1860 in der dritten Liga:Plötzlich Tabellenführer

Lesezeit: 3 min

3. Liga: Fynn Lakenmacher trifft für 1860 gegen den SV Meppen

Mit Wucht ins Kreuzeck: Fynn Lakenmacher trifft zum zwischenzeitlichen 2:0.

(Foto: Ulrich Gamel/Kolbert/Imago)

Der TSV 1860 München schlägt auch Meppen und hat nach drei Drittliga-Spielen neun Punkte auf dem Konto. Fynn Lakenmacher erweist sich im Angriff als effiziente Ergänzung.

Von Christoph Leischwitz 

Das war nicht einfach nur ein Applaus, als Fynn Lakenmacher in der 86. Minute ausgewechselt wurde und langsam zur Seitenlinie schritt, es war ein Jubelsturm. Lachend ging der 22-jährige Angreifer des TSV 1860 auf seinen Trainer Michael Köllner zu, der ihn anerkennend in den Arm nahm. Die Löwen gewannen das Drittliga-Spiel gegen den SV Meppen 4:0 (1:0), damit ist nach drei Spielen ein perfekter Start mit neun Punkten gelungen - der Klub steht vorerst als Tabellenführer ganz oben. Ganz nebenbei hat Lakenmacher mit zwei Toren die allmählich aufkommenden Sorgen eines möglichen Stürmerproblems wegen der Langzeitverletzung von Marcel Bär eindrucksvoll beendet.

Viel Zeit blieb angesichts der Leistung diesmal nicht für 1860-Innenpolitik, doch es gab sie. Nachdem es am vergangenen Samstag beim 1:0 gegen Oldenburg zu vielfachen Protesten gegen Investor Hasan Ismaik und seinen Vertreter in München, Anthony Power, gekommen war, überraschte es wenig, dass der Protest am Dienstagabend fortgeführt wurde. Erneut wehte die umstrittene Fahne mit dem durchgestrichenen Ismaik-Konterfei, diesmal sogar schon 20 Minuten vor dem Anpfiff.

Und das, obwohl die Geschäftsführung öffentlich appelliert hatte, sie nicht zu zeigen. Zu Beginn der zweiten Halbzeit geschah dann aber etwas Überraschendes: Als die Kurve das nicht minder umstrittene, so genannte "Scheichlied" anstimmte, gab es von der Gegengeraden Pfiffe zu hören - Teile der Fangemeinde wünschen sich offensichtlich in erster Linie Ruhe und einen Fokus auf den Fußball.

Kapitän Stefan Lex saß zunächst auf der Bank, Yannick Deichmann fehlte erkrankt

Auf dem Platz ergaben sich aber auch einige Überraschungen, denn mehrere Stammspieler fehlten zunächst: Kapitän Stefan Lex nahm erst einmal auf der Bank Platz, der kampfstarke Yannick Deichmann fehlte erkrankt. Zu Beginn fehlte der Offensivkraft der beiden noch, Sechzig war in den ersten 20 Minuten allein bei Standardsituationen gefährlich, namentlich nach Freistößen von Martin Kobylanski, der mit seiner Freistoßflanke auf den langen Pfosten die Reaktionsfähigkeit von Meppens Torwart Joans Kersken prüfte (2.), eine Viertelstunde später setzte er einen zentralen Freistoß knapp neben den linken Pfosten (17.). Verlaat bekam dann noch eine gute Einschussmöglichkeit nach einem Eckball, agierte aber zu überhastet (20.).

Kobylanski zeigte dann aber, dass er auch aus dem Spiel heraus gefährlich sein kann, wenn er muss. Zunächst scheiterte er noch im Eins-gegen-eins an Kersken, nachdem ihn Fynn Lakenmacher per Volleyabnahme geistesgegenwärtig steil geschickt hatte (28.), eine Minute später aber lief der 28-jährige Pole jubelnd zur Eckfahne und alle Mitspieler hinterher - allerdings war er beim Diagonalball von Joseph Boyamba aus abseitsverdächtiger Position gestartet (29.). Kobylanski hatte in den vergangenen drei Jahren für Eintracht Braunschweig gespielt, konnte dort aber in den vergangenen Jahren nicht annähernd an seine Torquote aus der Saison 2019/20 anknüpfen, als er 18 Mal getroffen hatte. Nach einer Stunde wurde er für Kapitän Lex ausgewechselt.

Dann übernahm Lakenmacher - und wie. Als fleißig und zweikampfstark hatte sich der 22-jährige schon in der Vorbereitung erwiesen. Auch diesmal war der Zugang vom TSV Havelse immer anspielbar, in der ersten Halbzeit allerdings im Abschluss zunächst noch zu hektisch, als ihn Erik Tallig im Strafraum perfekt freispielte, Lakenmachers Torschuss geriet wegen seiner schlechten Ballmitnahme aber zu harmlos (36.).

In der 63. Minute sah das deutlich besser aus, dank einer perfekten Mitnahme per Brust, mit der er zwei Gegenspieler aussteigen ließ, danach hämmerte er den Ball ins ferne Kreuzeck - 2:0 (63.). Nur drei Minuten später hatte er die komplett harmlosen Gegner erneut überlistet, bei einem Freistoß von Albion Vrenezi spekulierte er richtig und konnte, am zweiten Pfosten stehend, abstauben (66.). Der eingewechselte Lex hatte sich offensichtlich genug geschont, er traf mit einem präzisen Schuss zum 4:0 (81.). "Ich freue mich ungemein für die Mannschaft", resümierte Trainer Köllner: "Er war viel Leidenschaft, viel Zug, viel Siegeswille - das war entscheidend, denn Meppen hat es uns schon schwer gemacht."

Die Fans riefen nun nichts Kritisches mehr, sondern nach neun Punkten aus drei Spielen nur noch "Spitzenreiter, Spitzenreiter", der Sieg hätte noch höher ausfallen können. Am Mittwoch kann die Konkurrenz an der Spitze allerdings nachziehen, Sechzig spielt am Samstag beim SC Verl.

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