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1. FC Nürnberg:Mbappé überall

1. FC Nuernberg v Paris Saint-German - Pre-Season Friendly

Zu Gast in Nürnberg: Kylian Mbappé (r.) mit Paris Saint-Germain.

(Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

"Es tut uns gut, endlich mal ein gutes Ergebnis zu holen": Der Club freut sich über ein 1:1 gegen Paris St. Germain. Aber die Augen der Fans sind nicht auf die eigenen Akteure, sondern auf einen Spieler des Gegners gerichtet.

Wenn der französische Rekordmeister ruft, strömen selbstredend auch die Anhänger des 1. FC Nürnberg ins Stadion. Und ein Raunen ging durch die Menge, wann immer Kylian Mbappé (rechts, gegen Lukas Mühl) seinen Fuß ans Spielgerät bekam - und was er damit fabrizierte, war spektakulär. Egal ob Hackentricks, Übersteiger oder Sololäufe - der französische Weltmeister verzückte die fränkischen Zuschauer ein ums andere Mal und war der einzige Akteur von Paris Saint-Germain, der bei seiner Auswechslung mit tosendem Applaus verabschiedet wurde.

Die 70 Testspiel-Minuten zuvor waren ein kleiner Vorgeschmack gewesen auf das, was seine Gegenspieler in der französischen Liga in der kommenden Saison wieder erwarten dürfte. Mbappé traf in der ersten Hälfte gleich zweimal den Pfosten und zauberte Paris danach quasi im Alleingang zur Führung, nachdem er Verteidiger Mühl im Strafraum getunnelt hatte. Doch im Gegensatz zu Dynamo Dresden, das in der vergangenen Woche noch mit 1:6 hoffnungslos unterlegen waren, hielt der Bundesliga-Absteiger gegen das französische Starensemble gut mit. Ein Treffer aus dem Spiel heraus gelang den Nürnbergern zwar nicht, aber trotzdem: Ein 1:1 lässt die Fans kurz vor Saisonstart optimistisch stimmen, nachdem die anderen Testspiele bisher anders als geplant abliefen. "Es tut uns gut, endlich mal ein gutes Ergebnis zu holen", bestätigte auch Nürnbergs neuer Trainer Damir Canadi nach dem Spiel. "Wir haben in der Vorbereitung nicht unbedingt immer überzeugende Resultate geholt, aber die Mannschaft entwickelt sich."

Dennoch war das Ergebnis auch für die mehr als 30 000 Nürnberg-Fans im Max-Morlock-Stadion nur zweitrangig - schließlich hat man nicht alle Tage einen Champions-League-Titelaspiranten aus dem Ausland zu Besuch. Der muss sich dieser Tage abseits des Platzes ja mit ganz anderen Problemen auseinandersetzen: Neymar möchte Paris so schnell wie möglich verlassen - auch in Nürnberg war er nicht dabei. Aber: "Er fliegt mit uns nach China und spielt dort mit uns gegen Inter Mailand", versicherte PSG-Trainer Thomas Tuchel nach der Partie in Nürnberg. "Natürlich wünsche ich mir, dass Neymar bleibt. Aber das liegt nicht auf meiner Ebene. Ich persönlich habe mit ihm keinerlei Probleme, und so lange er bei uns Spieler ist, plane ich mit Neymar im Training."

Ohne den Brasilianer blieb Mbappé an diesem Abend der Einzige, der bei den Parisern Aufsehen erregte. Die deutschen Nationalspieler Julian Draxler und Thilo Kehrer blieben blass wie die Zugänge um Ander Herrera - allesamt schlichen sie in der 67. Minute eher unbemerkt vom Feld, als Tuchel fast seine komplette Startelf auswechselte und den Reservisten noch mal die Chance gab, sich zu beweisen.

Die Nürnberger, in der ersten Hälfte noch überfordert, erkämpften sich daraufhin auch mit viel Einsatz und Willenskraft einen Punkt. Der Ausgleichstreffer fiel nach einem Handelfmeter durch Enrico Valentini kurz nach der Auswechslung der ersten PSG-Garde. Aber selbst nach dem Schlusspfiff waren die Augen der Fans nicht etwa auf die eigenen Akteure, sondern auf Kylian Mbappé gerichtet. In der Halbzeitpause hatte er sein Trikot bereits an einen jungen Fan verschenkt, nach dem Abpfiff standen die Ballkinder für Selfies Schlange.