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1. FC Köln:Wie einst zu den Zeiten der D-Mark

1. FC Köln - VfL Wolfsburg

Kölns Stürmer Jhon Cordoba (r.) ist im Kampf um den Ball zurzeit sehr häufig erfolgreich.

(Foto: dpa)

Als der 1. FC Köln zuletzt vier Bundesligaspiele hintereinander gewann, bezahlten die Bundesbürger noch mit der D-Mark. Trainer am Geißbockheim war damals der gestrenge Ewald Lienen, der die Pressekonferenzen dazu nutzte, vor den Gefahren von Weißmehlbrot zu warnen, und seitdem sind nicht nur viele, viele lebensgefährliche Weißmehlbrötchen verzehrt worden, sondern auch viele Jahre ins Land gegangen. Nun hat Lienens Nachfolger Markus Gisdol die alte Marke eingestellt, als seine Mannschaft am Samstag 3:1 gegen den VfL Wolfsburg gewann - und dennoch hat das Stadion in Köln-Müngersdorf nicht unbedingt Kopf gestanden nach dem vierten Sieg in Serie. Man nahm den Erfolg mit Dankbarkeit und Applaus zur Kenntnis, das schon, aber es war auch ein wenig Gewöhnung beim Publikum zu spüren. Aus der Kurve kamen Gesänge, die den Europapokal thematisierten, aber das war wohl nur ein Scherz.

Dass die einheimischen Zuschauer ihre Gefühle unter Kontrolle hatten, das lag auch an den undramatischen Umständen, unter denen das Spiel endete. Die Kölner hatten vom VfL nicht mehr viel zu befürchten, obwohl sich der Wolfsburger Trainer Oliver Glasner später dazu aufgerufen fühlte, seine Spieler für die Selbstverständlichkeit zu loben, dass sie "bis zur letzten Minute alles gegeben" hätten. Das Problem bestand allerdings darin, dass die VfL-Profis in gewissen Phasen der Partie eben jene Alles-Geben-Mentalität hatten vermissen lassen, was den Kölnern zwischenzeitlich einen beruhigenden 3:0-Vorsprung ermöglichte.

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Spätestens nach dem dritten Treffer, den Jonas Hector im Anschluss an eine Ecke und eine Vorlage von Rafael Czichos erzielte (62. Minute), verlassen von allen Gegenspielern, war die Partie im Grunde entschieden. Die Wolfsburger trotteten zum nächsten Anstoß vom Mittelkreis, als ob es sie nichts anginge und ihnen nichts so egal wäre wie dieser 0:3-Rückstand. Niemand haderte, keiner diskutierte mit dem Nebenmann. Nach dem Tor von Renato Steffen nur vier Minuten später besserte sich das Bild, aber von einer leidenschaftlichen Aufholjagd musste man deswegen nicht sprechen. Mittelfeldspieler Xaver Schlager war einer der wenigen, der mit Nachdruck nach vorn drängte. Doch die Kölner wussten sich zu wehren.

Mark Uth gelingt ein Debüt "ohne Anlaufzeit"

Der Mann, von dem nach dem Abpfiff alle schwärmten, war jener Spieler, den Wolfsburgs Manager Jörg Schmadtke im Sommer 2017 nach Köln geholt hatte: Jhon Cordoba war ihm damals 17 Millionen Euro Ablöse wert gewesen, doch die Anschaffung des Angreifers wurde dann nicht nur sein teuerster, sondern auch sein verhängnisvollster Transfer. Kurzfassung: Cordoba zündete nicht, es gab Kritik, Schmadtke war beleidigt, kündigte, und der FC stieg ab. Nun schoss Cordoba gegen Schmadtkes Wolfsburger zwei Tore, und der Kölner Zugang Mark Uth schwärmte, so einen habe er "noch nicht gesehen: Du kannst ja jeden langen Ball auf Jhon spielen, und der macht ihn irgendwie fest". Dabei musste sich der Kolumbianer als alleinige Sturmspitze ständig gegen die beiden Wolfsburger Innenverteidiger John Brooks und Marcel Tisserand behaupten. Doch auch in Überzahl bekam ihn der VfL nicht in den Griff.

FC-Trainer Gisdol staunte über seinen Mittelstürmer, der über die Jahreswende offenbar noch stärker geworden ist: "Jhon war schon (in der Hinrunde) eine richtige Maschine, aber jetzt ist er noch robuster geworden." Der Stürmer habe sich "wieder mal aufgeopfert", sagte Verteidiger Czichos. Dennoch war es vor allem ein Sieg der Kölner Kampfgemeinschaft, zu der weiterhin die hausgemachten Nachwuchsspieler Katterbach, Jakobs und Thielmann gehörten. Neuling Mark Uth, umgehend zum Ecken- und Freistoßbeauftragten ernannt, bereitete die 1:0-Führung vor und gab, so Gisdol, ein Debüt "ohne Anlaufzeit - er hat funktioniert, als wäre er nie weg gewesen".

Ein bisschen Glück hatten die Kölner allerdings schon benötigt für ihren nächsten Befreiungsschlag im Abstiegskampf. In den ersten 120 Sekunden hatten die Gäste drei Großchancen. Und die erste Viertelstunde sah es tatsächlich so aus, als sei ein potentielles Spitzenteam bei einem potentiellen Absteiger zu Gast. Doch der VfL vergab seine Gelegenheiten, und Schmadtke bilanzierte ernüchtert: "Wir sind gut ins Spiel gekommen - aber 15 Minuten reichen nicht."

© SZ vom 19.01.2020/tbr
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