1:0 gegen Mainz Schalke bibbert sich zum Glück

Erleichtert: Trainer Domenico Tedesco.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Nach fünf Niederlagen schafft Schalke 04 den ersten Saisonsieg gegen Mainz 05.
  • Alssandro Schöpf erzielt das Tor des Tages - und erzählt, dass er die letzten Nächte nicht richtig schlafen konnte.
  • In der Nachspielzeit wird es nochmal eng - aber Trainer Tedesco und Manager Heidel können erstmal aufatmen.
Von Ulrich Hartmann, Gelsenkirchen

Man hätte vielleicht mehr Trost suchende Menschen erwartet am Samstagmittag bei der "Offenen Kirche Schalke". Die St.-Joseph-Kirche ist nicht weit entfernt von der Arena und öffnet ihre Türen vor jedem Heimspiel demonstrativ für Fußballfans. Aber entweder waren viele schon vom Glauben abgefallen oder sie vertrauten mehr als auf Hilfe von oben auf Domenico Tedesco. Der Fußballlehrer sprach nach dem mühevollen 1:0 (1:0)-Sieg gegen Mainz 05 im Pressesaal auch von so einer Art Kanzel herunter und predigte den Brüdern und Schwestern der Gelsenkirchener Glaubensgemeinschaft namens Schalke 04: "Du musst leiden können, und genau das haben wir getan - wir haben ein Erfolgserlebnis gebraucht, und jetzt, da wir es haben, fallen uns einige Steine vom Herzen."

Tedesco hatte vor dem Spiel berichtet, wie viele berührende Trostmails er in der schwierigen Phase nach den fünf Auftaktniederlagen bekommen habe. So wird mit einem erfolglosen Trainer in der Branche nicht oft umgegangen, doch die Stimmung in Gelsenkirchen-Buer hatte schon vorher gezeigt, dass der Trainer hier nicht zum Sündenbock gestempelt wird. "Mich hat besonders gefreut, wie sehr sich viele Menschen heute über unseren Sieg gefreut haben", sagte Tedesco, und da wähnte man sich schon ein bisschen wie in einer Kirche.

Misserfolg bringt Veränderungen mit sich. Der Schalker Held der vergangenen Saison, der brasilianische Innenverteidiger Naldo, hat zum zweiten Mal nacheinander ein ganzes Spiel lang auf der Bank sitzen müssen. Er saß dort als betrübter Ersatzmann aber nicht allein und konnte sich sein Leid mit den Gleichgesinnten Sebastian Rudy und Breel Embolo von der Seele quatschen. Wenn sie zwischendurch einen Blick aufs Feld riskierten, dann sahen sie in den ersten zehn Minuten eine hochgradig verunsicherte und fragile Schalker Mannschaft.

Aber manchmal genügt eine einzige Aktion zur Befreiung, und diese Aufgabe übernahm in der elften Minute der Linksaußen Yevhen Konopljanka. Er tanzte den Mainzer Rechtsverteidiger Philipp Mwene aus, flankte in die Mitte und traf dort den heranstürmenden Alessandro Schöpf ("Ich konnte die letzten Nächte nicht richtig schlafen. Ich habe immer nur gedacht: Wir müssen, müssen, müssen gewinnen") an, der den Ball aus vollem Lauf per Kopfballaufsetzer ins Mainzer Tor setzte und den Schalkern im sechsten Bundesligaspiel der Saison die erste 1:0-Führung schenkte. Zuvor waren sie fünf Mal mit 0:1 in Rückstand geraten - und hatten dann auch fünf Mal verloren.

Konopljanka trifft zweimal die Latte

Im Anschluss konnte man sehr gut sehen, was so eine Führung aus einer verunsicherten Mannschaft macht: mit plötzlich leichteren Beinen eroberten die Schalker nun Bälle, die sie vorher verloren hatten und wurden vom erleichtert singenden Publikum geradezu vor das Mainzer Tor getragen, wo sie sich nun allenfalls noch mit der Verwertung der herausgespielten Chancen schwer taten. Angesichts dieses Mankos blieb die Partie offen, weshalb die Mainzer ihren Vorwärtsdrang sukzessive erhöhten und sich gelegentlicher Schalker Fehlpässe im Mittelfeld nur zu gerne bedienten. Allein, sie waren in der gegnerischen Hälfte zu harmlos, um ein Tor zu erzielen. Das galt vor allem in der hektischen Schlussphase, als die Schalker den Gästen viele Freistöße in gefährlicher Zone schenkten. "Das war ein richtig gutes Auswärtsspiel von uns, umso ärgerlicher, dass wir es verlieren", sagte der Mainzer Sportdirektor Rouwen Schröder.

Die beiden besten Chancen hatten die Schalker: Konopljanka hatte nach einer Stunde noch einen Freistoß auf die Latte des Mainzer Tors gezirkelt und in der 72. Minute im tollkühnen Seitwärtssprung den Ball volley noch einmal an denselben Querbalken gesetzt - wohl die spektakulärste Aktion der Partie. Aber das zweite Tor wollte nicht fallen, woraus in der schier unendlichen Nachspielzeit die nackte Angst erwuchs. "Die letzten zehn Minuten wünscht du niemandem", sagte Schalkes Manager Christian Heidel über die Schlussphase, als Mainz doch noch irgendwie vor dem Ausgleich stand. "Ich seh' dann jeden Ball schon drin. Ich weiß nicht, wie viele Tode ich gestorben bin", erlaubte Heidel einen Einblick in seine fragile Seele und nannte diesen ersten Saisonerfolg letztlich auch nur das, was er war: "Ein Zittersieg." Ein kleiner Trost für ihn: Tedesco sah es ähnlich. "Wir hatten am Ende eine Leidensphase", sagte er: "Da hatten wir es mit der Angst zu tun."

Bundesliga Ein Eigentor für die Geschichtsbücher

Stuttgarts erster Saisonsieg

Ein Eigentor für die Geschichtsbücher

Ron-Robert Zieler wird wegen eines Einwurfs seinen Platz in den Annalen der Liga finden. Aber der VfB gewinnt trotzdem - und der Sieg gegen Werder ist gleichzeitig verdient und völlig unverdient.   Von Christof Kneer