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1. FC Köln:Tony geht es gut - und damit auch dem FC

Umso erleichterter war er am Mittwoch, als Modeste das 2:1 erzielte und danach vor der Kölner Bank ein Tänzchen aufführte, mit der Hand Trompete spielte, mit dem Hintern wackelte. "Tonys Torjubel", sagt Schmadtke, "zeigt immer ganz gut, wie er sich fühlt." Tony geht es also gut. Und damit auch dem FC.

Kölns Trainer Peter Stöger über seinen Leipziger Kollegen

"Was Ralph Hasenhüttl und mich verbindet? Wir sind Österreich, wir haben uns in die Bundesliga raufgedient! Was uns trennt? Er war ein robuster Stürmer. Ich war Feinmechaniker!"

Der Angreifer, sagt Schmadtke, sei "kein Stürmer, der sich in den Strafraum setzt", er kompensiert mit seinem raumgreifenden Spiel ein paar Schwächen im Kader, es fehlt zum Beispiel - zumal Bittencourt verletzt ist - ein kreativer Mittelfeldspieler, die Spielanlage fußt oft auf simplen Diagonalpässen von außen in die Spitze, die Modeste ablegt oder selbst verwertet. Die personifizierte Bodenständigkeit sind die defensiven Mittelfeldkämpfer Matthias Lehmann und Marco Höger.

Dass beide zur Zeit angeschlagen sind, spricht nicht für den Fortbestand der Erfolgsserie. Andererseits, sagen Stöger und Schmadtke, sei die Flexibilität eine neue Stärke der Mannschaft. Das eingespielte, im Sommer kaum veränderte Team, soll auf neue Situationen genauso reagieren können wie auf Ausfälle.

Die Mannschaft - wichtiger als Einzelspieler? "Es war hier schon deutlich anders", sagt der Torhüter Thomas Kessler und erzählt noch zwei Geschichten. Die eine kommt ohne Namen aus, sie spielt in den Nullerjahren und handelt von Nationalspielern, die in Köln horrend verdienten, die sich nicht mit der Mannschaft freuten, wenn sie nicht selbst spielten und die sich im Training nach einer lukrativen Vertragsverlängerung erst mal ausruhten. Modeste, sagt Kessler, "ist im Trainingslager direkt marschiert".

Die andere Geschichte ist aus dieser Woche. Früher, sagt Kessler, sei es oft so gewesen, dass bei der Frage nach einem gemeinsamen Abendessen zehn Leute wegsahen - "heute fragen acht, wo es hingeht". Am Mittwoch also sagte Bittencourt zu Kessler und den anderen Verletzten, er habe eine große Couch und würde etwas zu essen bestellen. Dann saßen sie dort zu acht vor dem Fernseher, das Beweisbild ist auf Twitter, und lagen sich beim 3:1 in den Armen. Auch Artjoms Rudnevs jubelte, Modestes im Sommer aus Hamburg gekommener Konkurrent.

Was anders ist? "Viel mehr Spieler als früher verstehen, was den FC ausmacht", sagt der gebürtige Kölner Thomas Kessler. Und die gute Laune in seiner Stimme zeugt von dem Glauben, dass dieses Gefühl, das sie in Köln "Jeföhl" nennen, auch noch da ist, wenn es wieder regnet.

© SZ vom 24.09.2016/jbe
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