1. FC Nürnberg Neun Minuten stabil

Nürnbergs Torwart Fabian Bredlow reinigte zwar gewissenhaft seinen Strafraum, hielt aber seinen Kasten nicht sauber. Beim frühen 0:1 durch Robert Lewandowski sah er schlecht aus.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Beim 0:3 in München macht der Club viel zu viele Fehler, um sich in einer anderen Galaxie zurechtzufinden. Zudem vermisst Trainer Michael Köllner die Entschlossenheit.

Von Thomas Hürner

Nürnbergs Trainer Michael Köllner hatte vor der Partie gegen FC Bayern München einen Gedanken ausgesprochen, den er im Nachhinein vielleicht lieber für sich behalten hätte. Die Reise ins rund 150 Kilometer entfernte München erwies sich bei der 3:0 Niederlage des 1. FCN tatsächlich als eine in eine andere Galaxie, und obwohl diese Bestandsanalyse über die Kräfteverhältnisse beider Mannschaften ja nicht jeglicher Grundlage entbehrt, so hatte sich Köllner dennoch etwas mehr Mut von seinen Spielern erhofft.

Mit dem Glauben an eine Überraschung war es aber spätestens nach dem 1:0-Kopfballtreffer von Robert Lewandowski (9. Minute) dahin, die Franken ergaben sich der Münchner Dominanz und kamen mit dem 3:0-Endstand noch gut davon. Dass die Nürnberger von einer weiteren hohen Auswärtspleite wie schon in Dortmund (0:7) oder in Leipzig (0:6) verschont blieben, war letztlich nur der Bodenhaftung des FC Bayern zu verdanken, der nach den beiden Toren von Lewandowski (27.) und Ribéry (56.) wohlwollend darauf verzichtete, an einem kalten Samstagnachmittag für sich selbst galaktische Maßstäbe anzusetzen.

Fremde Bühnen sind für den Club auch anderswo zu groß: Erst zwei Punkte konnte er auswärts holen

Dabei hatte das Spiel der Nürnberger so schlecht nicht ausgesehen, ehe sie nach einem von Joshua Kimmich getretenen Eckball in Rückstand gerieten. "Jeder hatte seine Räume zu verteidigen", sagte Verteidiger Lukas Mühl, "bis zum Gegentreffer waren wir eigentlich ganz stabil." Nur: Der fiel ja bereits in der 9. Minute. Und die Nürnberger verteidigten ihren Strafraum danach einfach weiter, mit zwei dicht gestaffelten Viererketten, erst tief in der eigenen Hälfte interessierten sie sich für den ballführenden Gegenspieler. Ernstgemeinte Offensivbemühungen unternahm die Mannschaft keine. Man habe nach dem Gegentor "mehr agiert als reagiert", analysierte Angreifer Sebastian Kerk, der wohl das Gegenteil gemeint haben dürfte.

Vor allem war den Nürnbergern nun aber jede Körperlichkeit abhandengekommen, sie spielten ab der 10. Minute genau so, wie man gegen auswärts gegen den FC Bayern nicht spielen darf. "Jetzt muss man halt die Aussagen tätigen, die man nach so einem Spiel immer tätigen muss", sagte Mühl: "Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen." Das war natürlich auch Trainer Köllner aufgefallen. Er attestierte seiner Mannschaft ebenfalls, dass ihr "Mut", "Entschlossenheit" und die "nötige Wucht im Zweikampf" gefehlt habe. Für den Oberpfälzer war nach der Partie aber auch klar: Wenn es für den Club eine kleine Chance gegeben hat, dann hatte man sich dieser Chance mit dem frühen Gegentreffer selbst beraubt.

"In solche Spiele muss man sich reinbeißen, von Minute zu Minute selbstbewusster werden", sagte Köllner. Das sei "gerade für so eine junge Mannschaft wichtig". Auch Kapitän Georg Margreitter schloss sich dem Tenor seines Trainers an: "Unsere Mannschaft ist da vielleicht auch ein Stück weit zu unerfahren, um auf so einer Bühne zu spielen."

Tatsache für die Nürnberger ist aber auch, dass sich fremde Bühnen für sie auch dann als zu groß erweisen, wenn der Gegner nicht FC Bayern heißt. Erst zwei Punkte konnte der Club auswärts holen, für den angestrebten Klassenverbleib ist das zu wenig. "Zuhause machen wir weniger Fehler", sagte Verteidiger Mühl, "woran das genau liegt, weiß ich leider auch nicht." Der 21-Jährige hatte womöglich auch sich selbst gemeint, vor dem Treffer zum 2:0 stocherte er Bayerns Leon Goretzka vor die Füße. Und beim 1:0 hatte Torwart Fabian Bredlow keine gute Figur gemacht. Die Nürnberger konnten sich mit der Niederlage in München insgesamt aber ganz gut arrangieren, immerhin dürfen sie ja schon bald wieder Zuhause ran, am Freitag gegen den VfL Wolfsburg.

Und solange die Konkurrenz im Abstiegskampf ebenfalls patzt, ist sowieso alles halb so wild. "Fortuna Düsseldorf holt zwar in München einen Punkt, gegen uns verlieren die dann aber", sagte Verteidiger Mühl. "So ist mir das deutlich lieber als andersrum."