Sie hatten am Ende gewissermaßen noch einen Schuss frei, doch der geriet zu harmlos. Selten rollte oder flog der Ball bei der Drittliga-Premiere des FC Schweinfurt 05 auf das gegnerische Tor. Kurz vor Schluss durfte es der eingewechselte Erik Shuranov vom Elfmeterpunkt versuchen, doch Dudu, der Keeper von Viktoria Köln, hatte nicht viel Mühe mit dem Flachschuss. „Man hat uns angemerkt, dass der Respekt sehr, sehr groß ist“, sagte Schweinfurts Trainer Victor Kleinhenz nach dem Spiel. Und dabei meinte er nicht einmal den Elfmeterschuss, sondern die erste Halbzeit.
Alles hört sich erst einmal so an, wie es sich immer anhört, wenn sich ein Aufsteiger in der neuen Liga schwertut: In der vielleicht besten Phase sei seine Mannschaft dann bestraft worden, „das ist dann wahrscheinlich das Lehrgeld, das wir zahlen müssen“, erkannte Kleinhenz. „Wir arbeiten Fußball“, lautet ein Slogan der Schnüdel, und das taten sie auch in Köln, die Abwehr ließ sich wenig zuschulden kommen, allerdings sah der neue Torwart Toni Stahl vor allem beim 2:0 der Gastgeber aus spitzem Winkel nicht gut aus. Trotzdem konnte die Defensive überzeugen, obwohl Kleinhenz gleich zu Saisonbeginn ein wenig experimentiert hatte und in Lucas Zeller einen Innenverteidiger auf die Rechtsverteidiger-Position beorderte. „Wir wollten Erfahrung und Körperlichkeit ins Spiel bringen“, so seine Erklärung. Erfahrung ist ja hinzugekommen, mit Strippenzieher Johannes Geis etwa, auch Tim Latteier hat Zweitliga-Spiele in seiner Vita. Trotzdem standen erst einmal nur vier Zugänge in der Startelf.
Obwohl sich die Zahl der Torabschlüsse in Grenzen hielt, hatte Kleinhenz eine Entwicklung beobachtet: „Die zweite Halbzeit macht uns Mut. Wichtig ist, dass die Jungs merken, dass wir nicht weit weg sind“ - und man immer für eine Überraschung sorgen könne. Was allerdings auch impliziert, dass jeder Schweinfurter Sieg tatsächlich eine Überraschung wäre.
Das gilt auch für Freitagabend, wenn der Aufsteiger einen Fast-Aufsteiger in die zweite Liga empfängt, Energie Cottbus nämlich. Dann wollen die Schweinfurter den Respekt vor der neuen Liga im gewohnten Umfeld ablegen. Um das Sachs-Stadion drittligatauglich zu machen, das für den Profifußball den fast schon obligatorischen Namenssponsor erhielt und nun etwas sperrig „Riedel Bau Arena im Sachs-Stadion“ heißt, hatte die Stadt einen Zuschuss von 3,6 Millionen Euro bewilligt.
1,7 Millionen Euro kostete allein der Einbau der vorgeschriebenen Rasenheizung
Fast die Hälfte davon, 1,7 Millionen Euro, kostete bereits der Einbau der vom Deutschen Fußball-Bund für die dritte Liga vorgeschriebenen Rasenheizung. Der wiederum ging in rekordverdächtiger Geschwindigkeit vonstatten. Außerdem haben sie noch zusätzliche Tribünen in der Kurve aufgestellt, weil ein Drittliga-Stadion 2000 Sitzplätze vorweisen muss, die denkmalgeschützte Haupttribüne fasst nur knapp 900 Besucher. Nun gibt es auch einen Familienblock und ein Maskottchen, ein Wildschwein. 200 der neuen Sitzplätze entfallen auf den Gästebereich. Eine neue Vip-Lounge mit 450 Plätzen hat der Verein selbst erreichtet.
In Schweinfurt rechnen sie mit rund 7000 Zuschauern für das Spiel gegen Cottbus, sodass sich der enorme Aufwand schon für diese prominente Flutlichtpartie gelohnt haben dürfte. Auch wenn es nicht ganz so viele Besucher werden dürften wie im Juli beim Konzert von Roland Kaiser mit rund 10 000 Fans. Diese Marke könnte am Montag, 18. August, fallen. Dann kommt Zweitligist Fortuna Düsseldorf zum DFB-Pokal-Spiel.

