Sechs-Punkte-Start des 1. FC KölnRichtig Bock auf Emotionen

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Muntermacher in Müngersdorf: der Kölner Sommerzugang und Torschütze Jakub Kaminski.
Muntermacher in Müngersdorf: der Kölner Sommerzugang und Torschütze Jakub Kaminski. Mika Volkmann/Imago
  • Der 1. FC Köln gewinnt sein Heimspiel gegen den SC Freiburg mit 4:1 und startet damit mit sechs Punkten in die neue Bundesliga-Saison.
  • Die Sommer-Neuzugänge Jakub Kaminski und Marius Bülter treffen zum 1:0 und 2:0 und zeigen sich begeistert von der Kölner Stadionatmosphäre.
  • Trainer Lukas Kwasniok und der großräumige Kaderumbau mit Perspektivspielern und erfahrenen Kräften scheinen dem FC neue Struktur zu geben.
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Die Anfangseuphorie bremsen? Nicht beim 1. FC Köln! Nach dem Kaderumbau genießen die Neuen beim 4:1 gegen Freiburg die närrische Stadionatmosphäre. Trainer Kwasniok könnte der passende Moderator sein.

Von Philipp Selldorf, Köln

Im Kölner Stadion war es in diesem Moment eigentlich laut genug, um nicht zu sagen: In Müngersdorf steppte gerade der Bär, wenn er nicht sogar Kasatschok tanzte. Doch Jakub Kaminski wollte mehr, noch mehr, viel mehr. Vor dem nächsten Eckstoß für den 1. FC Köln bewegte er aufgebracht die Arme auf und ab, um das Publikum zu noch mehr Ekstase zu animieren, als ob die Mannschaft unbedingt noch größerer Unterstützung bedürfe. Was keineswegs der Fall war, da der FC gegen einen stark angeschlagenen SC Freiburg ohnehin bereits 3:0 in Führung lag.

Die Leute in Köln seien „alle verrückt“, hat der polnische Angreifer später mit einem Lächeln gesagt, „aber ich mag das“.

Jakub Kaminski, 23, hat seine Fußballer-Ausbildung bei Lech Posen erhalten, bevor er vor drei Jahren zum VfL Wolfsburg wechselte. In Wolfsburg hat er die Bundesliga-Karriere so dynamisch und zielstrebig begonnen, wie ihn die 50 000 Zuschauer in Müngersdorf beim 4:1-Sieg gegen Freiburg erlebten, aber nach dem gelungenen Debütjahr setzten wechselvolle und schwierige Zeiten für ihn ein, die nicht untypisch sind für den Werdegang junger Spieler beim VfL. Das hat oft weniger mit dem Spieler als mit dem Verein und dessen rastloser Identitätssuche und den notorischen Standort-Eigenheiten in Wolfsburg zu tun. Unter anderem damit, dass die Leute im Stadion am Mittellandkanal eher nicht alle verrückt sind.

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Der im Sommer von den Kölnern mit anhängender Kaufoption ausgeliehene Kaminski war nicht der einzige Spieler, der am Sonntagabend eine Art seelisches Befreiungserlebnis hatte. Marius Bülter, 32, ist dem FC aus Hoffenheim zugelaufen. Als sich der Stürmer im Geißbockheim vorstellte, hat er erst mal berichtet, was ihm zwei lange Jahre gefehlt hatte: eine Stadionatmosphäre, wie er sie zuvor als Profi auf Schalke und an der Alten Försterei bei Union Berlin hatte erleben dürfen. Das emotionale Element, sagte Bülter nach dem emotionalen Sieg am Sonntagabend, „war ein Grund, warum ich nach Köln gekommen bin“.

Der junge Dribbler El Mala zeigt sofort, warum bereits über Millionenofferten aus England berichtet wurde

Bülter und Kaminski haben gegen Freiburg als Powerspieler und als Torschützen zum 1:0 und 2:0 einiges zu der guten Stimmung beigetragen, die in der Wechselreaktion die Einsatzfreude auf dem Platz stimulierte. Bis am Ende die Zuschauer von der Süd- bis zur Nordkurve und von der West- bis zur Osttribüne ein Medley von Traditionsliedern vortrugen. Inklusive des Klassikers „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ – denn die Münchner waren dem FC kurz zuvor als nächster Pokalgegner zugelost worden. So was ist zwar einerseits normal für diesen jecken Klub, der sich selbst sehr toll findet, und für einen Aufsteiger, der am zweiten Spieltag zum zweiten Mal gewonnen hat. Andererseits hat der 1. FC Köln bei seiner Heimspielpremiere auffallend mehr geboten als Außenseiterfußball und Kampf, der die Kraft der Anhängerschaft mobilisiert.

Dem ersten Anschein nach ist es in Köln im Sommer gelungen, auf beiden Ebenen aussichtsreiche Entscheidungen zu treffen: bei der Besetzung der vakanten Trainerbank, auf der jetzt Lukas Kwasniok und ein neuer Assistentenstab sitzen. Und beim großräumigen Umbau des Kaders, der für variable Ansprüche konstruiert wurde. Es gibt Perspektivspieler wie die teuersten Einkäufe Isak Johannesson, 22, und Rav van den Berg, 21, sowie ein mutmaßliches Spitzentalent wie Said el Mala, 19. Aber es gibt auch Marius Bülter und den alten Abwehrchef Timo Hübers, die definitiv keine Perspektivspieler sind. Der junge Dribbler El Mala hat mit dem Tor zum 4:0 gleich illustriert, warum es im Sommer schon spekulative Multi-Millionen-Offerten aus England für ihn gab.

Professionalität und Emotionalität hätten sich in Köln zu oft gegenseitig im Weg gestanden, findet Sportchef Thomas Kessler. Kwasniok könnte der passende Moderator für den ambitionierten Wandel des FC werden. Er ist nicht der Typ Trainer, der sich auf ein System und eine Stammelf festlegt, er weiß Auswahl zu schätzen und mit ihr umzugehen. Aus dem Aufstiegskader standen am Sonntagabend zunächst lediglich fünf Profis auf dem Platz, aber so viel Struktur und Ordnung bei gleichzeitig hohem Aktionsniveau hatte der Zweitligameister FC fast ein ganzes Jahr vermissen lassen.

Auf Appelle zur Mäßigung der Anfangseuphorie haben die Verantwortlichen am Sonntag weitgehend verzichtet. Die Länderspielpause lässt Zeit zum Genießen. Im Fußball komme es ohnehin immer darauf an, „die richtige Mischung zwischen Feiern und Arbeit zu finden“, sagte Kwasniok – bloß dass „diese Aufgabe in Köln etwas schwieriger ist“.

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