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1. FC Nürnberg:In Lauerstellung

16 09 2017 Fussball Saison 2017 2018 2 Fussball Bundesliga 06 Spieltag MSV Duisburg Z; Nürnberg Ingolstadt Ishak Leitl

Ende der Durchsage: Nach Mikael Ishaks drei Treffern beim MSV Duisburg hat sich die Stürmer-Diskussion in Nürnberg erst einmal erledigt.

(Foto: imago/Zink)

Der 1. FC Nürnberg strebt nach dem hohen Sieg in Duisburg im Heimspiel gegen Bochum den nächsten Erfolg an.

Von Christoph Ruf

Irgendjemand in der Frankfurter Guiolettstraße scheint es derzeit gut mit den Spielern des 1. FC Nürnberg zu meinen. Denn die können derzeit in aller Seelenruhe vom Sofa oder der Sportsbar aus zusehen, wie sich die Konkurrenz um die Punkte balgt - um dann mit gebührendem Abstand selbst ins Geschehen einzugreifen. Wenn der Club an diesem Donnerstagabend (20.30 Uhr) sein Heimspiel gegen den VfL Bochum bestreitet, sind die anderen acht Partien des siebten Zweitliga-Spieltags längst gespielt. Und wenn es am kommenden Wahl-Sonntag zum Derby nach Fürth, Ortsteil Ronhof, geht, sind ebenfalls bereits fünf Partien passé.

Unrecht ist den Franken die Beobachterposition derweil nicht, schließlich liegt man auch tabellarisch in Lauerstellung, da kann es nichts schaden, wenn man sich erst mal in aller Ruhe die Konkurrenz anschaut, ehe man selbst seinem Beruf nachgeht. Am vergangenen Wochenende gelang das schon mal prächtig. Denn während Union Berlin und Braunschweig sich am Freitagabend die Punkte teilten, gelang dem Club am Samstagmittag ein 6:1-Sieg in Duisburg - ein Ereignis, das gleich aus mehreren Gründen katharsische Wirkung hatte. Nicht nur, dass ein Ergebnis mit fünf Toren Unterschied ja per se einmal keines ist, nach dem der eigene Anhang gerne Gift und Galle in den Internetforen versprüht. Nein, das Thema, das dort zuletzt am meisten diskutiert wurde, war auch noch gleich abgeräumt.

Bis zum Samstag, den 16. September, galt es schließlich als Binsenweisheit, dass der Club zwar in diesen Tagen grundsätzlich ganz gut beieinander ist, dass genau diese Feststellung aber ausschließlich für Trainer, Platz- und Torwart, sowie Abwehr und Mittelfeld gilt. Keinesfalls jedoch für den Angriff. Dort wähnte man Berufsanfänger am Werk. Ob Rurik Gislason, Adam Zrelak oder Mikael Ishak. Egal, wen von denen der Trainer auch aufstellen sollte, treffen würde ohnehin keiner, so raunten einige im Umfeld. Bis zum vergangenen Wochenende, als der bis dato im Nürnberger Dress torlose Ishak im 20. Spiel für den Club gleich drei Treffer zum 6:1 beisteuerte. Die Stürmer-Diskussion hat seither merklich an Schwung verloren. Und das sehr zur Freude der Kollegen, wie Keeper Thorsten Kirschbaum betont: "Da sieht man, wie schnelllebig die Branche ist. Man hat den Angreifern aber im Training auch angemerkt, dass sie diese komische Debatte möglichst schnell beenden wollen." Das freut auch Coach Michael Köllner, der "den Rückenwind nutzen" und "sich im vorderen Drittel festsetzen" will.

In dieser Zweitliga-Konkurrenz fehlt ein übermächtiges Team

Dass das (und vielleicht auch mehr) möglich ist, davon sind offenbar auch die Spieler selbst überzeugt. Zumal in dieser Zweitliga-Konkurrenz allem Anschein nach eine übermächtige Mannschaft fehlt, wie es in der vergangenen Saison das Trio Stuttgart-Hannover-Braunschweig war, das einen ordentlichen Abstand zu Rang vier aufgebaut hatte. Zudem bleibt bei allen Diskussionen über die beiden aufeinanderfolgenden Niederlagen der Spieltage vier und fünf und dem Stürmer-Thema ja der Gesamteindruck der vergangenen Wochen und Monate. Und der besagt, dass die Mannschaft der Spielzeit 2017/18 um Welten besser Fußball spielt als die der vergangenen Saison. Kirschbaum sieht das natürlich ähnlich, möchte die Diskussion aber auf gar keinen Fall darüber führen, ob nun Köllner-Vorgänger Alois Schwartz mit seiner arg auf Sicherheit bedachten Grundausrichtung vielleicht der falsche Mann zur falschen Zeit gewesen sei. Nur so viel: "Unser Spiel ist jetzt auf kurze Pässe und technischen Fußball orientiert. Das kommt den vielen jungen, gut ausgebildeten Fußballern aus der U21 und dem NLZ bei uns natürlich entgegen." Und im Gegensatz zur Rückrunde der vergangenen Saison habe das Team nun im Sommer eben die Zeit gehabt, um den Köllner-Stil von Grund auf einzustudieren. "Der größte Unterschied zu damals ist, dass wir sechseinhalb Wochen Zeit hatten, um die Spielphilosophie zu verinnerlichen. Die Chance gab es vorher so nicht, weil wir mitten im Wettkampf standen." Da stehen sie nun zwar wieder. Doch im Gegensatz zur vergangenen Saison, als erst kurz vor knapp der Klassenerhalt gesichert werden konnte, darf der Blick jetzt wieder nach oben statt nach unten gehen. Spätestens dann, falls der 1. FC Nürnberg den siebten Spieltag gegen den VfL Bochum mit einem Sieg abschließen sollte.

© SZ vom 21.09.2017

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