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Köln in der Bundesliga:Der Effzeh sucht die Folklore

1. FC Köln

Geißbock Hennes ist noch da, doch der 1. FC Köln verändert sich.

(Foto: Marius Becker/dpa)
  • Der 1. FC Köln residiert noch im malerisch gelegenen Geißbockheim, doch folkloristisch scheint der Verein weitgehend entkernt zu sein.
  • Das neue Vorstandstrio ist eine Ansammlung rheinischer Geschäftsleute mit FC-Fan-Vergangenheit und wenig praktischer Profifußballerfahrung.
  • Die Mannschaft befindet sich noch in der Findungsphase.

Erich Rutemöller sagt, die Sache werde "viel zu hoch gehängt", ihm ist der Rummel ein wenig peinlich. Dabei hält sich der Rummel eigentlich noch in Grenzen. Dass Rutemöller, 74, seine Aufgabe als Vorstandsberater bei Fortuna Düsseldorf gegen den Job als Vorstandsberater beim 1. FC Köln eintauscht, hat zwar nicht nur die Lokalpresse dazu animiert, den Vorgang zum politischen Vorfall zu erklären, doch die Beziehungen zwischen den beiden Städten sind dadurch nicht neuerlich belastet worden.

Seit Jahrhunderten befinden sich die beiden rheinischen Gemeinden in einem Zustand von Rivalität und gepflegter Abneigung; bis heute dauert die Kontroverse der verwandten, aber gegensätzlichen Sippen an. Die einen lagern hauptsächlich rechts vom Rheinufer, die anderen links davon; die einen lästern im Karneval über die Kölner, die anderen machen dieselben Witze über die Düsseldorfer; die einen fahren Porsche und tragen spätestens ab Spätsommer Pelzkragen, die anderen lassen das aus Überzeugung bleiben.

Der neue Präsident möchte den Vertrag mit Geschäftsführer Armin Veh verlängern

Die Liste der trennenden Momente ließe sich noch lange fortschreiben, zumal die ungleichen Nachbarn nun auch durch das Schicksal ihrer Vorzeigefußballvereine in Konkurrenz verbunden sind: Beide kämpfen in der Bundesliga gegen den Abstieg, die direkten Begegnungen könnten Showdown-Charakter haben, und derzeit lässt sich kaum absehen, welcher Klub die besseren Aussichten hat. Der FC hat es verstanden, seine Jahrzehnte währende Vormachtstellung sukzessive einzubüßen.

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Dass die Fortuna überhaupt in der ersten Liga mitbieten darf, daran hat Rutemöller einen womöglich nicht unbeträchtlichen Anteil. Wenn er nicht gerade im Dienst der Fifa als Trainerausbilder die Welt bereiste - erst neulich lehrte er zwei Wochen in Ghana -, dann hat er als ehrenamtlicher Sportvorstand auf seine stille Art den Wiederaufbau des sportlich abgestürzten Vereins mitbetrieben.

Mit Cheftrainer Friedhelm Funkel und dessen Assistenten Peter Hermann bildete er zu Zweitligazeiten den weisesten Expertenrat des Weltfußballs. "Diese drei Jahre waren eine tolle Zeit", sagt Rutemöller, aber just, als ihm die Fortuna ein Büro im Nachwuchsleistungszentrum einrichten und einen ordentlich bezahlten Vertrag ausstellen wollte, entschied er sich für den 1. FC Köln. Man habe ihm dort "eine Perspektive eröffnet, die ich nicht ablehnen konnte", erklärte er, was bei einem 74 Jahre alten Fußball-Gelehrten naturgemäß ein wenig seltsam klingt. Das Motiv ist jedoch klar: "Zum Ende meiner Laufbahn dorthin zurückzukehren, wo sie angefangen hat, das ist für mich auch eine Art Geschenk."