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1. FC Nürnberg:Zu wenig Zeit

Club-Fan und -Kritiker Fritz Sörgel will die Aufsichtsratswahl bei der Mitgliederversammlung verschieben - auch wenn dadurch ein Dauerwahlkampf entstehen könne. Die Zeit für die Vorstellung unbekannter Kandidaten sei zu kurz.

Von Johannes Kirchmeier

Fritz Sörgel ist ein großer Club-Fan, der Verein sowie dessen Wohl und Wehe liegen ihm am Herzen. So sehr, dass er auch mal ein Spiel in einem Schnellrestaurant an der Autobahn auf dem Handy verfolgt, wenn er es nach einem Termin nicht mehr pünktlich nach Hause schafft. Auch daher hat der Pharmakologe in den vergangenen Monaten die Vereinspolitik beim 1. FC Nürnberg für sich entdeckt. Schon vor Monaten setzte sich der 69-Jährige dafür ein, in Covid-19-Zeiten die Mitgliederversammlung des Vereins online durchzuführen - diesen Teilerfolg hat erreicht, der FCN wird sich am 20. Oktober virtuell versammeln. Nur rund ein Fünftel der Club-Mitglieder hat ja seinen Wohnsitz in Nürnberg. In den vergangenen Jahren kamen im Schnitt rund 1000 Personen zur Versammlung in der Meistersingerhalle, nun ist allen Mitgliedern der Zugang offen.

Zufrieden ist Sörgel damit aber noch nicht - aus einem anderen Grund: "Die Zeit für die Vorstellung von potenziellen Kandidaten auch außerhalb des Club-Zirkels ist zu kurz", sagt er. Daher hat er einen Antrag für die Mitgliederversammlung gestellt, die Wahlen für die drei Kandidaten des Aufsichtsrats zu verschieben. Die Mitglieder müssten demnach vor der angedachten Wahl darüber abstimmen, ob sie die Aufsichtsräte an diesem Tag wählen - oder nicht, erklärt Sörgel: "Wenn sie sich gegen die Wahl entscheiden, bleiben die aktuellen Aufsichtsräte im Amt." Sörgel fordert einen Termin im Februar oder März 2021. Erst am vergangenen Montag endete die Frist für mögliche Bewerber. Sörgel sieht allein aufgrund der gerade einmal zwei Wochen Zeit bis zur Wahl die Gefahr, dass sich die öffentlich bekannteren Kandidaten durchsetzen. "Für ein neues Mitglied ist es gerade schwer zu sagen, ob der eine oder der andere Kandidat geeignet ist für das Amt", sagt er. "Mir wäre es daher ganz wichtig, wenn wir einen Vorstellungswettbewerb hätten." Ihm sei klar, dass daraus ein Dauerwahlkampf bis ins neue Jahr erwachsen könnte. Die Öffentlichkeit hätte seiner Meinung nach dann aber Klarheit, wer wirklich geeignet wäre.

Viele hatten ihn zuletzt angesprochen, dass er selbst für den Posten als Aufsichtsrat kandidieren könnte, so engagiert, wie er sich um den Club bemühe, berichtet er. Doch Sörgel tritt nicht zu den Wahlen an. Als Pharmakologe hat er in Zeiten des Virus beruflich viel zu tun. Seriös ein Vereinsamt ausüben, falle ihm da zu schwer.

© SZ vom 07.10.2020
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