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1. FC Nürnberg:Mit Hingabe und Zuversicht

25 08 2019 Fussball Saison 2019 2020 2 Fussball Bundesliga 04 Spieltag 1 FC Nürnberg N

„Durch meine körperliche Spielweise kann ich schnell funktionieren.“ – Nürnbergs Zugang Michael Frey.

(Foto: Zink/imago)

Beim 1:0 gegen Osnabrück zeigt der neue Nürnberger Stürmer Michael Frey auf Anhieb alles, was sie beim Club zuletzt öffentlich für vermisst erklärten.

Michael Frey tat sein Möglichstes, um gleich mal einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Er sprintete von links nach rechts, von rechts nach links, er tat das in höchstem Tempo und unabhängig davon, welche Mannschaft gerade im Besitz des Balles war. Frey arbeitete bisweilen auch mit dem Ellenbogen, wenn sich ein Gegenspieler von hinten näherte, und in seinen wenigen bewegungsfreien Momenten dirigierte er seine Teamkollegen gestenreich über den Platz. Der Zugang Frey zeigte also auf Anhieb genau das, was die Verantwortlichen des 1. FC Nürnberg zuletzt öffentlich für vermisst erklärten: Willen, Hingabe, Einsatzbereitschaft und Zuversicht.

Das schien auch auf den Rest der Mannschaft eine gewisse Wirkung zu entfalten. Der Club gewann am Sonntagmittag verdient 1:0 gegen Aufsteiger VfL Osnabrück, den Treffer des Tages erzielte Johannes Geis in der 80. Minute. Es war kein Sieg von spielerischer Brillanz, nach zuletzt zwei Niederlagen in Serie aber einer von großer Wichtigkeit. "Das tut der Mannschaft gut nach der Kritik der letzten Wochen", sagte der Nürnberger Trainer Damir Canadi, der im Vergleich zu den vorangegangen Partien einiges veränderte: Er stellte um auf eine Dreierkette in der Abwehr und bot eine Startelf ohne Spielmacher Sebastian Kerk und Kapitän Hanno Behrens auf. Auch der zuletzt formschwache Angreifer Mikael Ishak musste wieder mit einem Platz auf der Bank Vorlieb nehmen. Und angesichts des für fränkische Verhältnisse prominenten Zugangs dürfte sich dessen Situation demnächst noch erschweren.

Trainer Canadi hatte vor der Partie von derart guten Trainingseindrücken berichtet, dass Michael Frey sozusagen frei darüber verfügen durfte, ob er von Beginn an spielt oder nicht. Der 1,88 Meter große Schweizer, kürzlich vom türkischen Erstligisten Fenerbahçe Istanbul ausgeliehen, sollte seinen Trainer lediglich vorab darüber in Kenntnis setzen, ob er sich einen Einsatz über "60 oder 70 Minuten" zutraue. Da es sich bei Frey, 25, um einen klassischen Mittelstürmer handelt, also ein Mitglied einer meist besonders selbstbewussten Fußballergattung, war das Ergebnis seiner Überlegungen nicht sonderlich überraschend: Frey stand von der ersten Minute an auf dem Platz - und durfte sogar durchspielen.

"Durch meine körperliche Spielweise kann ich schnell funktionieren", sagte Frey. Tatsächlich hatte der Stürmer auf Anhieb einen merklichen Einfluss auf das Nürnberger Spiel, er verschaffte seinen Teamkollegen Orientierung und erwies sich als sichere Anspielstation. "Das ist schon ein Bulle", fand Mittelfeldspieler Robin Hack, "wie der die Bälle vorne festmacht, das ist schon stark."

Zunächst brauchte es aber ein bisschen Mithilfe der Osnabrücker, damit der Club zu Gelegenheiten kam. Johannes Geis trat einen Freistoß, abgefälscht vom Kopf des VfL-Mittelfeldspielers Johannes Taffertshofer prallte der Ball an den Pfosten und von dort in die Arme von Torwart Nils Körber (17.). Einen unerwarteten Versuch unternahm Mittelfeldspieler Hack, der von knapp vor der Mittellinie einfach mal wuchtig in Richtung Osnabrücker Tor schoss und den weit vorne postierten Körber beinahe überrumpelt hätte - der VfL-Torwart konnte den Ball aber noch knapp über die Latte lenken (43.).

Auch Frey hatte eine Gelegenheit: Von seinem Abschluss aus spitzem Winkel (25.) ging aber keine größere Gefahr aus. Aufgrund einer Abseitsstellung wurde ein Tor des VfL-Stürmers Anas Ouahim unter Zutun des Videoassistenten aberkannt (28.). "Wir hatten in der ersten Hälfte vier oder fünf Hochkaräter", analysierte Trainer Canadi, was eine eher optimistische Einschätzung war. Aber: Die Nürnberger waren durchaus die tonangebende Mannschaft und in der Defensive wohlstrukturiert.

Nach der Pause veränderte sich nichts an diesem Gesamtbild. Aber erst mit der Einwechslung von Kapitän Behrens (71.) kam wieder mehr Schwung in die Offensive. Nach einer Flanke stieg Frey im Strafraum hoch, seinen Kopfball lenkte der zur Halbzeit für den verletzten Körber eingewechselte Torwart Phillipp Kühn über die Latte (77.). Und so war es Mittelfeldspieler Geis vorbehalten, für die Nürnberger Erlösung zu sorgen - mit einem perfekt platzierten Schuss aus der Distanz traf er zum 1:0-Endstand (80.

). Nach dem Schlusspfiff ballte Stürmer Frey die Faust, er ließ einen lauten Siegesschrei los und machte sich auf, um mit jedem seiner Mitspieler abzuklatschen. "Natürlich will ich Tore machen", sagte Frey nach dem Spiel, "aber nach den letzten Wochen war es das Wichtigste, dass wir ackern und drei Punkte holen." Über die Nürnberger Prioritäten wusste er also Bescheid.