1. FC Nürnberg - Hertha BSC (15.30 Uhr) Überrascht von der Dynamik

Nürnberg sieht wie der sichere Absteiger aus, aber einen Riss zwischen Trainer und Mannschaft? Gibt es nicht, heißt es vom Club, der mit einer ganz eigenen Ruhe in die Rückrunde startet.

Von Christoph Ruf

Nach dem letzten Spiel der Hinrunde, einem 0:1 gegen Freiburg, harrten große Teile der Nürnberger Nordkurve noch ein paar Stunden in der Eiseskälte aus. Sie hatten Plätzchen mit Club-Emblem und Pulled Pork verkauft, auch die befreundeten Schalker hatten ein paar Fanartikel springen lassen. Viele tausend Euro sind so für soziale Projekte zusammen gekommen. Wie viel genau, wollen die Fans am Sonntag in der Halbzeitpause des Heimspiels gegen Hertha BSC Berlin verkünden.

Interessant war diese Aktion in der vorweihnachtlichen Kälte aber auch, um die Stimmung an der Basis des Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga auszuloten. Kritik an Mannschaft und Trainer wurde bei Glühwein nicht zu knapp geäußert: Der Torwart schlecht, wie auch der rechte Verteidiger, die Auswechslungen des Trainers Michael Köllner komisch, seine Aufstellung sowieso. Nur dass all diese Punkte mit der immer gleichen Relativierung vorgetragen wurden. "Letztlich liegt's nicht daran", hieß es, und: "Sie tun ja, was sie können, was will man ihnen da vorwerfen?", oder auch "Es reicht halt nicht".

Auch Sportdirektor Andreas Bornemann erinnert sich vier Wochen später noch gut an jenen 17. Spieltag. An die Niederlage, bei der der Club mal wieder ganz ansehnlich gespielt hatte. Vor allem aber an die Reaktion der Fans nach dem Schlusspfiff. "Als die Mannschaft völlig geknickt zur Kurve kam, haben die Fans lange applaudiert. Das hat viele Spieler tief beeindruckt." Bornemann ist verwundert, dass viele Beobachter die Dynamik beim Club zunehmend negativ interpretieren.

Sportdirektor Bornemann reagiert genervt: unter jedem Trainer verdrehe einmal ein Spieler die Augen

Tatsächlich wurden in jenen Medien, deren Vertreter im Trainingslager vor Ort waren, nicht nur die schwachen Testspiele gegen PEC Zwolle (1:1) und Royal Exel Mouscron (1:2) thematisiert. Es wurde auch das Bild einer leblosen Mannschaft gezeichnet, die nichts ausstrahle, das noch Hoffnung auf eine Aufholjagd machen würde. Zudem reagierten einige Spieler genervt auf die langen Ansprachen des tatsächlich sehr redseligen Trainers, der die Spielformen ständig unterbreche. Darauf angesprochen, reagiert Bornemann energisch. Gar nichts halte er davon, jetzt in alltägliche Beobachtungen "Dinge reinzugeheimnissen". In jeder Mannschaft und unter jedem Trainer verdrehe einmal ein Spieler die Augen, wenn eine Einheit unterbrochen werde, um auf Fehler hinzuweisen: "Ich habe auch mal Fußball gespielt und genau so reagiert. Das sind Fußballspieler. Die wollen kicken."

Einen Riss zwischen Trainer und Mannschaft gebe es nicht, im Gegenteil: In der Kabine sei man sich genauso einig wie in Gremien und im Vorstand - in der sportlichen Analyse und darin, wie es weitergehe. Nämlich mit diesem Trainer. Und unter Verzicht auf finanzielle Harakiri-Aktionen, die mittelfristig die Existenz des Vereins gefährden würden. "Wir haben hier wirklich intern eine große Geschlossenheit", sagt Bornemann. Wenn also, wie in den vergangenen Tagen geschehen, Spieler lieber in die zweite Liga wechseln als zum Club in die erste, dann müsse man das zähneknirschend akzeptieren. Und alles dafür tun, dass man kurz vor dem Ende der Transferperiode doch noch Spieler bekommt, die weiterhelfen, ohne dass die Ablöse bei einem Fünftel des gegenwärtigen Saisonetats liegen würde.

Nürnberg sind bisher erst zwei Saisonsiege gelungen

Dass das ein Weg ist, der direkt wieder in die Zweite Liga führen könnte, sagt derzeit kein Club-Offizieller laut. Dabei wäre alles andere wohl tatsächlich eine ziemliche Überraschung für eine Mannschaft, der bisher erst zwei Saisonsiege gelungen sind und die seit elf Spielen sieglos ist. Wobei es in einer Liga, in der Düsseldorf gegen Dortmund gewinnen konnte, ja durchaus schon Überraschungen gegeben hat. "Wir sind im Rennen und haben noch alles selbst in der Hand", sagte Trainer Köllner am Freitag.

Etwas weniger spekulativ ist derweil der Blick auf den Trainingsplatz am Valznerweiher. Mit Enrico Valentini, Hanno Behrens, Mikael Ishak und Eduard Löwen tummelten sich zuletzt dort gleich vier Spieler, die in der Hinrunde in den Reihen der Nürnberger schmerzlich vermisst wurden. Am Sonntag stehen alle wieder zur Verfügung. Alles keine Namen, für die sich Vereine wie der FC Bayern interessieren würden. Aber darum geht es nicht. Denn zum einen zählen die vier zu den besten Spielern beim Club. Und zum zweiten wären sie in Nürnberg ja schon froh, wenn sie sich finanziell mit den finanzstärksten Zweitligisten messen könnten.