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1. FC Nürnberg:Bleistiftanspitzer mit Bestnote

Der Club hat einen neuen Coach: Robert Klauß, 35, seit zehn Jahren bei RB Leipzig und zuletzt Co-Trainer der Profis, tritt seinen ersten Chefposten an.

Von Markus Schäflein

Die erste gute Nachricht, was das Thema Trainer betrifft, erreichte den Fußball-Zweitligisten 1. FC Nürnberg schon am Mittwoch: Damir Canadi hat einen neuen Job. Einen neuen alten Job, er kehrt zurück zum griechischen Erstligisten Atromitos Athen. Dort war er erfolgreich und ist bestens bekannt, so dass er sich und seine Ideen gar nicht erst per Powerpoint-Präsentation vorstellen musste. Die Unterschrift in Griechenland hatte für den Club den erfreulichen Aspekt, dass Canadi, in Nürnberg im November mangels Erfolg entlassen, nicht mehr auf der Gehaltsliste auftaucht.

Dort findet sich stattdessen künftig ein neuer Name: Robert Klauß, 35. Der bisherige Assistenzcoach von Julian Nagelsmann beim Bundesligisten RB Leipzig wird Cheftrainer in Nürnberg, wie der Club am Donnerstag bekannt gab. Am Montag wird sich Klauß am Valznerweiher offiziell vorstellen. "Ich empfinde die Chance, als Cheftrainer zu einem so großen Club wie dem 1. FC Nürnberg wechseln zu dürfen, als keine Selbstverständlichkeit. Diese Möglichkeit unterstreicht eine unfassbare Wertschätzung", sagte Klauß laut der Pressemitteilung, und er nannte den neuen Sportvorstand Dieter Hecking als "entscheidenden Grund" für den Wechsel. Die Nürnberger Aufsichtsräte wiederum hatten es ja in ihrer Wahl des Sportvorstands als entscheidenden Grund empfunden, dass der Neue in der Lage sein solle, eine hervorragende Trainerlösung zu präsentieren - und zwar rechtzeitig vor dem Trainingsstart in der kommenden Woche.

19.03.2018, xfux, Fussball, Festakt anlässlich der Beendigung des 64. Fußball-Lehrer-Lehrgangs, emspor emonline, v.l. T

„2018 schloss er den Fußball-Lehrer-Lehrgang als Jahrgangsbester mit der Note 1,0 ab“: Nach seiner Ausbildung erhielt Robert Klauß sogar eine hübsche Urkunde.

(Foto: Jan Huebner/Imago)

Klauß, der noch bis Juni 2021 in Leipzig unter Vertrag stand, wurde offenkundig als hervorragender empfunden als sein vereinsloser Gegenkandidat Dimitrios Grammozis, der in Darmstadt in der vergangenen Saison erfolgreichen Zweitliga-Fußball hatte spielen lassen. Die sehr geschätzte Art, wie bei Red Bull Fußball gespielt wird, hat Klauß hingegen durch und durch verinnerlicht. Seit 2018 war er in Leipzig als Assistent erst unter Ralf Rangnick, dann unter Nagelsmann tätig, in den Jahren zuvor leitete er seit 2010 verschiedene Nachwuchsmannschaften sowie die mittlerweile abgemeldete zweite Mannschaft an. Und: "2018 schloss er den Fußball-Lehrer-Lehrgang als Jahrgangsbester mit der Note 1,0 ab", wie der Club stolz mitteilte. Zudem war Klauß, wie der Club nicht mitteilte, 2015 Kandidat in der TV-Show "Schlag den Raab". Er siegte im Bleistifteanspitzen, beim Wasserlabyrinth und im Erraten von rückwärts abgespielten Songs, musste sich dem Entertainer Stefan Raab dann allerdings doch noch deutlich mit 18:73 Punkten geschlagen geben.

Für Hecking, der erst Anfang der Woche als neuer Sportchef präsentiert worden war, ist Klauß "ein mutiger Trainer mit frischen und innovativen Methoden". Bei RB habe er "unter verschiedenen Cheftrainern dauerhaft eigenständig arbeiten und seine Ideen einbringen" können. Und, was angesichts des aufgeregten und tendenziell pessimistischen Nürnberger Umfelds beim Club wichtiger ist als in Sandhausen: "Robert ist eloquent und beherrscht es, Aufbruchsstimmung zu erzeugen."

Erras nach Bremen

Mittelfeldspieler Patrick Erras wechselt vom 1. FC Nürnberg zu Werder Bremen. Das teilten die beiden Vereine am Donnerstag mit. Der 25-Jährige hat Medienberichten zufolge einen Dreijahresvertrag erhalten. Erras kam in der vergangenen Saison 20 Mal für den Club zum Einsatz. Der Defensivspieler wechselt ablösefrei an die Weser und soll dort die Lücke schließen, die durch die Abgänge von Nuri Sahin und Kevin Vogt entstanden ist. Bei den Norddeutschen sieht er seine ehemaligen Club-Teamkollegen Niclas Füllkrug und Kevin Möhwald wieder. Erras hatte in Nürnberg von 2007 an alle Jugendmannschaften durchlaufen. Für die Profis bestritt er insgesamt 86 Spiele. DPA

Auch für Klauß selbst ist es, nach einem Jahrzehnt als intern sehr geschätzter RB-Mitarbeiter, ein Aufbruch in eine neue Welt. "Es wird sicherlich den Moment geben, in dem ich mich entscheiden werde, ob ich Cheftrainer werden will oder Co-Trainer bleibe", sagte er noch im März. "Es gibt auch immer mal wieder loses Interesse, aber bis jetzt war noch nicht der Punkt gekommen, an dem ich sage: Ja, das ist reizvoller als das, was ich hier tue." Nun ist der Punkt offensichtlich erreicht gewesen.

© SZ vom 31.07.2020

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