1860 München:1860-Geschäftsführer: "Ich finde, dass Ismaik eine Grenze überschritten hat"

09 02 2015 Fussball 2 Bundesliga 2014 2015 20 Spieltag TSV 1860 München 1 FC Heidenheim in der

Hat die Nase voll: 1860-Geschäftsführer Markus Rejek äußert sich zu den Plänen des Investors Hasan Ismaik.

(Foto: imago)

Hasan Ismaik, Investor bei 1860 München, griff Markus Rejek öffentlich an. Jetzt wehrt sich der Geschäftsführer gegen die Vorwürfe.

Interview von Markus Schäflein und Philipp Schneider

Nachdem Hasan Ismaik, Investor beim TSV 1860 München, öffentlich die Entlassung von Geschäftsführer Markus Rejek forderte, antwortet dieser nun im SZ-Interview. Er hält die Aussagen des Investors für populistisch und verteidigt seine Arbeit beim Fußball-Zweitligisten.

SZ: Der jordanische Investor Hasan Ismaik hat gegenüber Fans in Rudelzhausen Ihre Entlassung als Geschäftsführer des TSV 1860 München gefordert, Ihr Kollege Noor Basha soll ebenfalls gehen. Hatten Sie davon zuvor schon gehört?

Markus Rejek: Nein. Ich weiß nur das, was ich den Medien entnehmen kann. Ich nehme diese Forderung schon ernst. Da sie öffentlich gemacht worden ist, lässt sie sich schlecht negieren. Wobei der Verein gerade ganz andere Sorgen hat. Wir brauchen Punkte und keine weitere Unruhe.

Es gab vorher kein persönliches Gespräch, keinerlei Anzeichen für seine Forderung?

Nein. Ich bin überrascht, denn ich bin ein Freund des persönlichen Austauschs. Und klar: Die Forderung trifft mich auch persönlich. Ich finde, dass er da eine Grenze überschritten hat. Ich lasse mich gerne an meinen Leistungen messen. Aber nur in Bereichen, die in meine Zuständigkeiten fallen. Und ich verantworte nicht den Sport. Der Sport steht weder in meiner Vita, noch in meinem Arbeitsvertrag. Das weiß auch Hasan Ismaik. Und was seine Kritik am kaufmännischen Bereich angeht: Ich weiß nicht, was er meint. Uns ist es unter den schwierigsten Rahmenbedingungen gelungen, den Verein wirtschaftlich und operativ zu führen.

Er hat kritisiert, auf der Geschäftsstelle würden zu hohe Gehälter bezahlt.

Das halte ich für populistisch. Wir bewegen uns bei den Gehältern in der Verwaltung weit unter dem Ligadurchschnitt. Natürlich führen wir im Bereich Sport noch immer eine Reihe von Leuten mit, weil wir eine Reihe von Entlassungen hatten.

Robert Schäfer, Ihr Vorgänger bei 1860, ist in einer erschreckend ähnlichen Situation seinem Rauswurf mit einem Rücktritt zuvor gekommen. Erwägen Sie das auch?

Die Frage stellt sich für mich gar nicht. Wir haben gerade ganz andere Aufgaben. Außerdem hat mit mir noch niemand gesprochen. Wir sind in einer schwierigen Situation, in der wir verschiedene Aufgaben zu lösen haben. Und ganz ehrlich: Ich kenne keinen Verein der Welt, der jemals wegen einer Entlassung oder einem Rücktritt des kaufmännischen Geschäftsführers zu mehr Punkten in der Tabelle gekommen wäre.

Noor Basha, Ihren Geschäftsführer-Kollegen, der nun auch gehen soll, hat Ismaik wenigstens zum Teil entlastet. Er habe schließlich sehr oft auf Anweisung von Ihnen gehandelt ...

Noor tut mir am meisten leid. Er hat ja auch nicht darum gebettelt, Geschäftsführer werden zu dürfen. Das haben die Gesellschafter im vergangenen Sommer beschlossen. Noor und ich haben die Situation dann angenommen. Und ich habe beiden Gesellschaftern ganz klar gesagt: Ich stehe nicht für den Bereich Sport! Noor und ich haben trotzdem als Team gearbeitet und haben wichtige Maßnahmen beschlossen: Etwa die Einstellung von Oliver Kreuzer und Benno Möhlmann. Es war der ausdrückliche Wunsch der Gesellschafter, insbesondere von Hasan Ismaik, dass wir das Vier-Augen-Prinzip bewahren. Wir haben alle Entscheidungen im Team besprochen und von den Gesellschaftern absegnen lassen. Das ist jetzt alles ein bisschen einfach gemacht.

Rejek fordert Offenheit, wenn es um Kritik geht

Die Forderung nach Entlassung beider Geschäftsführer trifft Sie mitten im laufenden Lizenzierungsverfahren.

Der Zeitpunkt macht wirklich überhaupt gar keinen Sinn. Und wenn, dann macht man das hinter verschlossenen Türen, da findet man eine Regelung, dann geht man durch die Lizenz, dann einigt man sich wie auch immer. Wenn jemand mit meiner Arbeit nicht zufrieden ist, soll er mir das sagen, dann kann man sich darüber einigen, dafür gibt es Satzungen und Verträge, dann ist das so.

Ismaik sagt, Ihre Einstellung war eine Fehlentscheidung des ehemaligen Präsidenten Gerhard Mayrhofer.

Bei allen Entscheidungen und Personalien war Hasan mit beteiligt. Ich bin vor meinem Antritt runter geflogen nach Abu Dhabi. Ich hatte gute Gespräche mit Mayrhofer und Noor Basha, mit den ganzen Plänen, was sie machen wollen, Aufsteigen, Professionalisieren, Marke aufbauen. Ich hatte ein Gespräch in Abu Dhabi, und danach hieß es: Ja, wir machen das. Sich jetzt hinzustellen und zu sagen, der Mayrhofer hat die falschen Entscheidungen getroffen - das kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe in meiner Vita stehen, was ich zu bieten habe, und ich habe nichts anderes verkauft, als ich zu bieten hatte.

Einige Anhänger fanden Ismaiks Auftritt gut - auch, weil er ein neues Stadion in Riem versprochen hat.

Ehe in einer Arena in Riem gegen den Ball getreten wird, vergehen sieben bis acht Jahre! Niemand weiß, wie teuer dieses Bauprojekt werden wird. Es gibt ja noch überhaupt keine Prüfung, keine Machbarkeitsstudie!

Ein Hauptvorwurf Ismaiks an Sie ist seit Monaten, dass Sie eine Powerpoint-Präsentation zur Marke 1860 für 50 000 Euro erstellen ließen.

Da handelt es nicht um eine einzelne Präsentation, sondern um einen Identitätsprozess, und das war auch eines der Themen, für die man mich hier hingeholt hat, jedenfalls hat man mir das damals mit auf den Weg gegeben. Damals hieß es ja, wir wollen aufsteigen, uns professionalisieren und aus Sechzig eine starke Marke machen. Das hatte ich in Dortmund schon gemacht, in der glücklichen Situation, dass der BVB der erste Verein in Deutschland war, der dies in der Tiefe so gemacht hat. I

ch habe die Ergebnisse unserer Analyse bei Sechzig vor Mitgliedern des Verwaltungsrats, dem Präsidium und KGaA-Beirats präsentiert, und von allen wurde es sehr positiv bescheinigt. Herr Ismaik kennt diese Präsentation gar nicht, er war nicht dabei. Ulrich Bez war dabei, sein damaliger Abgeordneter im Beirat. Irgendjemand hat ihm dann was zugerufen, noch eine Zahl dazu gedichtet, und jetzt hat man wieder so ein Alibithema.

© SZ vom 21.02.2016/jkn
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