1. FC Nürnberg Lieber nicht auf die Bergkirchweih

Applaus, Applaus: Hanno Behrens nach dem Pokalsieg in Linx.

(Foto: Patrick Seeger/dpa)

Gesicht der Mannschaft, Kapitän - und Torjäger: Hanno Behrens ist aus Nürnbergs Mittelfeldzentrale nicht wegzudenken.

Von Markus Schäflein

Lange, sehr lange, hat Hanno Behrens auf die erste Fußball-Bundesliga gewartet - sogar viel länger als der 1. FC Nürnberg. Im Sommer 2015 schaffte Behrens zwar mit dem SV Darmstadt 98 den Sprung nach oben. Doch dort trauten sie ihm eine gute Rolle in der Bundesliga offenbar nicht zu. Behrens wechselte dann zu den Nürnbergern in die zweite Liga - und musste sich drei Jahre gedulden, bis der Aufstieg gelang. Nun kommt der Mittelfeldspieler an diesem Samstag (15.30 Uhr) bei Hertha BSC Berlin mit 28 Jahren zu seinem Erstliga-Debüt, und er wird den Club als Kapitän ins Olympiastadion führen.

Es wird der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere sein. Auf dem langen Weg in die höchste Spielklasse musste er immer wieder Rückschläge hinnehmen. Als er vor zehn Jahren als Nachwuchsspieler vor dem Sprung in die erste Mannschaft des Hamburger SV stand, zog er sich eine Schambeinentzündung zu. Er spielte später für die zweite Mannschaft des HSV in der Regionalliga und wechselte dann 2012 in die dritte Liga nach Darmstadt.

Was er für die Lilien in der dritten und der zweiten Liga war und zuletzt drei Jahre in Nürnberg in der zweiten Liga, will er nun auch in der ersten Liga sein: ein Anführer. "Auf dem Platz geht er immer voran", erklärte Trainer Michael Köllner unlängst der Berliner Morgenpost, "und auch abseits des Rasens übernimmt er Verantwortung." Auch in der Hauptstadt interessieren sich die Menschen wieder dafür, wer in Franken Fußball spielt.

34 Einsätze in der Aufstiegssaison mit 14 Toren und vier Vorlagen, insgesamt 98 Auftritte für den Club in den vergangenen drei Spielzeiten - bis auf Torjäger Mikael Ishak dürfte kein Akteur beim Club so gesetzt sein in der Stammelf wie Behrens. Sein Kampfgeist, seine Übersicht und sein Kopfballspiel sind aus der Mittelfeldzentrale nicht wegzudenken, dazu kommen die Qualitäten im Abschluss. Im Wortsinn ist Behrens das Gesicht der Mannschaft - die Menschen in Mittelfranken kennen ihn. Es sei aus diesem Grund eine ziemlich schlechte Idee gewesen, die Erlanger Bergkirchweih zu besuchen, das größte Volksfest der Region, wie Behrens den Nürnberger Nachrichten berichtete: "Das wurde ein bisschen viel."

Und bei der nächsten Bergkirchweih werden ihn, falls er sich doch wieder hinwagt, noch mehr Menschen erkennen - nach vier Jahren ist der Club schließlich zurück auf der großen Bühne. Trainer Michael Köllner klang stolz, als er vor dem Auftaktspiel sagte: "Der Ruhmreiche zu Gast bei der Alten Dame - diese Namen zeigen, wie viel Tradition in der Begegnung steckt." Selbstredend startet seine Mannschaft als Außenseiter: "Hertha ist ein gestandener Bundesligist. Das sieht man auch an den Transfers in den letzten Jahren", meinte Köllner.

Die eigenen Transfers fielen angesichts der finanziellen Lag eher bescheiden aus, aber immerhin kam in dem Japaner Yuya Kubo vom belgischen Erstligisten Gent ein kreativer Spielgestalter, der sich in der Zentrale vor Behrens einreihen dürfte. Dennoch werden die Nürnberger im Kampf um den Klassenverbleib ihre Punkte mühsam erkämpfen müssen. Der gebürtige Elmshorner Behrens ist mittlerweile lange genug in Franken, um zu wissen, dass die Euphorie schnell kippen kann. "Es ist ein eigener Menschenschlag hier", hat er festgestellt. "Die Fans stehen sehr hinter uns, sie sind sehr leidenschaftlich - aber es gibt auch viele, die die Dinge gern schwarz sehen und die am Fußball irgendwas auslassen." Beim Unternehmen, das zu verhindern, wird viel auf Hanno Behrens ankommen.