1. FC Nürnberg "Und Aus"

Bleibt im Tor: Fabian Bredlow.

(Foto: Marcel Kusch/dpa)

Vor dem Spiel gegen Wolfsburg steht Nürnbergs Torwart Fabian Bredlow im Fokus. Vorerst genießt er das Vertrauen von Trainer Michael Köllner.

Von Anna Dreher

Vor einer Woche hatten sie in Nürnberg gehofft, eine neue Zeitrechnung würde beginnen. Seit 26 Jahren hat der Club nicht mehr gegen den FC Bayern München gewonnen. An jenem Dezembersamstag sollte das Warten auf wundersame Weise vorbei sein. War es nach dem 0:3 dann doch nicht, und Kapitän Georg Margreitter musste anerkennen: "Unsere Mannschaft ist da vielleicht auch ein Stück weit zu unerfahren, um auf so einer Bühne zu spielen." Dass die Bühne zu groß war, lag am Gegner, und auch daran, dass es nicht die eigene war. Aber: neue Woche, neue Hoffnung, auch beim 1. FC Nürnberg.

Am Freitagabend (20.30 Uhr) ist gegen den VfL Wolfsburg, gegen den der letzte Sieg nicht 26 Jahre her ist, sondern nur sechs, die Bühne wieder die eigene. Das macht Mut, zumindest ein bisschen. "Gegen Wolfsburg werden wir mehr offensive Spieler auf den Platz bringen als in München", sagte Trainer Michael Köllner am Donnerstag, der auch Innenverteidiger Ewerton wieder einsetzen kann. "Wir brauchen nicht drumherum reden: Wir streben morgen einen Heimsieg an." Neun von bisher elf Punkten hat der Tabellenfünfzehnte der Fußball-Bundesliga im Max-Morlock-Stadion geholt und dabei nur acht Gegentore bekommen. Mit insgesamt 33 ist Nürnberg jedoch die schlechteste Defensivmannschaft der Liga.

Die Niederlage gegen München löste erneut eine Diskussion um die Position des Torwarts aus, in deren Zentrum Fabian Bredlow steht. Für ihn hatte sich dieser Arbeitstag so ernüchternd angefühlt, als hätte er den Ball noch öfter durchgelassen. Wie beim 0:7 gegen Dortmund oder beim 0:6 gegen Leipzig. Der 23-Jährige hatte eine Ecke falsch eingeschätzt und einen Schuss zwischen seinen Beinen durchgelassen. Er hat sich das alles noch mal angeschaut. Weil er solche Fehler vermeiden will, weil er besser werden will - und muss. Von den 33 Gegentoren hat Bredlow 23 aus nächster Nähe mitbekommen. Trotzdem vertraut Köllner weiter auf ihn. Er hatte erst abwarten wollen, wie Bredlow den Rückschlag wegsteckt und kam dann zu seinem Fazit: "Da wird nichts gedreht, das wäre für Fabi ein K.-o.-Schlag."

Diese pädagogische Fürsorge muss sich Köllner auch deswegen leisten, weil Christian Mathenia, an den Bredlow das Nürnberger Tor zwischenzeitig abgeben musste, aufgrund einer Knieverletzung in den letzten drei Spielen des Jahres gegen Wolfsburg, Mönchengladbach und Freiburg fehlen wird. Die Nummer 3, Patric Klandt, stellt offenbar keine Alternative dar. "Er", sagte Köllner über Bredlow, "ist unser Torwart und Aus." So ein Vertrauensausspruch kann beflügeln, darauf wird auch Köllner hoffen. Fabian Bredlow ist sich der Situation seiner Mannschaft ja durchaus bewusst, die nun schon seit acht Spielen auf drei Punkte wartet. "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass alles nach Plan läuft", sagte er. "Es gibt Spiele, in denen wir punkten müssen. Am Freitag ist eines dieser Spiele." Besonders aus seiner Sicht. Für ihn geht es gegen Wolfsburg durchaus um den Beginn einer neuen Zeitrechnung, sonst dürfte Mathenia seinen Platz wieder einnehmen. Aber ist Grün nicht die Farbe der Hoffnung?