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1860 München:DFL will die Löwen zähmen

TSV 1860 München - SpVgg Greuther Fürth

Michael Liendl (li.) und Daylon Claasen: Spielen in einem außergewöhnlichen Verein

(Foto: dpa)
  • Der TSV 1860 München ist mit seinem Entzug von Dauerakkreditierungen in die Kritik geraten, der Bayerische Journalisten-Verband nennt die Aktion "unsäglich".
  • Geschäftsführer Anthony Power sieht derzeit "keine Basis für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit".
  • Die DFL hat nun ein Treffen mit allen Beteiligten einberufen.

Von Markus Schäflein und Philipp Schneider

Am Dienstag und Mittwoch fand in Leverkusen die jährliche Tagung der Deutschen Fußball Liga (DFL) für die Pressesprecher der Lizenzvereine statt. Dort wird den Mitarbeitern der Klubs erklärt, wie sie für eine angemessene Zusammenarbeit mit den Journalisten sorgen sollen. In der Regel laufen diese Treffen ohne besondere Vorkommnisse ab, diesmal allerdings gab es ein ziemlich ungewöhnliches Gesprächsthema: Der Zweitligist TSV 1860 München hatte am Tag zuvor den drei Zeitungen tz, Münchner Merkur und Bild die Dauerakkreditierungen für die Heimspiele entzogen - wegen unliebsamer Berichterstattung. Genauere Gründe nannte der Klub auch auf Anfrage nicht. "Ich sehe keinen konkreten Auslöser", sagte einer der betroffenen Journalisten.

1860-Pressesprecherin Lil Zercher, die als Vertreterin der Löwen in Leverkusen weilte, hatte mit dieser Entscheidung nichts zu tun. Sie hatte nur ein Schreiben an die Redaktionen weitergeleitet, das Anthony Power verfasst hatte. Der gelernte Maschinenbau-Ingenieur, der zuvor noch nie im Fußball gearbeitet hatte, war vor zehn Wochen als Vertrauter des jordanischen Investors Hasan Ismaik zum Geschäftsführer des TSV gemacht worden. "Wir haben uns zu diesem Schritt entschieden, da wir aufgrund der Berichterstattung in den letzten Wochen und Monaten derzeit keine Basis für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit sehen", teilte Power mit.

Investor sprach auf Facebook von einer "Lügenkampagne"

Die Vorstellung, es sei die Aufgabe von Journalisten, partnerschaftlich mit dem Gegenstand ihrer Berichterstattung umzugehen, verblüffte auch den Bayerischen Journalisten-Verband (BJV). Dessen Vorsitzender Michael Busch nannte die Maßnahme "unsäglich" und appellierte an die Verantwortlichen beim TSV 1860 München, auf professioneller und kollegialer Basis mit allen Journalisten zusammenzuarbeiten: "Verzichten Sie vor allem auf solche willkürlichen Maßnahmen, die letztlich auch dem Ansehen Ihres Vereines in der Öffentlichkeit schaden."

Es ist nicht die erste Strafaktion Powers gegen die Medien. Im November, als der Klub auf Betreiben Ismaiks Trainer Kosta Runjaic entlassen hatte, erteilte der Geschäftsführer allen Journalisten vorübergehend Hausverbot auf dem Vereinsgelände an der Grünwalder Straße. Am Eingang standen Ordner, die alle Gäste der Gaststätte Löwenstüberl vor dem Betreten des Geländes fragten: "Sind Sie von der Presse?" Investor Hasan Ismaik sprach auf Facebook von einer "Lügenkampagne" und schrieb an die Fans gerichtet, dass die Medien "versuchen, Euch über ihre Plattform zu manipulieren". Das Hausverbot wurde erst auf Druck von Sponsoren und nach Intervention des Vereinspräsidiums um Peter Cassalette wieder aufgehoben.

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