1860 - Meppen Ball und Tore statt Genussscheine

Philipp Steinhart sichert mit seinem Elfmeter das 1:0 für 1860 - und damit so gut wie sicher den Klassenverbleib.

(Foto: imago)

Nach dem 1:0 gegen Meppen können die Löwen als Tabellenfünfter vorsichtig nach oben schielen - und Trainer Daniel Bierofka äußert sich zu seiner Rolle im Streit der Gesellschafter.

Von Markus Schäflein, München

Vor dem Spiel gegen Meppen reichte es Daniel Bierofka dann mal. Im Streit der Gesellschafter beim Fußball-Drittligisten TSV 1860 München wird der Trainer von der Seite des Investors Hasan Ismaik ja stets als eine Art Heiliger hingestellt, den es zu verehren gilt. Und die Verehrung soll darin bestehen, dass man Bierofka möglichst viel Geld Ismaiks - in Form von Genussscheinen - zur Verfügung stellen muss, um möglichst schnell aufzusteigen. Die Vereinsseite um Präsident Robert Reisinger will genau dieses Geld allenfalls noch gegen Vorkasse annehmen - eine Idee, von der der Investor nichts zu halten scheint und die derzeit zu einem Konsolidierungskurs der KGaA führt. Das Präsidium wiederum ermutigte die sportliche Leitung zuletzt schriftlich, "diese Herausforderung tatkräftig anzunehmen".

Dass er ständig im Mittelpunkt der Streitereien steht, mag Bierofka nicht mehr länger hinnehmen. "Ich bin kein politisches Spielobjekt, das muss ich auch mal ganz ehrlich sagen", erklärte er. "Ich bin hier, weil ich es gerne mache. Ich möchte mich nicht in die Politik hineinziehen lassen." Am Samstag ging es dann auch endlich mal wieder nicht um das Budget und Genusscheine, sondern um den Ball und Tore, und 1860 gewann sein Heimspiel gegen den SV Meppen 1:0 (1:0) durch einen Elfmeter von Phillipp Steinhart (32.). So gut wie sicher ist nun der Klassenverbleib, im Gegenteil, die Löwen können als Tabellenfünfter vorsichtig nach oben schielen. "Wenn wir als Aufsteiger am Ende Fünfter werden, wäre es eine Super-Saison", meinte Stürmer Stefan Lex, "und vielleicht schaffen wir ja noch den vierten Platz, um in den DFB-Pokal zu kommen. Also, es gibt schon noch Ziele."

Über die gesamte Partie war es ungewöhnlich still im Fanblock

Zu Beginn der Partie gegen Meppen war die Mitte des 1860-Fanblocks noch leer; die Ultras hatten sich vor dem Anpfiff auf dem Grünspitz getroffen, in einer Mikro-Grünanlage inmitten der Giesinger Hauptverkehrsstraßen. Sie kamen absichtlich zu spät, um gegen das Verbot von Schwenkfahnen und Trommeln zu protestieren, das ihnen der Klub als Strafe für den Einsatz von Pyrotechnik auferlegt hatte. Als sie dann kamen, hatten sie ein Plakat dabei: "Gegen alle Materialverbote!" Es war über die gesamte Partie ungewöhnlich still im Fanblock, der Stimmungsboykott dauerte bis zum Schlusspfiff.

So konnte man immerhin schön hören, wie der Ball nach einem traumhaften Schuss von Sascha Mölders nach fünf Minuten an den Pfosten klatschte. Die Löwen begannen sehr druckvoll und zielstrebig, auch über die linke Seite, auf der Benjamin Kindsvater den verletzten Nico Karger ersetzte. Zwei Minuten nach Mölders' Szene hatte Lex die nächste große Chance, sein Schuss strich knapp am entfernten Pfosten vorbei. Und in der 17. Minute ging ein Versuch von Mölders knapp über die Querlatte. So musste der Foulelfmeter zur angemessenen Führung herhalten: Lex war in den Strafraum gezogen und von David Vrzogic berührt worden, Steinhart verwandelte sicher (32.). Kindsvater wurde anschließend auf dem Weg zum 2:0 wegen einer angeblichen Abseitsposition zurückgepfiffen (36.).

1860 schafft es mittlerweile, auch passive Phasen gut zu überstehen

In der zweiten Hälfte verlegten sich die Münchner auf Defensive - ein bisschen mehr als gewünscht. "Natürlich war der Plan, sie kommen zu lassen, aber nicht, sie so weit kommen zu lassen", sagte Steinhart, "wir wollten schon ein bisschen mehr Ballbesitz haben und mehr Nadelstiche setzen." Immerhin schafft es das Team mittlerweile aber, auch passive Phasen zu überstehen, ohne dass der Gegner zu allzu vielen Chancen kommt. "Vor ein paar Wochen hätten wir noch das 1:1 bekommen, das ist die Entwicklung der Mannschaft", meinte Kindsvater, "ich musste auch viel nach hinten mitarbeiten." Und Steinhart stellte fest: "Das ist ein kompakter Block, jeder hat seine Aufgabe."

Am Ende, als Meppen alles riskierte, war der Block nicht mehr ganz kompakt; und es kamen sowohl der SVM durch den eingewechselten Max Kremer (86., 87.) als auch die Löwen durch den ebenfalls frischen Markus Ziereis (91.) noch zu großen Chancen. Es blieb aber beim 1:0 und beim fast sicheren Klassenverbleib. Wobei das Budget deutlich sinken wird und der Kader umgebaut werden muss. "Da mache ich mir jetzt noch keine Gedanken", sagte Siegtorschütze Steinhart, "klar kriegt man das mit, aber wir müssen das ausblenden." Und Kindsvater ergänzte: "Wir konzentrieren uns auf Fußball. Den Rest machen die da oben." Die Spieler haben ihrem politikverdrossenen Trainer offenbar gut zugehört.