1. FC Nürnberg Für einen Kader mit Plan

Robert Palikuca, 40, hat als Verteidiger für St. Pauli und Düsseldorf gespielt – nie höher als in der dritten Liga. Danach arbeitete er in verschiedenen Funktionen bei der Fortuna.

(Foto: Schwörer/imago)

Der Club hat nach über sieben Wochen einen neuen Sportvorstand gefunden: Robert Palikuca.

Von Markus Schäflein

Von Robert Palikuca ist bislang bekannt, dass er ein babyblaues Mobiltelefon besitzt. Genauer gesagt besaß er im Jahr 2014 ein babyblaues Mobiltelefon, damals wurde das bisher letzte Pressefoto von ihm erstellt. Ein ehemaliger Fußballer namens Sascha Rösler war zu jener Zeit Praktikant bei Fortuna Düsseldorf, das erschien dem Fotografen offenbar interessant. Palikuca arbeitete damals in der Marketingabteilung und war eher zufällig auf dem Bild, telefonierend. Wahrscheinlich hat Palikuca sein Handy seitdem bereits mehrfach gewechselt, möglicherweise hat er sich auch mal für eine andere Farbe entschieden. Wichtig ist ja nur, dass er stets seine vollständige Rufnummernliste mitgenommen hat, denn er dürfte einige nützliche Kontakte angesammelt haben - zuletzt arbeitete er nämlich nicht mehr im Marketing, sondern als Kaderplaner von Fortuna Düsseldorf.

Als Kaderplaner jenes Vereins also, der im vergangenen Sommer mit dem 1. FC Nürnberg in die Fußball-Bundesliga aufstieg und der ähnlich wenig Geld zum Kaderplanen hatte wie der Club. Der Unterschied ist nur, dass Fortuna Düsseldorf mit 37 Punkten im Mittelfeld steht und den Klassenverbleib längst sicher hat, während Nürnberg mit 17 Punkten Vorletzter ist. Was läge da näher, als sich mal anzuschauen, wer diesen effizienten Düsseldorfer Kader geplant hat? So dachten es sich jedenfalls offenkundig die Nürnberger Aufsichtsräte um ihren Vorsitzenden Thomas Grethlein auf ihrer Suche nach einem neuen Sportvorstand. Und sie fanden Palikuca, 40, den auch als früheren Profifußballer kaum jemand kennt. Der Kroate spielte zwar nicht nur für den FSV Salmrohr, sondern auch für den FC St. Pauli und Düsseldorf, aber nie höher als in der dritten Liga. Er verantwortete den Düsseldorfer Kader für diese Spielzeit gemeinsam mit Uwe Klein und Christian Weber, wobei er laut Geschäftsführer Robert Schäfer vor allem für die Verhandlungen zuständig war. Als ein neuer Sport-Geschäftsführer gesucht wurde, entschieden sich die Düsseldorfer im Dezember aber für keinen aus diesem Trio, sondern für Lutz Pfannenstiel, der aus Hoffenheim kam. Es herrschte zuletzt also eine gewisse Überbesetzung in diesem Bereich.

Schäfer erklärte zum Abschied Palikucas, sein Verein verliere "einen wertvollen Mitarbeiter", der "großen Anteil an der exzellenten Zusammenstellung des Kaders" gehabt habe, "so zum Beispiel bei der Verpflichtung von Benito Raman. Wir bedauern seine Entscheidung. Aber gleichzeitig freuen wir uns für ihn, dass er mit der neuen Herausforderung, als Vorstand Sport in Nürnberg zu arbeiten, ein spannendes Kapitel für sich aufschlägt." Palikuca dankte Schäfer für die Freigabe und fand ebenfalls, die Aufgabe in Nürnberg sei "sehr spannend".

Seit der Freistellung von Andreas Bornemann waren beim Club zahlreiche Kandidaten als Nachfolger gehandelt worden. Markus Krösche, Sport-Geschäftsführer beim Zweitligisten SC Paderborn, hatte zuletzt abgesagt. Palikuca wird damit leben können, dass er offenkundig nicht die allererste Wahl für seinen neuen Job war. "Aufgrund der Bedeutung der Personalie (...) haben wir uns die nötige Zeit für unsere Entscheidung genommen", erklärte Grethlein die über sieben Wochen dauernde Suche. "Wir haben die Kandidaten sorgfältig auf ihre Eignung geprüft, und Robert Palikuca hat uns bei allen Gesprächen mit seinen Fähigkeiten überzeugt." Und möglicherweise hat er den Aufsichtsräten ja auch mal einen Blick in seine Rufnummernliste gewährt.