TSV 1860 München im Toto-Pokal:Spät geweckte Lebensgeister

v.li.: Stefan Lex (TSV 1860 München, 7) Marcel Spitzer (Buchbach, 15) im Zweikampf, Duell, duel, tackle, Dynamik, Actio

Lange nur auf Augenhöhe mit einem Regionalligisten: Der Münchner Angreifer Stefan Lex, Torschütze zum zwischenzeitlichen 2:2, im Zweikampf mit dem Buchbacher Marcel Spitzer.

(Foto: Sven Leifer/imago images/foto2press)

Blamage in Minute 89 abgewendet: Der TSV 1860 München schlägt den Regionalligisten TSV Buchbach nach zweimaligem Rückstand durch einen Treffer kurz vor Schluss mit 3:2

Von Christoph Leischwitz, Buchbach

Es stand einiges auf dem Spiel, dem Sieger des Toto-Pokals winkt immerhin die DFB-Pokalteilnahme. Die Bedeutung war vor dem Spiel auch aus dem Gesicht von Sechzig-Trainer Michael Köllner herauszulesen. Trotzdem herrscht normalerweise immer freundschaftliche Atmosphäre beim TSV Buchbach, wenn die Löwen aus München im oberbayerischen Hinterland zu Gast sind. Der Regionalligist hätte für dieses Toto-Pokal-Viertelfinalspiel ohne Probleme 7000 Tickets verkaufen können (gut 2000 waren im engen Stadion erlaubt), was auch daran liegt, dass in und um Buchbach viele Sechzig-Anhänger leben - am Grill, bei den Steaksemmeln, stand zum Beispiel ein Mann, der eine Jacke des Buchbacher 1860-Fanklubs trug.

Doch gegen Ende dieser Partie ging es weniger freundlich als vielmehr hektisch zu. Denn der Drittligist haderte lange mit dem Schiedsrichter und brauchte bis zur 89. Minute, um erstmals in Führung zu gehen. Es war ein hart erkämpfter 3:2-Sieg, und damit für die Löwen eine Länderspielpause ohne echte Pause.

"Wir wollen dieses Spiel angehen wie ein Ligaspiel", hatte Köllner vor dem Spiel angekündigt. Das war insofern richtig, als dass der Drittligist dem Viertligisten komplett auf Augenhöhe begegnete. Die Gastgeber hatten in der ersten Halbzeit sogar die längeren Ballbesitzphasen, während die Sechziger immer wieder lange Bälle auf den 1,93 Meter großen Angreifer Tim Linsbichler schickten - erfolglos. Kapitän Sascha Mölders stand auch diesmal, im dritten Pflichtspiel in Serie, nicht in der Startelf.

Stefan Lex, der unweit von Buchbach aufwuchs und beim bislang letzten Pokalduell der beiden Teams im Jahr 2018 das entscheidende 2:0 geschossen hatte, bekam zwar die erste gute Möglichkeit des Spiels, verzog allerdings deutlich (16.), sechs Minuten später drosch er einen Ball aufs Dach des Vereinsheims. Kurz vor der Pause wäre der Plan mit dem kopfballstarken Linsbichler beinahe aufgegangen, der Österreicher setzte einen Neudecker-Freistoß nur knapp neben das Tor (40.). Deutlich präziser gingen die Buchbacher zu Werke: Nach einem Konter über die rechte Seite spielte Jonas Wieselsberger einen perfekten Ball ins Zentrum, den drei Sechziger nicht erreichten - Christian Brucia schob aus kurzer Distanz ein (42.). Wiederum zwei Minuten später ärgerte sich Buchbachs Routinier Aleksandro Petrovic, als sein abgefälschter Schuss knapp am fernen Pfosten vorbeiflog (44.), beinahe wäre der Außenseiter mit einer 2:0-Führung in die Kabine gegangen.

Erst mit der Einwechslung von Stürmer Sascha Mölders wird der Favorit gefährlicher

Trainer Köllner entschied sich schon in der Pause für mehr Risiko, wechselte den blassen Quirin Moll im defensiven Mittelfeld aus - und brachte Kapitän Mölders als zweiten Stürmer. Plötzlich schienen die Lebensgeister der Sechziger geweckt, Lex eröffnete die Halbzeit mit einem wütenden Solo über den halben Platz sowie einem guten Abschluss (47.), er sollte ab sofort noch öfter im Mittelpunkt stehen; Mölders zwang TSV-Keeper Daniel Maus mit einem Kopfball zur ersten Parade (49.). Nun machte sich endlich auch die zahlenmäßige Überlegenheit der Sechzig-Anhänger akustisch bemerkbar, und dann, nach einer Lex-Flanke, traf Linsbichler endlich per Kopf zum Ausgleich (57.).

Der nächste Dämpfer für den Favoriten folgte jedoch postwendend: Samed Bahar verwandelte einen recht umstrittenen Foulelfmeter (61.), den Lex verschuldet hatte, dann forderte Lex auf der anderen Seite einen Strafstoß für sich. Weil er ihn nicht bekam, sah der meckernde Trainer Köllner die gelbe Karte, die freundschaftliche Atmosphäre war nun endgültig dahin.

Sechzig drückte, und für den nunmehr verdienten 2:2-Ausgleich sorgte mit einem Kopfball Lex, der in der dritten Liga schon seit Ende Februar auf ein Tor wartet. Den Schlusspunkt in Minute 89 setzte Dennis Dressel mit einem halbhohen Schuss aus 13 Metern. Der Jubel war gut hörbar, und die Erleichterung, einer Pokal-Blamage entronnen zu sein, mindestens ebenso spürbar.

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