Süddeutsche Zeitung

1860-Merchandising verklagt eigene Anhänger:Ismaik gegen Löwenfans

Hasan Ismaik, Investor des TSV 1860, verklagt die Initiative "Löwenfans gegen Rechts". Vordergründig, weil sie das Vereinswappen nutzen. Doch Hintergrund ist ihre Kritik an Ismaik.

In den sozialen Netzwerken sorgte die Nachricht nur für wenige Daumen, stattdessen für staunende Smileys, wütende Smileys und Tränen lachende Smileys: Hasan Ismaik, Investor des Fußball-Drittligisten TSV 1860 München, verklagt die eigenen Fans, weil sie das Vereinswappen benutzen.

Viele Menschen gehen davon aus, dass es einen Fan ausmacht, das Vereinswappen zu benutzen, denn wer sich als Löwenanhänger einfach nur ein blaues T-Shirt anzieht, könnte ja auch Fan von Schalke oder gar Hertha BSC sein. Aus Klubsicht sollte sich das Logo allerdings möglichst auf offiziellen Produkten des Klubs befinden. Gegen "gefälschte" Fanartikel kommerzieller Anbieter gehen Profivereine, wie andere Firmen auch, gezielt vor. Und auch wenn die eigenen Ultras und andere eigene Fanklubs es nutzen, unter Umständen sogar gewerblich, werden fast alle Klubs aktiv. Allerdings suchen sie dann meist den Dialog und finden eine einvernehmliche Lösung. Nur nicht in Giesing, natürlich: Dialog und Sechzig - Tränen lachender Smiley.

Im beklagten Logo der Gruppierung "Löwenfans gegen Rechts" findet sich neben einer Faust, die ein Hakenkreuz zerschlägt, auch das Wappen mit dem Löwen. Das Logo der Gruppe, die von der Stadt München mit dem "Bürgerpreis für Demokratie" ausgezeichnet wurde, gibt es seit vielen Jahren - und es wurde von der Merchandising GmbH des TSV 1860 auch stets so akzeptiert. Doch jetzt nicht mehr. Die "Löwenfans gegen Rechts" gehören nämlich zu den zahlreichen Löwenfans gegen Hasan Ismaik, also zu den investorenkritischen Anhängern, die zuletzt auf der Mitgliederversammlung wieder mal die deutliche Mehrheit stellten. Und die klagende Merchandising-GmbH gehört: Hasan Ismaik. Demjenigen, dem die "Löwenfans gegen Rechts" ein T-Shirt mit seinem durchgestrichenen Gesicht gewidmet haben. Dabei will Ismaik doch geliebt werden.

Vor einigen Tagen hat er dem Klub deshalb sogar Timo Gebhart geschenkt, wie zu lesen war, also: die Rückkehr eines beliebten offensiven Mittelfeldspielers mittels einer Fremdfinanzierung ermöglicht. Darlehen darf er dem Klub nicht mehr geben, das Präsidium hat eine weitere Verschuldung bei ihm ausgeschlossen. Daher jetzt also der geschenkte Regisseur - doch ehe Gebhart sein erstes Tor geschossen hat, wird das Buhlen um die Gunst der Anhänger schon wieder von einer bizarren Schlagzeile konterkariert. Statt "Löwenfans gegen Ismaik" heißt es nun "Ismaik gegen Löwenfans".

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Quelle:
SZ vom 19.07.2019/schm
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