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1. FC Köln:Vom Verwünschten zum Fan-Liebling

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Kölner Kanonier: FC-Stürmer Jhon Cordoba schießt sich im Trainingslager für die neue Bundesliga-Saison warm.

(Foto: Heuberger/Imago)

Nach harter Anfangszeit feiern die Rheinländer den Stürmer Jhon Cordoba. Auch Heimkehrer Modeste macht Fortschritte.

Jörg Schmadtke hatte gute Ideen, als er im Frühjahr 2017 darüber nachdachte, welcher Stürmer in der folgenden Saison den China-Auswanderer Anthony Modeste ersetzen sollte. Der Sportchef des 1. FC Köln - mittlerweile in gleicher Funktion beim VfL Wolfsburg tätig - hatte zum Beispiel Michael Gregoritsch im Blick, der beim Hamburger SV am klassischen HSV-Syndrom litt: Er spielte unter seinem Niveau und wurde im Klub unter seinem Wert gehandelt. Außerdem hätte der Kölner Manager gerne den cleveren Torjäger Mark Uth nach Hause geholt - und als dritten Kandidaten hatte er Jhon Cordoba von Mainz 05 ausersehen. Das Ende der Geschichte ist bekannt: Gregoritsch ging nach Augsburg, Uth blieb noch ein Jahr in Hoffenheim - und Cordoba kostete den FC sagenhafte 17 Millionen Euro, dreimal so viel, wie die Augsburger für ihren neuen Stürmer Gregoritsch an den HSV bezahlten. Und während der Österreicher im ersten Jahr 13 Tore für den FCA schoss, erzielte der Kolumbianer Cordoba für Köln exakt 13 Tore weniger - was nicht ganz unwesentlich dazu beitrug, dass Schmadtke noch vor Beginn der Karnevalssaison am 11. im 11. 2017 sein Amt niederlegte.

Als nun Cordoba vor einigen Tagen die Arbeit nach den Sommerferien 2019 wiederaufnahm, holte ihn prompt die Vergangenheit ein. Am Geißbockheim wurde ihm ein Gegenstand überreicht, über den sich nach dem bewährten Slogan streiten lässt: "Ist das Kunst oder kann das weg?" Cordoba freute sich trotzdem aufrichtig, als man ihm die vergoldete Geißbockplastik aushändigte, denn in ihr verkörpert sich die wunderbare Wende seines Werdegangs in Köln. Der lebensgroße Kunst-Geißbock ist die Dreingabe zur Wahl des "Spielers der Saison", zu dem die FC-Fans ihren vormals mehrheitlich auf den Mond verwünschten Millionenstürmer bestimmt haben.

Mit 20 Treffern und einer Rückrunde, in der Cordoba in nahezu jedem Spiel zu den besten Kölnern gehörte, hatte der Angreifer einen guten Anteil am Wiederaufstieg in die Bundesliga. Er sei sehr glücklich über die Auszeichnung, sagte der 26-Jährige, und womöglich hat diese nette kleine Nachricht auch im fernen Wolfsburg ein Lächeln hervorgerufen, wenngleich es vermutlich ein grimmiges Lächeln war. Das Ende seines Kölner Engagements lässt Schmadtke immer noch Spuren von Bitternis spüren - was im Übrigen auf Seiten der Kluboffiziellen kaum anders ist.

Eine weitere Pointe dieser Geschichte ist die, dass Cordobas Vorgänger, an dem er infolge der vielen Ablösemillionen ungerechterweise gemessen und für unzureichend befunden wurde, inzwischen Cordobas Sturmpartner ist: Anthony Modeste, 31, ist nach jetzigem Stand der Favorit auf den Stammplatz neben dem Kolumbianer, dessen Stammplatz in der Startelf sogar noch ein wenig stabiler fundiert zu sein scheint als der des in Köln hochverehrten Franzosen. Modeste macht allerdings zusehends Fortschritte.

Nach seinem vorzeitig abgebrochenen China-Abenteuer war er körperlich nicht ganz auf der Höhe, als er im Winter beim FC einstieg. Nun lässt er die Zuschauer am Trainingsplatz wieder staunen, wenn er hohe Zuspiele zielsicher in der Luft einfängt wie der Frosch die Fliege. Simon Terodde, der Kölner Schützenkönig der Vorsaison, dürfte seine Schlüsse daraus ziehen, dass Modeste und Cordoba im Trainingskick die Leibchen erhalten und an der Seite von Kapitän Jonas Hector spielen. Andererseits erzeugt ein auf Einsätze drängelnder Torjäger Terodde in der Hinterhand beim Sportchef Armin Veh und den übrigen Planern am Geißbockheim ein angenehmes Gefühl. Wenn der neue Trainer Achim Beierlorzer auf den Zukauf von Verstärkungen zu sprechen kommt, dann ist von dieser und jener Position in Abwehr und Mittelfeld die Rede, aber nicht vom Angriff, der mit seinen drei Kanonieren geradezu angeberisch in den Wettkampf geht.

Kölsch hat Cordoba noch nicht gelernt, generell herrscht offenbar noch Nachholbedarf, wenn es um die Beherrschung der Landessprache geht. Aber die Eingewöhnung im Rheinland ist nach Auffassung der FC-Offiziellen inzwischen als geglückt anzusehen. Womöglich wird seine just geborene Tochter demnächst besser Deutsch sprechen als ihr Vater, aber das kümmert im Klub niemanden, wenn die Entwicklung so vorankommt wie zuletzt.

Im Trainingsspiel zuletzt beim SSV Reutlingen hat der Trainer Cordoba zwar schon nach einer halben Stunde ausgewechselt, aber der Angreifer hatte die kurze Zeit genutzt, um innerhalb von zehn Minuten einen Hattrick zu erzielen. Ein paar FC-Fans mit Langzeitgedächtnis haben sich da womöglich an ein Transfergerücht anno 2013 erinnert, als dem FC ein junger Stürmer angeboten wurde, der bei einem Klub in Mexiko beschäftigt war. Es hieß, dieser Jhon Cordoba sei "der kolumbianische Didier Drogba". Er sollte ein paar Hunderttausend Euro kosten.