1. FC Nürnberg:Vertrauensfragen

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19 07 2015 Fussball Saison 2015 2016 Testspiel Freundschaftsspiel 1 FC Nürnberg FCN Real

Eine Konstellation, in der es nicht weitergehen kann: Die gemeinsame Zeit von Wolfgang Wolf (l.) und Martin Bader beim Club neigt sich dem Ende zu.

(Foto: imago)

Nach dem angekündigten Rücktritt von Sportvorstand Martin Bader wird deutlich, wie tief die Gräben sind: Wolfgang Wolf fordert ihn zum sofortigen Rückzug auf.

Von Markus Schäflein

Im Glubbforum, dem Internet-Treffpunkt der Nürnberger Fans, wurde das Gesprächsthema "Martin Bader" bereits in den Ordner "Ehemalige Glubberer" verschoben. Beim Fußball-Bundesligisten Hannover 96 ist Bader ja auch schon als Nachfolger von Sportdirektor Dirk Dufner im Gespräch. Streng genommen ist Bader allerdings erst nach dem 30. September ein ehemaliger Glubberer. Bis dahin soll der Sportvorstand, so hatte er es mit dem Aufsichtsrat um Thomas Grethlein vereinbart, vollumfänglich beim Zweitligisten 1. FC Nürnberg im Amt bleiben. Bader soll den neuen Finanzvorstand Michael Meeske einarbeiten, und außerdem ging es bei der Regelung laut Grethlein darum, zu zeigen, "dass es kein Rausschmiss war".

Wenigstens in der Übergangszeit möchte Wolf nun freier arbeiten können als unter Bader

Wer dachte, dass nach dem angekündigten Rücktritt Baders ein wenig Ruhe einkehren würde oder man ihn gleich in ein Ehemaligen-Forum verfrachten könne, sieht sich allerdings getäuscht. Es war ja bekannt, dass längst nicht alle verpflichteten Akteure dem Wunsch von Trainer René Weiler entsprachen; doch die Gräben zwischen Bader und Chefscout Christian Möckel auf der einen sowie Weiler und dem Sportlichen Leiter Wolfgang Wolf auf der anderen Seite sind offenbar noch tiefer als gedacht. Wenn Bader vollumfänglich weiterarbeiten würde, würde das auch heißen, dass er weiter die Transfers verantwortet - und dagegen wehrte sich Wolf, der nach einer Blinddarm-Operation offenkundig schon wieder ganz fit ist, nun mit drastischen Worten: "Martin Bader muss sich aus dem sportlichen Bereich sofort zurückziehen", forderte er in der Bild-Zeitung.

"Das ist der einzig logische Schritt, nur dann können wir wieder Vertrauen aufbauen. Wo soll denn der Sinn sein, wenn Bader jetzt weiter Spieler transferiert?", fragte Wolf, der im Mai 2014 auf Baders Betreiben hin installiert wurde, als der Aufsichtsrat einen Sportlichen Berater für den Vorstand verlangte. "In der jetzigen Konstellation kann es nicht mehr weiter gehen."

Allzu viele Zugänge sind angesichts der finanziellen Situation des 1. FC Nürnberg - Grethlein bezeichnet die Lage neuerdings als "nicht richtig gut" - in der aktuellen Transferperiode nicht mehr zu erwarten. Denkbar ist aber, dass Ondrej Petrak oder der lukrative Niklas Stark noch abgegeben werden, dann wäre noch Verstärkung für die zuletzt wacklige Innenverteidigung gefragt. Und schon jetzt steht es natürlich auch an, im Hinblick auf den Winter und den kommenden Sommer potenzielle Verstärkungen auszuloten. Doch nur um die Frage, wer die letzten Transferaktivitäten ausführt, geht es Wolf ohnehin nicht. So seltsam es nach drei Punkten aus zwei Spielen und angesichts von zwei bevorstehenden lösbaren Aufgaben beim Drittligisten Aalen (DFB-Pokal) und gegen den taumelnden TSV 1860 München wirken mag: Es wird am Valznerweiher bereits jetzt darüber geredet, wer den - mutmaßlich in Schieflage befindlichen - aktuellen Kader zusammengestellt hat, obwohl dieser in zwei Wochen vielleicht schon in einem anderen Licht dasteht. Also räumte Wolf mit der verbreiteten Einschätzung auf, er habe gemeinsam mit Weiler freie Hand gehabt: "Dieser Kader ist auch von Martin Bader und Christian Möckel zusammengestellt worden." Wenigstens in der Übergangsphase - ähnlich wie im Bereich Finanzen Mario Hamm nach der Trennung von Ralf Woy - möchte Wolf nun freier arbeiten können als bisher unter Bader.

Und das darf er wohl. Bader erklärte in dem Artikel der Bild-Zeitung, konfrontiert mit Wolfs Forderungen, er habe "dem Aufsichtsrat mitgeteilt, dass ich noch mehr als in der Vergangenheit Wolfgang Wolf und René Weiler meine Arbeitsschritte transparent darlegen werde". Es sei außerdem "auch eine Option, mich aus dem operativen Transfergeschäft ganz rauszuziehen".

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