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1. FC Nürnberg:Unter Beobachtung

1. FC Nürnberg - RB Leipzig

Mit einer gewissen Unruhe aufgefallen: Robert Klauß diskutierte im DFB-Pokal gegen Leipzig oft mit dem Schiedsrichter. Die Ansprache des neuen Nürnberger Trainers an seine Mannschaft aber war stets positiv.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Beim Debüt von Trainer Robert Klauß wirkt der FCN gegen dessen früheren Verein RB Leipzig überfordert.

Von Felix Haselsteiner

Am Ende war es die Höflichkeit von Julian Nagelsmann, die dem Samstagnachmittag aus Nürnberger Sicht noch einen kleinen Hoffnungsschimmer verlieh. "Trotzdem", sagte der Trainer von RB Leipzig, nachdem seine Mannschaft 3:0 im DFB-Pokal gewonnen hatte, "hat man gesehen, dass sich in Nürnberg etwas entwickelt und dass es nicht so einfach ist, hier ein Spiel zu machen."

Dass Nagelsmann im Auftritt der Franken eine positive Entwicklung suchte, war eine wahrlich freundliche Geste. Sie könnte damit zu tun haben, dass der Trainer, der auf der Pressekonferenz neben ihm saß, ein junger Kollege war, der bis vor kurzem mit ihm zusammen als Co-Trainer in Leipzig war. Und damit, dass Nagelsmann aus eigener Erfahrung weiß, wie es sich anfühlt, als junger Trainer zum ersten Mal eine Profimannschaft zu übernehmen.

Robert Klauß, 35, stand bei seinem ersten Auftritt als Cheftrainer des 1. FC Nürnberg selbstverständlich unter Beobachtung. Vor dem Anpfiff, als er sich lange mit seinem ehemaligen Arbeitgeber austauschte, alle Spieler von RB einzeln begrüßte und sich auch mit Nagelsmann länger unterhielt. Während des Spiels, als Klauß auffallend oft mit dem Schiedsrichter und dessen Team diskutierte, Karten forderte und so eine gewisse Unruhe ausstrahlte - gleichzeitig aber eine stets positive Ansprache an die Mannschaft wählte. Und auch nach der Partie stand Klauß im Fokus der Fragen, die sich vor allem darum drehten, warum der 1. FC Nürnberg denn nun gar so chancenlos gewesen war in der ersten Pokalrunde.

Es war erkennbar, dass Nürnberg den Willen hatte, von hinten raus mit mehr Struktur aufzubauen

Das Spiel war zuvor auf einem Niveau abgelaufen, das eindrücklich aufzeigte, welche Welten Leipzig und Nürnberg fußballerisch trennen: 80 Prozent Ballbesitz hatte Leipzig in der ersten Hälfte und spielte mehr als viermal so viele Pässe wie der FCN (415 zu 102). Erst in der 38. Minute gelang den Nürnbergern ein Schuss Richtung Tor. Leipzig war derart überlegen, dass der Spielstand von 0:1 - in der dritten Minute hatte Amadou Haidara nach einem Fehler von Torwart Christian Mathenia die Führung erzielt - lange Zeit fast noch das ausgeglichenste an der Partie war. Dass dem so war, lag auch an der Leipziger Verspieltheit im Strafraum, erst in der 67. Minute erzielte Yussuf Poulsen das mehr als verdiente 2:0. Kurz vor Schluss erhöhte Hee-Chan Hwang noch auf 3:0 (89.), ein höheres Ergebnis wäre den Spielanteilen gemäß aber ebenso vertretbar gewesen.

Klauß verteidigte den Auftritt seiner Mannschaft vor allem mit dem Hinweis auf den Gegner, den er ja selber gut kenne: "Ich weiß, wie gut Leipzig ist, wenn man sie kicken lässt", sagte Klauß und verwies auf die jüngere Leipziger Fußballgeschichte in der Champions League: "Wir haben gegen eine Mannschaft gespielt, die Atletico Madrid auseinander gespielt hat - dass wir gegen so einen Gegner chancenlos wirken, ist manchmal auch normal."

Dass der Relegationssieger der zweiten Liga nicht mit einem Champions-League-Halbfinalisten mithalten können muss, bestritt auch niemand. Dennoch war die Mutlosigkeit des Nürnberger Auftretens vor allem in der ersten Halbzeit enttäuschend, Nürnberg wirkte heillos überfordert, im Spielaufbau wie in der Defensive. "Wir haben die Bälle zu schnell verloren, haben es selten geschafft, den Ball über zwei oder drei Stationen nach vorne zu bekommen", sagte Kapitän Enrico Valentini.

Klauß sah zwar auch Anlass zur Kritik an der eigenen Mannschaft ("wir waren im Ballbesitz sehr mutlos"), argumentierte allerdings auch viel im Konjunktiv. Angesprochen auf den Fehler von Mathenia in der dritten Minute, der zum Rückstand führte, sagte Klauß: "Ich hätte gerne gesehen, dass wir besser ins Spiel gekommen wären, dann wären wir auch mutiger gewesen." Zudem hätten ihm die Zuschauer gefehlt, denn: "Wenn wir die ersten zwanzig Minuten ohne Gegentor überstehen und dann die Zuschauer im Rücken gehabt hätten, wäre es vielleicht anders gelaufen."

Auf die Zuschauer zu setzen dürfte in dieser Saison jedoch nicht die empfehlenswerteste Taktik sein. Stattdessen wäre es wohl besser, wenn Klauß und der FCN sich auf die wenigen positiven Aspekte konzentrieren würden: Dass die Mannschaft den Willen hatte, mit mehr Struktur von hinten heraus aufzubauen etwa, war erkennbar. "Was wir mitnehmen ist, dass wir aggressiver und emotionaler sein müssen", sagte Klauß zudem. Eine Torwartdiskussion sah der Trainer nicht, Mathenia soll trotz seiner unsicheren Leistung im Pokal auch in den kommenden Spielen den Vorzug vor dem jungen Christian Früchtl erhalten.

Ansonsten bleibt für den 1. FC Nürnberg vor allem die gute Nachricht, dass nach dem Ausscheiden aus dem Pokal RB Leipzig der einzige Gegner mit internationalem Format in dieser Saison bleiben wird. Allerdings, das sollte Klauß bewusst sein, war Leipzig auch die einzige Mannschaft, bei der der gegnerische Trainer nach dem Spiel versuchte, seinem Kollegen Mut für die kommenden Aufgaben zuzusprechen.

© SZ vom 14.09.2020

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