem weiten Schlag von Christopher Buchtmann zog Bartels auf der linken Seite an Volz vorbei - und sicherte den Sieg mit einem Traumtor in den entfernten Winkel (81.). Damit standen nun nicht die Löwen auf dem dritten Rang - sondern der FC St. Pauli. Und das war verdient - denn in einem nicht allzu spektakulären, aber intensiven Spitzenspiel hatten sich die Hamburger als die reifere Mannschaft mit der besseren individuellen Qualität erwiesen.

So lange die Sechziger das kompakte Funkel-System spielen können, wirkt das alles brauchbar - doch wenn sie das Spiel machen und kreativ werden müssen, sieht es nach wie vor mühsam aus. Der Trainer mochte dennoch nicht grollen: "Die Mannschaft hat ja nicht so schlecht gespielt, dass man sagen kann, sie hat grottenschlecht gespielt."

© SZ vom 17.12.2013/resi

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