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Entlassung von Markus Anfang:"Mein Kölner Herz trägt Trauer"

1. FC Köln - Darmstadt 98

Entlassen als Tabellenführer: Trainer Markus Anfang.

(Foto: dpa)
  • Der 1. FC Köln entlässt Trainer Markus Anfang, obwohl nur noch wenige Punkte zum Aufstieg fehlen.
  • "Trotz der nach wie vor guten Ausgangslage gab es einen negativen Trend", sagt Sportchef Armin Veh.
  • Für ihn übernimmt André Pawlak, der Coach der zweiten Mannschaft.

Die wichtigen Nachrichten verbreitet der Fußball-Zweitligist 1. FC Köln wie alle professionellen Vereine dieser Welt über die sozialen Medien. Kein Tag vergeht ohne Mitteilungen, natürlich auch der Samstag nicht: Erst veröffentlichte der Klub via Twitter, dass das nächste Training nicht wie angedacht am Vormittag, sondern erst am Montag um 10 Uhr stattfinde. Und später zwitscherte er dann eine Jubelnachricht: "Ganz stark. Die #U21 des #effzeh gewinnt mit 3:0 gegen den SC Wiedenbrück. Die Tore machten Laux, Sonnenberg und Szöke. Ein wichtiger Sieg im Kampf um den Klassenerhalt in der Regionalliga West." Die zweite Mannschaft der Kölner ist damit erst einmal fünf Punkte weg von den Abstiegsrängen, wahrlich ein Grund zur Freude für das holprig gestartete Team.

Wie sich später herausstellte, hingen die beiden Nachrichten miteinander zusammen. Denn am Abend legte der Verein via Twitter nach: Der 1. FC Köln hat sich von seinem Cheftrainer Markus Anfang getrennt, ihm folgt André Pawlak nach, der Coach, der zuvor noch mit der zweiten Mannschaft 3:0 gewann. Am Freitagabend hatten die Kölner 1:2 gegen den SV Darmstadt 98 verloren, danach schrien die Fans erstmals "Anfang raus" im Stadion in Müngersdorf. Nach dem Kampf um den Abstieg in Liga vier führt Pawlak nun gemeinsam mit Manfred Schmid, dem früheren Co-Trainer von Kölns Europapokaltrainer Peter Stöger, den Kampf um den Aufstieg in Liga zwei an - aller Voraussicht nach ebenfalls erfolgreich.

2. Bundesliga 1. FC Köln trennt sich von Trainer Anfang
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Der Zweitliga-Tabellenführer hatte zuletzt vier Mal nicht gewonnen. Nun muss Markus Anfang seinen Posten räumen.

Denn es mutet ja schon etwas kurios an: Die Kölner entlassen ihren Trainer als Tabellenerster. Anfang hat den Absteiger seit seinem Amtsantritt im Juli 2018 der Favoritenrolle entsprechend auf Rang eins geführt. "Mein Kölner Herz trägt Trauer", sagte Anfang daher, "denn mein klares Ziel war es, gemeinsam mit dem FC aufzusteigen. Die Mannschaft wird es in den letzten drei Saisonspielen auf jeden Fall über die Ziellinie schaffen, denn die Ausgangssituation ist nach wie vor gut."

41 Gegentore kassierte der FC in 31 Spielen

Derzeit haben die Kölner bei einem Spiel mehr sechs Punkte Vorsprung auf den Zweiten Hamburger SV, der an diesem Sonntag gegen den direkten Konkurrenten Union Berlin antritt. Eine solche Entlassung ist wohl ein beispielloser Vorgang. 26:10 Torschüsse standen am Freitag nach einem eigenartigen Spiel in der Statistik, überhaupt war der FC den Darmstädtern in jeder relevanten Erhebung überlegen. Aber: "Nach intensiver Aufarbeitung der letzten Spiele haben wir uns dazu entschieden, die Zusammenarbeit mit Markus und seinem Team zu beenden", sagte Sportchef Armin Veh. "Trotz der nach wie vor guten Ausgangslage gab es einen negativen Trend."

Hinter dem feinen Spiel und der so schönen Tabellenansicht stecken auch ein paar Details, die den Kölnern neben dem Ergebnis zuletzt doch nicht so schmeckten. Das Spiel gegen Darmstadt war das vierte ohne Sieg, erneut fielen die Gegentreffer zu leicht. Ein Defensivkonzept ließ Anfang bisher vermissen - 41 Gegentore in 31 Spielen sind viel für den Ersten. Und so sah der Klub offensichtlich die großen Ziele in Gefahr: erst einmal in Ruhe aufzusteigen und sich dann wieder als Erstligist zu festigen. Denn das soll ja in der kommenden Saison geschehen, ein Abstieg wie 2018 soll sich nicht 2020 wiederholen.

Veh hatte schon nach einer Schwächephase vor zwei Monaten angemahnt, das Trainerteam solle Lösungen für die Schwächen in der Defensive finden. Das scheint nur unzureichend geglückt zu sein. Zudem, so scheint es, stimmt es auch im Binnenverhältnis des Teams nicht mehr so ganz: "Das machen die Stars!", antwortete Dominick Drexler vor einer Woche nach dem 0:3 gegen Dresden, als ihn die Journalisten zum Interview baten. Das klingt nach Grüppchenbildung im Team. Drexler, den Anfang zu Saisonbeginn von seiner vorherigen Station Holstein Kiel mitbrachte, ist im Übrigen einer der stärksten Kölner der Saison.

Es ist eine verworrene Situation, in die die Trennung von Anfang platzt. Am meisten für den Trainer selbst, der derzeit auch abseits des Fußballplatzes eine schwierige Phase erlebt. Anfangs Vater hatte vor zweieinhalb Wochen beim Spiel in Duisburg (4:4) einen Herzinfarkt erlitten. Bei Twitter schrieb der Klub vor einigen Tagen dazu: "Gute Nachrichten zu Dieter Anfang: 'Mein Vater ist wach und weiter auf dem Weg der Besserung. Vielen Dank für die große Anteilnahme', sagt #effzeh-Cheftrainer Markus Anfang. Der FC wünscht weiterhin gute Genesung!" Die Mannschaft wärmte sich in "Alles Jode DIETER"-Shirts auf, Unterstützung gab es auch von den Fans für den Trainer. Am Samstagabend um 20.16 Uhr veröffentlichte der Klub dann seinen vorerst letzten Tweet, in dem der Name Markus Anfang vorkommt.

© SZ vom 28.04.2019
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