TSV 1860 München:Dickes Brett bei den Löwen

Lesezeit: 2 min

München, Deutschland 24. Oktober 2021: Mitgliederversammlung des TSV München von 1860 e.V.in der Kulturhalle Zenith Rob

"Ich bedanke mich recht herzlich, dass ihr mein Traumprojekt so zahlreich unterstützt." - Robert Reisinger will Bauherr werden.

(Foto: Ulrich Wagner/imago)

Bei der Mitgliederversammlung des TSV 1860 geht es vor allem um den Bau einer neuen Halle am Vereinsgelände. Dazu ist der e.V. auf Investor Hasan Ismaik angewiesen - der Erbpachtvertrag läuft auf die Profifußball-KGaA.

Von Markus Schäflein

Zu Beginn der Mitgliederversammlung spielte die Blaskapelle des TSV 1860 München am Sonntagmorgen den Sechzgermarsch. Die Musiksparte gehört ja neben Fechten, Volleyball und Darts zu den neuen Abteilungen, die zum Anstieg der Mitgliederzahl auf mehr als 23000 beigetragen haben. Das erklärte Ziel der Klubführung des Fußball-Drittligisten ist es, die Löwen "im Amateur- und Breitensport wieder tiefer in der Stadtgesellschaft Münchens zu verankern", wie Präsident Robert Reisinger erklärte. Und dazu wünscht er sich bekanntlich eine neue Turnhalle.

Dieses Bauprojekt - und nicht etwa die offene Zukunft des Grünwalder Stadions, um dessen Umbau und Perspektive ging es gar nicht - stand dann auch im Zentrum von Reisingers Rede. Nur gut 200 Mitglieder waren erschienen, nicht wie üblich an die 1000. Viele Plätze in der Kulturhalle Zenith blieben unbesetzt - teils wohl dem Coronavirus samt 3Gplus-Regelung geschuldet, aber auch der fehlenden Spannung: Eine Opposition zu den amtierenden Verwaltungsräten der Gruppierung Pro1860, die zur Wiederwahl antraten, gab es diesmal nicht.

Das Präsidium wurde mit 224:0 entlastet. Und auch den Hallenbau fanden die anwesenden Mitglieder nahezu einstimmig gut. "Ich bedanke mich recht herzlich, dass ihr mein Traumprojekt so zahlreich unterstützt", sagte Reisinger und freute sich schon: "Was gibt es Schöneres als eine Mitgliederversammlung in der vereinseigenen Turnhalle?"

Angesichts dieser Einigkeit hatte Reisinger angekündigt: "In vier Stunden sind wir durch." Und er hatte fast Recht, um 14.44 Uhr war unter großem "Sechzig"-Gebrüll Schluss - rekordverdächtig, für gewöhnlich dauerten die Versammlungen bis in den Abend hinein. Und das, obwohl Reisinger sich die Zeit genommen hatte, die Hallenhistorie zu referieren: 1982 hatten die Löwen 59 Prozent an ihrer einstigen Turnhalle an der Auenstraße an die Stadt verkauft - um Missmanagement des Profifußballs auszugleichen.

Präsident Karl-Heinz Wildmoser verkaufte 1990 den Rest; er kündigte an, eine neue Halle zu errichten, baute dann allerdings stattdessen das von der Deutschen Fußball-Liga neu geforderte Fußball-Nachwuchsleistungszentrum und ließ die Baugrube für die Halle wieder zuschütten. Nun will Reisinger, der wegen Wildmoser einst fast aus dem Verein ausgetreten wäre, der Präsident sein, der die Halle errichtet - für den Bau auf dem Klubgelände und die Finanzierung (Kosten rund 20 Millionen Euro) liegen Konzepte vor.

Profifußball und gemeinnütziger Amateursport sollen räumlich getrennt werden

Ein Problem gibt es allerdings noch - Sechzig braucht, wie so oft, mal wieder Investor Hasan Ismaik. "Ich denke, da ist ein sehr dickes Brett zu bohren", meinte Reisinger. Denn der Erbpachtvertrag des Geländes wurde unter Wildmoser auf die KGaA übertragen - und die gehört zu 60 Prozent Ismaiks Firma HAM. Reisinger betonte schon mal, dass dem e.V. ein "verbrieftes Nutzungsrecht" an dem Gelände zustehe: "Da kommt keine der Parteien aus." Was das für eine Bebauung bedeutet, ist allerdings fraglich.

Der Verein könne "gute Ideen" aufweisen, meinte er. Mit diesen soll HAM überzeugt werden, weil "auch die KGaA Vorteile" habe. Die Bereiche Profifußball und gemeinnütziger Amateursport sollen räumlich getrennt und der Erbpachtvertrag entsprechend angepasst werden - was bedeuten würde, dass die KGaA weniger Kosten hätte, aber auch Erweiterungsmöglichkeiten auf dem Gelände verlieren würde.

"Die Profifußball-KGaA bezahlt aufgrund ihres kommerziellen Unternehmenscharakters eine höhere Pacht für das Gesamtareal, als es ein gemeinnütziger Verein tun müsste", argumentierte Reisinger. "Mit der räumlichen Teilung könnte sich die KGaA künftig einen nicht unerheblichen Teil der Pacht sparen." Nun muss er nur noch Ismaik überzeugen, dass das eine gute Idee ist. Aber dafür müssten sie miteinander reden.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB