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1. FC Nürnberg:Trauriges "Gekarpfe"

1. FC Nürnberg - Karlsruher SC

Solide vom Punkt: Der Nürnberger Elfmeterschütze tritt hier zu seinem zweiten Strafstoß gegen Karlsruhe an, zweimal trifft er.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)

Beim Heimsieg gegen den Karlsruher SC spielt der 1. FC Nürnberg schlecht wie lange nicht und kommt dennoch seinem Ziel Klassenverbleib näher.

Von Christoph Ruf

Es gab jede Menge zu diskutieren nach dem Spiel. Womit auch schon das eigentlich Erstaunliche an diesem Freitagabend benannt wäre, für das im Fränkischen das schöne Wort "Gekarpfe" erfunden worden sein muss. Denn wer sich das traurige Geschehen über die komplette Dauer von 90 Minuten hatte anschauen müssen, hätte mit vielem gerechnet. Nur mit zwei Dingen nicht: Erstens, dass ein Kick, dessen Hauptakteure die Handlungsschnelligkeit eines sehr alten Spiegelkarpfens an den Tag legten, noch Gesprächsstoff hergeben würde. Und zweitens, dass es die Nürnberger sein würden, die am Ende glücklich und zufrieden nach Hause gehen würden.

So schwach wie in der ersten Halbzeit der Partie gegen den Tabellenletzten aus Karlsruhe hat man den 1. FC Nürnberg in dieser Saison noch nicht gesehen. Gegen den KSC, der keinesfalls berauschend auftrat, aber in Hiroki Yamada und Gaétan Krebs immerhin zwei ballsichere und spielfreudige Mittelfeldspieler dabei hatte, spielte der Club eine Stunde lang so einfallslos, dass es Alois Schwartz womöglich den Job gekostet hätte, wenn er den nicht schon am 7. März verloren hätte. 0:1 lag der Club dann auch zurück (Sallahi/24.), Schwartz ist ja zum Verhängnis geworden, dass er ein bisschen oft über den (allerdings zutreffenden) Umstand geklagt hat, dass er klaglos hinnehmen müsse, wie ihm seine besten Spieler weggekauft würden. Und ihm fiel auf dem Platz nicht viel anderes ein, als biederer Fehlervermeidungs-kick. Das war dann auch für den vernünftigsten Teil der Nürnberger Fanszene zu wenig Glamour und Perspektive.

Schwartz-Nachfolger Michael Köllner hat den Club zuletzt zumindest defensiv stabilisiert und hin und wieder war in den vergangenen Wochen auch der Versuch unternommen worden, den Ball von einem Fuß auf den nächsten zu spielen. Vor allem aber pflegt er eine Positiv-Rhetorik, auch am Freitag betonte er, dass man "nun mit einer gewissen Euphorie die englische Woche angehen könne" und dass man "den Hut ziehen" müsse "vor allen Spielern, die auf dem Platz gestanden haben."

Nun ja, gegen Karlsruhe wurde die Spielkultur jedenfalls wieder ersatzlos vom Programm gestrichen, am Ende einer sagenhaften Fehlpassorgie ohne jede erkennbare Systematik hatte der Club keine Torchance zustande gebracht. Doch dann betrat Schiedsrichter Martin Petersen die große Bühne und pfiff den ersten von zwei Elfmetern, die der eingewechselte Tobias Kempe sicher verwandelte (65./70.). Beim ersten hatte Krebs Nürnbergs Kevin Möhwald am Fuß touchiert, beim zweiten hatte sich Karlsruhes Marvin Mehlem bei einem Freistoß weggedreht, doch der Schwungarm war dabei leicht angewinkelt - das reichte für zwei Elfmeter. Als in der 90. Minute Nürnbergs Lukas Mühl den Ball mit einer Oberkörper-Arm-Kombination über die Außenlinie bugsierte, gab es jedoch keinen Elfmeter für Karlsruhe. "Skandal", war noch eine der harmloseren Kommentare von KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer, der kopfschüttelnd immer wieder auf den Wohnort des Referees hinwies: Stuttgart.

Dementsprechend gedämpft fielen die Reaktionen im Nürnberger Lager aus. "Das Spiel war nicht gut", sagte Kapitän Raphael Schäfer, "aber wir nehmen die Punkte gerne mit". Ähnlich pragmatisch äußerte sich Möhwald und Doppel-Torschütze Kempe, der nach immerhin für Druck auf dem linken Flügel sorgte und darauf hinwies, dass die zweite Hälfte ein wenig besser gewesen war als die erste, über die wiederum Möhwald zurecht den Stab brach: "Das war fürchterlich. Jeder ist nur auf seiner Position geblieben und hat gewartet."

Daher wiederholten am Ende alle Spieler, dass man auch in den nächsten Partien keine Wunderdinge von dieser stark ersatzgeschwächten Mannschaft erwarten dürfe. Vor lauter Beschwichtigungen wäre fast untergegangen, dass die Spieler aus gutem Grund viel fröhlicher dreinblickten als ihre Worte klangen: Mit nunmehr 35 Punkten dürfte ein Abstieg für die Nürnberger kein Thema mehr sein.

© SZ vom 03.04.2017
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