1. FC Köln Terodde kämpft gegen den Ruf des Zweitligatorjägers

Hat den VfB Stuttgart in die erste Liga geschossen und soll nun den 1. FC Köln in der ersten Liga halten: Simon Terodde, 29.

(Foto: Thomas Kienzle/AFP)
  • Im Sommer war Simon Terodde beim Aufstieg des VfB Stuttgart noch der gefeierte Held. Nur ein halbes Jahr später wechselt er nach Köln.
  • In den letzten beiden Spielzeiten der 2. Bundesliga gelangen dem 29-Jährigen insgesamt 50 Treffer.
  • In Köln möchte Terodde beweisen, dass er mehr als nur ein typischer Zweitligatorjäger ist.
Von Christof Kneer

Im Sommer waren die Fantastischen Vier kurz davor, ihren Namen ändern zu müssen. Es gab so viele Bilder von ihnen, auf denen sie zu fünft zu sehen waren, immer stand da dieser große Typ neben ihnen auf der Bühne. Er trug, wie sie, ein VfB-Shirt und ein VfB-Käppi, und er sang mit ihnen VfB-Aufstiegslieder, und als die fünf Rampensäue später auf der Bühne ein paar Selfies knipsten, war nicht ganz klar, wer hier mit wem aufs Bild wollte. Ein Zweitligafußballer mit den berühmten Deutschrappern? Oder ein paar unbedeutende schwäbische Musikanten mit dem großen Stürmer und Aufstiegshelden Simon Terodde?

So war das, im Sommer in Stuttgart. Die Stadt hatte 100 000 ihrer enthemmtesten Bürger geschickt, um auf dem Wasen zu Ehren des Aufstiegs ein großes Feschd zu feiern, und es war nicht zu überhören, welche der Aufsteiger die Bürger am liebsten hatten: den smarten Trainer Hannes Wolf - und eben Terodde, den 25-Tore-Stürmer, der die Menschen kurz darauf noch einmal glücklich machte. Da schickte er eine SMS an den damaligen Sportchef Jan Schindelmeiser, in der er ankündigte, das Angebot aus Mönchengladbach auszuschlagen - und beim VfB zu verlängern.

Auf die lautstarke Aufstiegsfeier folgt die stille Rückkehr nach Köln

"Für diesen Verein zu spielen, ist ein ganz besonderes Gefühl", sagt Terodde, 29, nun ein gutes halbes Jahr später - und meint den 1. FC Köln. Wer den Sommer in Stuttgart gesehen hat, dem fällt es schwer zu glauben, dass diese Geschichte so endet: dass Terodde den VfB und die Fantastischen Vier in der Winterpause verlassen hat - und dann auch noch im Kleingedruckten, weil im Großgedruckten überall nur GOMEZ stand. Der eingeborene Schwabe Gomez soll in der Rückrunde jene Tore schießen, die der VfB zum Klassenerhalt braucht - und der eingeborene Rheinländer Terodde soll in Köln auch Tore schießen, wobei man dann immer noch nicht wüsste, ob die dann zum Klassenerhalt reichen. Teroddes Geschichte wirft also diese Frage auf: Wie konnte das passieren?

"Simon hatte hier seit Sommer dicke Bretter zu bohren", sagt Michael Reschke, der Sportchef des VfB. Die Vorfreude der Bürger, der Erwartungsdruck, ein verschossener Elfmeter gleich im ersten Heimspiel und dann die ewige Frage: Ist der Mann nur ein klassischer Zweitligatorjäger, oder kann er's auch eins höher?

Diese große Karrierefrage hat den vorbildlichen Kämpfer offenkundig belastet, seine Körpersprache wirkte zuletzt mühselig und beladen, erst recht, als der Trainer Wolf die VfB-Elf so defensiv abmischte, dass Terodde nicht mal mehr gescheite Bälle bekam. 50 Tore hat er in zwei Zweitligajahren geschossen (je 25 für Bochum und den VfB), und in der Erstliga-Vorrunde traf er gerade zweimal. Man würde diesen geübten Torjäger gerne mal in einer offensiveren Erstliga-Elf sehen, in einer Elf, in der sie ihn suchen und finden. Aber erst mal könnte es sein Auftrag sein, mit dem FC ab- und dann - mit 25 Terodde-Toren - wieder aufzusteigen.

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