1. FC Nürnberg Mit Halbgas vorwärts

Tabellenführer mal anders: Die Nürnberger um Tim Leibold (rechts, gegen Bochums Kevin Stöger) zeigten sich zweikampfstark und diszipliniert, nach vorne ging allerdings wenig zusammen.

(Foto: Bernd Thissen/dpa)

Der Club tastet sich an der Spitze der zweiten Fußball-Bundesliga vorsichtig, aber kontinuierlich voran. Mit dem torlosen Remis beim VfL Bochum ist er dementsprechend zufrieden.

Von Ulrich Hartmann, Bochum

In den Kohleschächten des Ruhrgebiets gibt es nichts mehr zu holen. Die Kohle ist abgebaut. Den Fußballern des 1. FC Nürnberg geht es mit Auswärtsspielen beim VfL Bochum ähnlich. Deshalb passte es als Metapher auch so gut, dass der Kabinengang im Bochumer Stadion wie ein Kohleflöz fototapeziert ist. Noch nie haben die Nürnberger ein Zweitligaspiel in Bochum gewonnen, aber weil sie andererseits momentan auch seit elf Ligaspielen und damit seit fast drei Monaten unbesiegt sind, konnte die Schnittmenge dieser beiden Statistiken am Sonntag folgerichtig nur ein Unentschieden ergeben.

Dass es ein torloses Unentschieden wurde, hat am Ende immerhin den Nürnberger Torwart Fabian Bredlow gefreut. Perfekt frisiert stand er unmittelbar nach dem Spiel im Kabinengang und wertete das Nullzunull als Fortschritt. "Wenn nach vorne nicht viel geht, dann ist es umso wichtiger, gut zu stehen und hinten die Null zu wahren", sagte er lächelnd. In der Hinrunde, erinnerte sich Bredlow, habe das nicht immer so gut geklappt - und die Statistik gibt ihm diesbezüglich recht. Während die Nürnberger in der Hinrunde zwei ihrer 17 Spiele 0:1 verloren hatten, gelangen ihnen jetzt in zwei Auswärtsspielen nacheinander zwei torlose Unentschieden. Der bedeutsame Lohn für diesen vermeintlich mauen Fortschritt: zwei Punkte, ohne die die Nürnberger jetzt nicht Tabellenführer wären.

Enrico Valentini erhält seine fünfte gelbe Karte und fehlt am Samstag im Derby gegen Fürth

Taktisch und personell unverändert waren sie nach dem vorangegangenen Heimsieg gegen Duisburg in die Partie in Bochum gegangen. Drei Spieler, die allein für 24 der 46 Saisontreffern zuständig waren, fehlten, weil Mikael Ishak verletzt ist, weil Cedric Teuchert mittlerweile für Schalke spielt und weil Kevin Möhwald zunächst nur auf der Bank saß. Das merkte man dem Spiel durchaus an. Die Nürnberger verteidigten solide und eroberten in ihrer Hälfte auch so manchen Ball, aber nach vorne ging in der ersten Halbzeit gar nichts. In der 36. Minute schlug Enrico Valentini die erste Nürnberger Ecke, in der 37. Minute schoss Tobias Werner erstmals aufs Bochumer Tor. Bloß bei gewonnenen Zweikämpfen waren die Franken besser.

So konnte es natürlich nicht weitergehen. Nach dem Wiederanpfiff dauerte es bloß eine Minute, ehe Tim Leibold den ersten Schuss aufs Tor abgab. Er und seine Kollegen positionierten sich nun etwas höher, auch, um es nach Balleroberungen nicht mehr so weit in die Zielzone zu haben. Doch es blieb höchst brenzlig. Rechtsverteidiger Valentini sah in der 54. Minute seine fünfte gelbe Karte in dieser Saison, weshalb er im Derby am kommenden Samstag gegen Fürth nicht mitspielen darf. Eine Minute später musste sich Torwart Bredlow schon mit seinem ganzen Körper in einen Schuss des Bochumers Robert Tesche werfen, um die Torlosigkeit zu bewahren.

Nach 68 Minuten kam Möhwald ins Spiel, hinter Hanno Behrens Nürnbergs zweitbester aktueller Torschütze. Doch die fränkischen Offensivbemühungen blieben erstarrt wie daheim der Valznerweiher bei Frost. "Mit Vollgas in die erste Liga", lautete im Stadion der Werbespruch eines Bochumer Autohauses. Für den abstiegsgefährdeten VfL aber gilt solcher Optimismus schon lange nicht mehr. Die Nürnberger geben auch kein Vollgas, sie tasten sich vorsichtig, aber kontinuierlich an der Tabellenspitze voran. Ihr Vorsprung auf Platz drei ist auf acht Punkte angewachsen. "Wir sind zufrieden mit dem einen Punkt, unsere Serie hat Bestand", bilanzierte der Trainer Michael Köllner vernünftig.

Beinahe wäre sie zu Ende gegangen. In der 73. Minute sauste haarscharf ein Ball des Bochumers Robbie Kruse übers Gäste-Tor, die Nürnberger profitierten irgendwie auch davon, dass die Bochumer zum fünften Mal binnen sechs Spielen ohne Treffer blieben. Und trotz allem: Acht Minuten vor dem Ende lief Federico Palacios ausgangs eines Konters ganz allein auf Bochums Torwart Manuel Riemann zu - und vergab. Dieser Siegtreffer wäre allerdings auch des Guten zuviel gewesen. "Da wäre uns beinahe sogar noch der Lucky Punch gelungen", sagte Köllner, "aber das Nullzunull geht in Ordnung, unsere Defensive hat gut gestanden, da samma zufrieden."