1860 München Abschlussparty angesetzt

Wichtige Flugeinlagen: Kapitän Felix Weber kann beim Toreverhindern gegen Köln nach seiner gelb-roten Karte nicht helfen, Torwart Marco Hiller hingegen schon.

(Foto: Frank Kruczynski/imago)

Ein Sieg gegen Köln reicht dem TSV 1860 in jedem Fall, um sich der Sorgen zu entledigen. Auch in anderen Konstellationen könnte in Giesing gefeiert werden.

Von Markus Schäflein

Daniel Bierofka hatte eine höfliche Bitte an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) gerichtet. Es möge doch, nachdem die vergangenen fünf Drittliga-Niederlagen in Serie von einer Reihe von Fehlentscheidungen begleitet worden waren, ein "erfahrener Schiedsrichter" zum Spiel gegen Fortuna Köln (Samstag, 13.30 Uhr) in Giesing erscheinen. Und der DFB mandatierte: Oliver Lossius, 28 Jahre alt, vom BSV Eintracht Sondershausen aus Thüringen, der bislang 26 Drittligaspiele in seiner Bilanz stehen hat. "Das ist mir momentan total egal", sagte Bierofka am Freitag, "ich gehe mal davon aus, dass der Schiedsrichter eine gute Leistung bringt, genau so, wie ich es von meiner Mannschaft erwarte."

Eine gute Nachricht vom DFB hatte Bierofka auch erhalten, er hat die Ausbildung zum Fußballlehrer mit der Gesamtnote 1,3 abgeschlossen. Noch schöner wäre es selbstredend, wenn er mit seiner Mannschaft die praktische Prüfung, diese Drittligasaison, zumindest mit der Note "ausreichend" abschließen würde: mit dem Klassenverbleib. Bei vier Zählern Vorsprung auf Rang 17 und noch zwei Spieltagen wäre hierfür ein Sieg gegen den Vorletzten Köln das Mittel der Wahl, damit in Giesing mal wieder gefeiert werden kann. Abhängig von den Ergebnissen der Konkurrenz könnte hierfür auch ein Remis oder gar eine Niederlage genügen, Bierofka will jedoch nicht auf die anderen Plätze schielen. "Wir wollen unbedingt gewinnen", sagte er, "was dann woanders los war, sehen wir dann nach dem Spiel." Und der Trainer weiß, was sich ändern muss, damit mal wieder ein Sieg gelingt: "Wir brauchen eine bessere Balance zwischen Offensive und Defensive", hat er festgestellt. "Wenn wir Tore gemacht haben, haben wir zu viele zugelassen, und wenn wir hinten ganz stabil waren, haben wir vorne zu wenige geschossen."

Die zuletzt angeschlagenen Karger, Kindsvater und Mölders können allesamt mitwirken

Beim Toreschießen können auch die zuletzt angeschlagenen Nico Karger, Benjamin Kindsvater und Sascha Mölders wieder mitwirken. Beim Toreverhindern fehlt hingegen Kapitän Felix Weber nach seiner gelb-roten Karte in der Schlussphase in Zwickau. "Das ist ganz hart für uns, vor allem, weil er den Ball gespielt hat", sagte Bierofka. "Klar kann man sagen, der Junge braucht bei 5:2 nicht mehr so hingehen, trotzdem war es kein gelbwürdiges Foul." Einen ebenso herben Rückschlag wie die Löwen in Westsachsen musste auch Fortuna Köln hinnehmen - am Montagabend gelang trotz deutlicher Überlegenheit nur ein 1:1 gegen Meppen, der Ausgleich fiel nach einem Fehler des Kölner Torwarts Nikolai Rehnen. Es sei eben "typisch für den Abstiegskampf, dass die Nerven blank liegen", sagte Bierofka, und ohnehin sei die Fortuna "exemplarisch für die Liga", denn: "Das ist eine Mannschaft, die eigentlich Fußball spielen will, sehr viele gute Kicker drin hat - aber die Mannschaften, die ein bisschen mehr spielen wollen, tun sich in dieser robusten Liga teilweise schwer."

Im Stadion an der Grünwalder Straße, das erscheint sicher, werden es die Kölner nicht dabei belassen können, ein bisschen zu spielen. Die Löwen setzen im ausverkauften Stadion auf ihre Fans und hoffen, dass diese die Vereinspolitik im Streit zwischen e.V. und Investor Ismaik diesmal für 90 Minuten plus Nachspielzeit ruhen lassen. Dabei gäbe es schon wieder neuen Stoff für Plakate, es böte sich an, ein Kaninchen anstelle des Löwen ins Wappen zu montieren. Der Leipziger Trainer Ralf Rangnick sagte nämlich unlängst, der TSV werde "wie ein Karnickelzuchtverein" geführt: "Wenn man zu 1860 oder Uerdingen schaut, dann sind diese Vereine trotz 50+1-Regelung in den Händen von Leuten gelandet, die keine Ahnung haben." Selbstredend zeigten bei den Löwen die Anhänger beider Lager schulterzuckend auf die andere Seite. Bierofka sagte dazu nur: "Ich habe nichts gelesen, das bringt mir momentan nichts."