1. FC Nürnberg Burgstaller bricht den Hexenbann

Erst einen Elfmeter verschossen, dann ein Traumtor erzielt: Guido Burgstaller, auffälligster Nürnberger beim 3:1 in Bielefeld.

(Foto: Friso Gentsch/dpa)

Dem FCN gelingt in Bielefeld der erste Sieg. Matchwinner Guido Burgstaller verschießt zunächst einen Elfmeter.

Von Ulrich Hartmann, Bielefeld

Um 14.13 Uhr am Sonntag schaute Alois Schwartz entgeistert auf die Uhr an seinem linken Handgelenk, als habe soeben sein Countdown als Trainer vom 1. FC Nürnberg begonnen. Es wirkte, als wäre er ausgangs der ersten Halbzeit gern vorzeitig in die Katakomben des Bielefelder Stadions hinabgestiegen, um dort ein bisschen zu verzagen. Sein Stürmer Guido Burgstaller hatte einen Elfmeter verschossen, seine Mannschaft war zwei Minuten später 0:1 in Rückstand geraten - den Nürnbergern drohte, dass sie auch das fünfte Spiel in Serie verlieren, ausgerechnet im Kellerduell der sieglosen Teams bei Arminia Bielefeld. Doch nach der Pause befreite sich der angeschlagene Club mit drei Toren binnen 33 Minuten aus seinem wochenlangen Dilemma. Zweimal Burgstaller und einmal Tim Matavz führten den Club zum 3:1, dem womöglich wegweisenden ersten Saisonsieg.

"Endlich hat es mal geklappt, endlich hat sich die Mannschaft mal belohnt", sagte Schwartz danach und verweigerte sich einer Spekulation, was eine neuerliche Niederlage für seine Zukunft beim Club bedeutet hätte. "Ruhe wird es hier sowieso keine geben", sagte er trotz des Erfolges. Der Blick auf die nächste Aufgabe, am Freitag daheim gegen Union Berlin, birgt ja nebst der Chance auf eine weitere Erholung auch die Gefahr eines neuerlichen Rückschlags.

Die erste Halbzeit in Bielefeld hatte sich als üble Komprimierung der bisherigen Saison und sämtlicher Nürnberger Probleme erwiesen. Die Franken hatten das Spiel dominiert und waren mehrmals in den Strafraum vorgedrungen, um dort allerdings ihre Chancen zu vergeben. Dann hatten sie in der 39. Minute das vermeintliche Glück, für eine Berührung der Füße von Bielefelds Verteidiger Florian Dick und des übertrieben purzelnden Nürnbergers Hanno Behrens einen Elfmeter zu erhalten. Burgstaller, für den verletzten Tim Leibold in die Startelf zurückgekehrt und klar der beste Nürnberger, legte sich in der 40. Minute den Ball zurecht, lief an - und schoss dann derart kläglich an den rechten Fuß des Torwarts Wolfgang Hesl, dass fränkische Fußball-Fans erstmals ernsthaft an eine Verschwörung höherer Mächte geglaubt haben könnten. Der Kapitän Miso Brecko hatte ja schon vor dem Spiel die gespenstische Vermutung geäußert: "Es ist wie verhext."

Erst in Überzahl belohnen sich die Nürnberger mit den Siegtoren für ihren Aufwand

Das Elfmeterfiasko geschah zwei Minuten bevor Schwartz vollends entgeistert auf seine Uhr blickte, denn in der 42. Minute verdichtete sich das Hexenwerk zum Drama. Die harmlosen Bielefelder brachten durch Stephan Salger einen Eckball vors Tor, den Sebastian Schuppan per Kopf zum 1:0 ins Tor drückte.

Schwartz scheint dann in der Kabine einen kleinen Exorzismus vorgenommen zu haben, denn das Tor, das ausgerechnet Burgstaller in der 52. Minute zum 1:1-Ausgleich erzielte, hat gute Chancen, es in die Auswahlliste zum "Tor des Monats" zu schaffen. Kevin Möhwald flankte von der rechten Seite hoch und weit in den Strafraum, Burgstaller nahm die Flanke mit dem linken Fuß direkt aus der Luft und drosch ihn unter die Latte von Hesls Gehäuse. Damit bewies er Bielefelds Torwart, dass sein Schuss-Repertoire über den zuvor mauen Strafstoß hinausgeht.

Mit der Entscheidung gegen die enttäuschenden Ostwestfalen warteten die Franken aber noch bis zur Schlussphase. Erst in Überzahl nach einer gelb-roten Karte für Schuppan (57.) wegen wiederholtem Foulspiel belohnten Burgstaller (81.) und Matavz (85.) den Aufwand ihrer Mannschaft mit den siegbringenden Treffern. Als das Spiel um 15.22 Uhr abgepfiffen wurde, also 69 Minuten nach Schwartz' entgeistertem Blick auf die Uhr, umarmten sich der Trainer und der Sportdirektor Andreas Bornemann. Beide herzten auch Burgstaller, der nicht nur mit seinen Toren, sondern erst recht mit seiner Körpersprache das Vorbild für die Kollegen gab. "Der Sieg tut uns gut", sagte der Österreicher erstaunlich verhalten; vermutlich weiß auch er, dass es erst ein kleiner Schritt war auf einem noch langen und mühsamen Weg aus dem Tabellenkeller.