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1. FC Nürnberg:Entblößt am Dutzendteich

1. FC Nürnberg - Hamburger SV

Duell der Traditionsklubs: Nürnbergs Asger Sörensen (rechts) und Lukas Hinterseer vom Hamburger SV kämpfen um den Ball.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Der 1. FC Nürnberg verliert mit 0:4 gegen den Hamburger SV. Dabei hatte sich Club-Trainer Damir Canadi für das Duell der Traditionsklubs etwas Spezielles ausgedacht.

Dieter Hecking kennt sich aus in Nürnberg, kennt die Gänse am Dutzendteich. Und er weiß, dass der Wellengang neben dem Stadion etwas ruhiger ist als weiter nördlich am Meer. Vor allem weiß er auch nach ein paar Wochen als Trainer beim HSV, wie schnell sich die Großwetterlage verändern kann. "Das Negative kommt erst mal nach Hamburg, bevor es dann weiter nach Dänemark zieht", sagte der ehemalige Club-Trainer vor dem Aufeinandertreffen mit seinem früheren Arbeitgeber. Doch nach dem 0:4-Sieg (0:2) über den 1. FC Nürnberg dürfte das Tief sich erst einmal verziehen - und die Stimmen, die vom Fehlstart in Hamburg raunten, verstummen. Beim Club aber ist die Euphorie nach der krachenden Niederlage gedämpft.

Dabei hatte sich Club-Trainer Damir Canadi etwas ausgedacht. Nikola Dovedan, den Club-Trainer Canadi schon aus seiner Zeit in Österreich schätzt, hatte er für Mikael Ishak im Sturmzentrum aufgeboten. Auch der Sprachkurs von Medeiros Picanco scheint Fortschritte gebracht zu haben. Dem Portugiesen wollte Canadi Zeit geben, bis ihm die Grammatik des Nürnberger Spiels geläufig ist. Er sollte den flinken Dovedan bedienen, gegen die hoch aufgeschossenen HSV-Verteidiger vermutete man da wohl Vorteile.

Doch es sollte anders kommen, es sollte nicht der Abend der Canadi-Schüler, sondern der eines verfemten Rückkehrers werden. Zwölf Minuten dauerte es, bis Tim Leibold, dem die Nürnberger Anhänger es nicht verziehen haben, dass er den Verein nach dem Abstieg trotz Treueschwüre verlassen hatte, die frühe Führung für den HSV einleitete. Seine kluge Hereingabe von der linken Seite nahm Jeremy Dudziak auf, von der Strafraumgrenze traf er überlegt ins rechte Eck zur Führung, Mathenia streckte sich vergeblich. Auf der anderen Seite machte es sich bezahlt, dass Dieter Hecking Zugang Sony Kittel vom Absteiger Ingolstadt einen Vertrauensvorschuss gewährte. Kittel sei "sensibel" sei und brauche viel Zutrauen. Wenn er das spüre, dann könne er den Unterschied ausmachen, sagte Hecking - und sollte schnell Recht bekommen. Wieder war Leibold in die Entstehung verwickelt, sein Dribbling beendete die Nürnberger Hintermannschaft unsanft. Den fälligen Freistoß, sonst die Sache von Kapitän Aaron Hunt, übernahm Sony Kittel - und schlenzte den Ball ins Tor (30.). Hamburg spielte nun reifer, während sich Nürnberg verzettelte und das eigene Tor ein ums andere Mal entblößte.

Canadi versuchte zu korrigieren, er brachte Ishak für Lukas Jäger, der seinen gewohnten Platz ganz vorne einnahm. Doch auch das sollte erst einmal ohne Wirkung bleiben. Immerhin kam Nürnberg jetzt zu Möglichkeiten. Die 40 000 hatten dann schon den Torschrei auf dem Lippen, als der Nürnberger Kapitän Hanno Behrens den Ball ins Tor drückte - Abseits.

Ein Schuss von Dovedan landete nach einer guten Stunde auf dem Tordach. Nürnberg mühte sich, allein die Mittel fehlten. Nach dem 1:0-Sieg gegen Dresden, da hatte der österreichische Club-Trainer Canadi noch davon gesprochen, man habe die Chancen nicht "finalisieren" können, was sich einfacher anhört, als es mitunter ist. Diesmal gab es aber kaum Möglichkeiten, die sich hätten finalisieren lassen.

Die gute Nachricht am Montag: Johannes Geis wechselt zum Club

Stattdessen war es der HSV, der in Person von Hinterseer alleine vor Mathenia scheiterte, der den Nachschuss von Khaled Narey gerade noch über das Tor lenkte.

Ein letztes Aufbäumen und mehr Struktur sollte ein Doppelwechsel bringen. Sebastian Kerk fürs Kreative, Federico Palacios sollte vorne wuseln. Stattdessen war es aber wieder der HSV, der die nächste Möglichkeit verschluderte. Khaled Narey versagten frei vor Mathenia die Nerven. Ein wenig später machte der seine Sache besser. Mit viel Zeit durfte er aus zwanzig Meter Maß nehmen: das 0:3 (72. Minute). Und es sollte noch schlimmer kommen. Tim Handwerker unterlief bei einer Rettungstat in der 81. Minute ein Eigentor zum 0:4. Und so endete dieser erste Vergleich zweier Mannschaften, die mit großen Ambitionen in die Saison gegangen waren, und in dem beide Trainer einen großen Umbruch moderieren müssen, erstaunlich eindeutig. Immerhin eine gute Nachricht konnten die Nürnberger an diesem Tag vermelden: Die Verpflichtung des bundesligaerfahrenen Johannes Geis (Schalke 04, Mainz 05). Er hat alle Jugendmannschaften des DFB durchlaufen und war zuletzt mit Köln in die erste Liga aufgestiegen. "Eine tragende Rolle" soll Geis nun sehr bald im Nürnberger Gerüst einnehmen, völlig unbelastet von all dem Negativen an diesem Abend.