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1. FC Nürnberg:Schweinsteiger, das Orakel

04.04.2021 - Fussball - Saison 2020 2021 - 2. Fussball - Bundesliga - 27. Spieltag: 1. FC Nürnberg FCN ( Club ) - SC Pad

Premieren-Tor im Profi-Fußball: Tom Krauß (links) hat gegen den SC Paderborn mit einem satten Distanzschuss aus über 20 Metern getroffen.

(Foto: Daniel Marr/Sportfoto Zink/imago)

Der Club verschafft sich mit einem knappen 2:1-Sieg gegen den SC Paderborn Luft im Abstiegskampf. Auch weil Leipzig-Leihgabe Tom Krauß eine Weissagung seines Co-Trainers wahr macht.

Von Thomas Gröbner

Ein Leidensweg lässt sich besser aushalten, wenn man weiß, dass am Ende die Erlösung wartet, doch diese österliche Gewissheit hatte den 1. FC Nürnberg am Sonntag wieder einmal verlassen. Und so klagte Trainer Robert Klauß trotz des 2:1 (1:1)-Sieges gegen den SC Paderborn über "zuviel Drama in den letzten Minuten". Eigentlich müsste Klauß sich inzwischen daran gewöhnt haben, schließlich hat kein Zweitliga-Team in dieser Saison so viele Punkte nach Führung verspielt wie der 1. FC Nürnberg. Und die Erinnerung daran war noch frisch: Im Frankenderby gegen Greuther Fürth Ende März hatte sich der Club den Sieg in letzter Minute noch entreißen lassen - und auch am Sonntag musste gezittert werden bis zuletzt.

"Allmächd", dieser Seufzer dürfte den Club-Anhängern entfahren sein, als Nikola Dovedan in der Nachspielzeit auf das verwaiste Paderborner Tor zulief, im Nacken die Verfolger, vor ihm: nichts, außer die grüne Weite im Max-Morlock-Stadion. Er hätte das Dramolett abkürzen können. Denn alle Paderborner waren in den Club-Strafraum geeilt gewesen, um den Eckball zu erwarten, der am Ende aber bei Dovedan landete. Er lief, schoss aus fast 50 Metern, doch der Ball - allmächd - hoppelte am Pfosten vorbei.

Dieser Fauxpas war einer von zwei Momenten in dieser Partie, die als Sinnbild für diese Saison taugen könnten, in der sich der Club das Leben selbst schwer macht. Welcher Moment es sein wird, das wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen.

Schweinsteiger hatte in der Kabine vor dem Spiel verkündet: Der Tom, der macht's heute

Denn es gab ja noch diese andere Szene, die vom Nürnberger Aufschwung erzählt und Mut machen dürfte: Mats Möller Daehli startete ein beherztes Solo an der Mittellinie bis zum Strafraum, er fand Tom Krauß, und die Leipzig-Leihgabe traf mit einem satten Distanzschuss aus über 20 Metern (75. Minute). Der Auftritt des 19-Jährigen war ein besonderer, nicht nur, weil er ein rabiates Pressing organisierte im Mittelfeld, das das Paderborner Angriffsspiel erstickte, sondern weil er auch die Weissagung von Co-Trainer Tobias Schweinsteiger wahr machte.

Schweinsteiger hatte in der Kabine vor dem Spiel verkündet: Der Tom, der macht's heute. Es gehört ja zum Ritual beim Club, dass der Trainer in der Kabine fragt: "Wer schießt uns heut zum Sieg?" Und Schweinsteiger tippte auf den Leipziger. "Die anderen haben gelacht", erzählte Krauß. Doch das Orakel auf der Trainerbank behielt recht.

Krauß, hochveranlagter Stratege, war ja zuletzt hin und wieder auf der Bank gesessen, doch in seiner neuen Rolle in der vorderen Position der Raute scheint er aufzublühen. Die Dramaturgie des Spiels bestimmten zunächst die Altgedienten: Eine Flanke von Club-Kapitän Enrico Valentini nutzte Angreifer Manuel Schäffler per Kopf zur Führung (37.). In der Folge aber, natürlich, wieder Drama: Erst kam Verteidiger Lukas Mühl dem schnellen Christopher Antwi-Adjei nicht hinterher, der Christian Mathenia zum Ausgleich tunnelte (44.), dann versagten Schäffler die Nerven am Elfmeterpunkt. Nach einem Handspiel von Paderborns Verteidiger Marcel Correia scheiterte Schäffler an Schlussmann Leopold Zingerle mit einem Strafstoß, der auch als Rückpass durchgehen würde (60.).

Mit dem Sieg klettert Nürnberg auf Platz 13, sieben Punkte beträgt das Polster auf die direkten Abstiegsplätze

Doch inzwischen können die Nürnberger solche Nackenschläge wegstecken, "wir sind damit gut umgegangen, das gefällt mir", sagte Klauß. Mit dem Sieg klettert Nürnberg auf Platz 13, sieben Punkte beträgt das Polster auf die direkten Abstiegsplätze. Der neue Geist am Valznerweiher dürfte auch Olaf Rebbe zugesagt haben. Der Sportdirektor, 42, seit 1. April im Amt, soll den Umbau beim Club vorantreiben. Und ein wenig war es natürlich auch ein Vorspielen vor dem neuen Kaderplaner. Sieben Termine bleiben noch, um sich zu empfehlen - und sich zu erlösen von den Abstiegsnöten. Das abgeschlagene Schlusslicht Würzburg könnte da am nächsten Wochenende gerade recht kommen.

© SZ/and/lein
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