1. FC Nürnberg "Wir haben eine erstaunlich große Liste"

Immer noch Aufbruchsstimmung: Nürnberger Jubel über das zwischenzeitliche Führungstor am vergangenen Wochenende in Düsseldorf.

(Foto: Jörg Schüler/Getty Images)

Der Fußball-Bundesligist sucht seit zwei Wochen einen neuen Sportvorstand. Nun spricht Aufsichtsratschef Thomas Grethlein von ersten "konkreten Gesprächen".

Von Sebastian Fischer

Wer einmal gehört hat, wie sich die treuen Verehrer des 1. FC Nürnberg am Trainingsgelände am Valznerweiher über ihren Glubb unterhalten, der kann sich in den Klang der Gespräche, in denen die Drubbe schon mal aus lauter Broudwärschd besteht, leicht verlieben. Thomas Grethlein, Aufsichtsratschef des Bundesligaletzten, hat die Töne im Umfeld des Vereins in den vergangenen Tagen und Wochen natürlich wahrgenommen, aber nicht so arg romantisch. Die Kritik traf auch ihn. Er sagt: "Man muss sich bewusst sein, dass man nicht auf einer Insel arbeitet. Aber wir müssen dennoch unseren Erkenntnissen folgen und dürfen uns nicht von Stimmungen im Umfeld beeinflussen lassen."

Grethlein, 60, macht in diesen Tagen einen zuversichtlichen Eindruck, wenn man ihn am Telefon erreicht. Es ist nun zwei Wochen her, dass er die in einer Nachtsitzung getroffene Entscheidung des Aufsichtsrats bekannt gab, Sportvorstand Andreas Bornemann und Trainer Michael Köllner zu beurlauben. Seitdem hat Nürnberg 0:0 gegen Borussia Dortmund gespielt und 1:2 bei Fortuna Düsseldorf verloren. Während vielen Fans die Trainerentlassung wohl eher zu spät kam und so mancher Beobachter die Aufbruchsstimmung nach dem Punktgewinn gegen Tabellenführer Dortmund durch die Niederlage in Düsseldorf bereits wieder abebben sieht, stimmen Grethlein die Töne im Verein positiv. Er sagt: "Es kommt aus der Mannschaft das Signal, dass es einen Impuls gegeben hat." Und die Gespräche über die dringend notwendige Besetzung des vakanten Sportvorstand-Postens gehen angeblich auch voran.

Grethlein musste vor zwei Wochen Spott ertragen, weil er sich in der Pressekonferenz zu den Aussagen hinreißen ließ, der FCN erleide einen "Kahlschlag an sportlicher Kompetenz" - und der Aufsichtsrat suche nun zunächst einen Manager, der dann einen Trainer sucht, denn: "Wir können gar nicht beurteilen, wer ein guter Trainer ist." Letzteren Satz, sagt er, habe er natürlich nicht so gemeint. Was er lediglich sagen wollte: "Der Aufsichtsrat sollte sich nicht in die Trainersuche einmischen." Glaubt man Grethlein, ist das Interesse, beim 1. FC Nürnberg zu arbeiten, trotz allem ungebrochen. "Wir haben eine erstaunlich große Liste", sagt er zu den Bewerbern und Wunschkandidaten als Manager, und: "Wir haben schon konkrete Gespräche geführt, aber es stehen noch welche aus."

Welche Namen auf der Liste stehen, das wird in Nürnberg seit Tagen diskutiert. Felix Magath zum Beispiel, regelmäßig Tribünengast im Stadion und ohne Anstellung seit einem Engagement bei Shandong Luneng in China von 2016 bis 2017, hat sich im Interview mit der Nürnberger Zeitung selbst ins Gespräch gebracht. Sollte sich der Club melden, was er bislang nicht getan habe, "könnte ich sicherlich darüber nachdenken, dort Verantwortung zu übernehmen". Der Kicker schreibt, es gebe außerdem Fürsprecher für Christian Möckel und Per Nilsson. Möckel wirkte bis 2015 als Nürnberger Chefscout unter Sportvorstand Martin Bader und arbeitet inzwischen freiberuflich als Scout, Nilsson spielte bis 2014 beim Club und ist Sportlicher Leiter im Nachwuchs von RB Leipzig.

Welche Namen tatsächlich auf der Liste stehen und welches Anforderungsprofil ihr zugrunde liegt, verrät Grethlein natürlich nicht. Nur so viel: "Es gibt eins." Und es stehe nicht darin, dass der Kandidat am besten eine Nürnberger Vergangenheit haben sollte. Er könne außerdem nicht bestätigen, dass sich die bisherigen Kandidaten bereits mit Vorschlägen für einen neuen Trainer beworben haben. Was wiederum eine gute Nachricht für Interimstrainer Boris Schommers und seinen Assistenten Marek Mintal sein könnte. Grethlein sagt: "Marek macht das gut, Herr Schommers macht das gut."

Tatsächlich hat Schommers, zuvor Köllners loyaler Assistent, in kurzer Zeit ja einige Dinge verändert. Zum Beispiel standen in seiner zweimal identischen Startelf die unter Köllner kaum berücksichtigten Mittelfeldspieler Eduard Löwen, der in Düsseldorf prompt sein erstes Bundesligator erzielte, und Yuya Kubo. Und neben einer laut Aussagen mehrerer Spieler kürzeren und launigeren Ansprache an die Mannschaft änderte Schommers auch die Taktik, hin zu mehr defensiver Kompaktheit. Während Köllner versuchte, mit jedem Gegner fußballerisch mitzuhalten, legte Schommers den Fokus zunächst auf das Spiel gegen den Ball. Es ist davon auszugehen, dass Nürnberg das nächste Heimspiel gegen Leipzig am kommenden Samstag ähnlich defensiv angeht wie das vorherige gegen Dortmund. Das Hinspiel in Leipzig hatte der Club nur zwei Wochen nach einem 0:7 in Dortmund mit 0:6 verloren.

Trotz inzwischen 17 sieglosen Spielen in Serie beträgt der Rückstand auf Relegationsplatz 16 nur drei Punkte. Und Grethlein, der vor zwei Wochen noch von einer nur minimalen Chance auf den Klassenverbleib gesprochen hatte, sagt: "Wenn's gut geht, bleibt es bis zum letzten Spieltag spannend."