2:1-Sieg des FC Bayern BVB Richtung Abstiegskampf gedrängt

Jérôme Boateng (re.) im Kopfballduell mit Pierre-Emerick Aubameyang.

(Foto: dpa)

Dortmund kriege irgendwann die Kurve, sagte Bayern-Boss Rummenigge vor dem Spiel. In München verhindern dies Lewandowski und Robben. Dem BVB droht der Absturz auf Rang 17.

Aus dem Stadion von Claudio Catuogno

Wahrscheinlich hatte Karl-Heinz Rummenigge es einfach nur nett gemeint. Ist ja auch wirklich nicht leicht: alle zwei Wochen wieder ein Grußwort fürs Stadion-Magazin zu verfassen. Alle zwei Wochen wieder das stolze, siegesgewisse "Mia san mia" transportieren - aber trotzdem ein freundlicher, höflicher Gastgeber sein. Wenn dann Borussia Dortmund zu Besuch kommt, ist das schon eine besondere Herausforderung. Und wenn dann, wie im Topspiel am Samstagabend, Borussia Dortmund auch noch als Tabellen-15. zu Besuch kommt: Tja, was schreibt man da? "Ich empfinde wegen der Lage in der Tabelle überhaupt keine Häme", schrieb Rummenigge. "Das ist für mich auch nur ein Momentum." Und ganz generell sei er "davon überzeugt, dass Borussia Dortmund irgendwann die Kurve kriegt".

Wahrscheinlich kann es nur gönnerhaft klingen, wenn der Vorstandsboss des Tabellenersten den Tabellen-15. begrüßt, der sich doch eigentlich vor der Saison fast auf Augenhöhe wähnte - der aber nach neun Spieltagen schon 14 Punkte Rückstand als Hypothek mit sich herumschleppte und zum Beginn des Spiels sogar auf Platz 16 abgerutscht war. Am Samstag saß der Verfasser des Grußworts dann auf seinem Ehrenplatz in der Münchner Arena, und bis kurz vor Spielschluss musste er fürchten, dass er Recht behalten sollte, nur anders als vermutet: dass nämlich Borussia Dortmund gleich hier und jetzt die Kurve kriegen würde. 41 Minuten lang lag der BVB in Führung durch einen Treffer von Marco Reus (31.). Ehe Robert Lewandowski (72.) und Arjen Robben per Foulelfmeter (83.) doch noch den Münchner 2:1 (0:1)-Sieg herausschossen.

Am Sonntag könnte Dortmund auf Platz 17 durchgereicht werden

"Dortmund - zweite Liga", sangen sie im Münchner Fanblock. Und auch wenn das dann doch eine eher unrealistische Perspektive ist angesichts der Qualität dieser Elf: Vor dem Anpfiff war Dortmund tatsächlich vom 15. auf den 16. Tabellenplatz abgerutscht. Und wenn am Sonntag der SC Freiburg in Köln gewinnen sollte, geht es für die Dortmunder sogar noch weiter hinab. Anders als "Abstiegskampf" kann man das dann nicht mehr nennen. "Kurve gekriegt" jedenfalls nicht.

Fast alles Heilige

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Bayern gegen Dortmund. In den vergangenen vier Jahren war das immer das heißeste Duell des deutschen Fußballs, in allen Wettbewerben. Man kennt sich, man nervt sich - und inzwischen redet man vor allem übereinander, kaum noch miteinander, weil nach diversen Scharmützeln einfach keiner mehr Lust hat auf gemeinsame Mittagessen an den Spieltagen. So war es auch diesmal: Die Debatten um einen möglichen Reus-Wechsel im kommenden Sommer hatten die Gemüter erhitzt. Mal wieder.

Und doch kamen die Dortmunder diesmal als Überraschungsgast. Die Frage war ja: Welcher BVB würde sich hier in München vorstellen? Der völlig verunsicherte Bundesliga-BVB, der vor dieser Partie in München sechs seiner neun Ligaspiele verloren hatte? Oder der BVB im Champions-League-Modus, der in Europas Königsklasse seine Tabelle anführt mit neun Punkten und 9:0 Toren, und der in dieser Saison noch kein Flutlicht-Spiel verloren hat?

Die Antwort darauf dauerte keine zehn Minuten. Die erste Chance der Bayern nach fünf Minuten: Ein Angriff über rechts, Robben auf den in den Strafraum gelaufenen Lahm, der mit der Hacke zurück auf Robben - den Schuss des Niederländers lenkt Roman Weidenfeller gerade noch über die Latte. Die erste Chance der Dortmunder: Ein Angriff über links, Shinji Kagawa mit der Hacke auf den heranstürmenden Henrikh Mkhitaryan, kein Münchner kann folgen - der Schuss des Armeniers streift den Pfosten. Lattenkante hier, Außenpfosten da - in der Sprache des Fußballs gesprochen war das wohl ein Beginn "auf Augenhöhe".