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1. FC Nürnberg:Die Fehler der Schwiegersöhne

"Wir wollen wissen, warum sie die zweite Liga noch nicht angenommen haben": Beim Club droht die Auftakt-Euphorie nach zwei Niederlagen zu schwinden.

Es ist noch nicht mal einen Monat her, da kam Hanno Behrens nach dem Training gut gelaunt in den kleinen Raum in der Geschäftsstelle des 1. FC Nürnberg, in dem die Fußballer unter der Woche Interviews geben. Er musste ein paar Aufsager in die Kamera sprechen, "wir sind der Club", sagte er zum Beispiel, als Kapitän und Gesicht der Mannschaft. Er beantwortete Fragen zum bevorstehenden ersten Spieltag voller Zuversicht und lächelte, als er über die Aufstellung sprach. Ja, natürlich würde er sich selbst aufstellen. Und er gehe davon aus, dass das auch der Trainer tun werde.

Nun, drei Zweitligaspieltage später, ist Behrens immer noch das Gesicht des Bundesliga-Absteigers, aber gerade kein lächelndes. Am Freitag beim Stand von 1:2 in Sandhausen ging er zur Pause enttäuscht in die Kabine und kehrte nicht aufs Feld zurück, weil Trainer Damir Canadi ihn ausgewechselt hatte. Nürnberg verlor 2:3, es war die zweite Niederlage der Saison, und es war eine besondere. "Die erste Halbzeit in Sandhausen sitzt ganz tief", sagt Sportvorstand Robert Palikuca auch noch drei Tage später.

Philipp Foerster SV Sandhausen 28 im Zweikampf mit Hanno Behrens 1 FC Nuernberg 18 beim Spie

Bei Nürnbergs Aufstieg 2018 mit 14 Treffern der beste Torschütze, vor dem Spiel am Sonntag gegen Osnabrück plötzlich nicht mehr unumstritten Stammspieler: Club-Kapitän Hanno Behrens (hinten).

(Foto: Michael Bermel/imago)

Der 1. FC Nürnberg ist mit einer Euphorie in die Saison gestartet, wie sie eher ungewöhnlich ist für einen Absteiger, 2000 Zuschauer kamen zum Trainingsauftakt. Aber inzwischen droht schon ein wenig von der Euphorie wieder zu schwinden. Palikuca sagt: "Wir wollen von den Spielern wissen, warum sie die zweite Liga noch nicht angenommen haben."

Im Fokus stehen jene Spieler, die schon in der Vorsaison da waren und die Achse der Mannschaft bilden sollen. Neben Behrens wurde am Freitag auch Mittelstürmer Mikael Ishak zur Pause ausgewechselt. Und am Montag verkündete Nürnberg die Unterschrift des zwölften Zugangs in diesem Sommer: Mittelstürmer Michael Frey kommt zur Leihe von Fenerbahçe Istanbul. "Er ist genau der Spielertyp, der uns im Kader noch gefehlt hat", sagt Palikuca. Nämlich "ein wuchtiger, kopfballstarker Angreifer. Er ist in der Lage, den Ball zu halten und weiß seinen Körper einzusetzen."

Wenn der Sportvorstand über den Saisonstart spricht, dann erwähnt er einerseits, dass es auch ein paar positive Eindrücke gibt. Zum Start gewann der Club 1:0 bei Dynamo Dresden, im DFB-Pokal schlug die Mannschaft den Drittligisten Ingolstadt und zeigte dabei die von ihm erwartete Reaktion nach dem vorangegangenen 0:4 im ersten Heimspiel gegen den Hamburger SV. Doch Palikucas Wortwahl in der Beschreibung der Niederlagen ist deutlich. "Wir haben nicht stattgefunden, das ist in der zweiten Liga so nicht darstellbar", sagt er über die erste Halbzeit in Sandhausen. "Erschreckend schwach", nennt er die Zweikampfführung. "Trainer, Mannschaft und ich stehen in der Pflicht, das zu beheben", sagt er.

Zwölf Neue für den Club

Tor

Andreas Lukse (SC Rheindorf Altach)

Verteidigung

Asger Sörensen (RB Salzburg)

Oliver Sorg (Hannover 96)

Tim Handwerker (1. FC Köln)

Johannes Geis (1. FC Köln)

Iuri Medeiros (Sporting Lissabon)

Robin Hack (TSG Hoffenheim)

Angriff

Nikola Dovedan (1. FC Heidenheim)

Fabian Schleusener (SC Freiburg)

Felix Lohkemper (FC Magdeburg)

Paul-Philipp Besong (Borussia Dortmund U19)

Michael Frey (Fenerbahçe Istanbul)

Mut, Präsenz, Aktivität, so lauteten die Lieblingsvokabeln, mit denen die Spielidee des neuen Trainers Canadi in den vergangenen Wochen recht euphorisch beschrieben worden war. Doch zumindest gegen den HSV und in der ersten Halbzeit gegen Sandhausen hatte das Nürnberger Spiel eher ängstlich ausgesehen. Besonders deutlich war das an Behrens und Ishak zu erkennen, über deren Charakter Palikuca so lobend spricht wie über den von vorbildlichen Schwiegersöhnen. Vielleicht erwartet er gerade deshalb mehr. "Das hat weder mit dem System, noch mit der Taktik etwas zu tun", sagt Palikuca, wohl auch um deutlich zu machen, die Fehler nicht in der Arbeit des Trainers zu suchen. "Wir reden über die grundsätzlichen Dinge."

Sowohl Behrens, 29, als auch Ishak, 26, haben diese Dinge in der zweiten Liga schon gezeigt. Behrens ist zweimal aufgestiegen, einmal mit Darmstadt und einmal mit Nürnberg 2018, als Mittelfeldspieler war er mit 14 Treffern der beste Torschütze. Der zweitbeste war Ishak mit zwölf Treffern. Am Sonntag gegen Osnabrück könnte mindestens einem der beiden nun ein Platz auf der Bank drohen.

Für Behrens kam zur Pause in Sandhausen Lukas Jäger, den Canadi schon beim SCR Altach in Österreich trainierte, für seine Mentalität schätzt und nach dem Spiel trotz der Niederlage lobte: "Jäger hat uns bei der Leidenschaft gutgetan. Er hat Zweikämpfe gewonnen, die Bälle durchgedrückt und in die Vorwärtsbewegung bekommen." Und als Konkurrent für Ishak ist nun der Schweizer Frey da, 25 Jahre alt, 1,89 Meter groß, der im Angriff die Präsenz zeigen soll, die Ishak zuletzt fehlte.

"Ich hab' ne gute Mentalität", sagte Frey in seinem ersten Interview. "Und ich mach immer meine Tore." Es klang also schon mal nach dem Mut, den sich seine neuen Vorgesetzten von ihm erhoffen.