1. FC Köln gegen SpVgg Greuther Fürth Seufzer vor dem Karneval

Fürths Mergim Mavraj (links) versucht Patrick Helmes vom 1. FC Köln am Schuss zu hindern.

Durch ein spätes Tor von Ilir Azemi erkämpfen die Fußballer der SpVgg Greuther Fürth ein 1:1 beim 1. FC Köln. Der Zweitliga-Tabellenführer ist in einer hektischen Partie weit entfernt davon, sein übliches Niveau zu erreichen.

Von Philipp Selldorf

Wie üblich hieß der Stadionsprecher Michael Trippel die Kolonie der mitgereisten Fans "in der schönsten Stadt Deutschlands" willkommen, aber die etwa 1000 Gäste aus Franken wussten nicht recht, was sie von derlei Übermut halten sollten. Einerseits heißt es ja immer, der 1. FC Köln sei in der Hochzeit des Karnevals durch Frohsinn gedopt - und deshalb unbesiegbar. Andererseits gibt es die Legende, dass es niemals leichter ist, gegen die Kölner zu gewinnen, als in den jecken Tagen.

An diesem Abend, so viel steht fest, waren die Kölner ganz bestimmt nicht unbesiegbar, sie waren in diesem hektisch umkämpften, nur phasenweise ansehnlichen Zweitliga-Gipfeltreffen weit entfernt davon, ihr Niveau zu erreichen, und am Ende fand keine der beiden Küchen-Theorien Bestätigung.

Durch ein spätes, aber keineswegs zufälliges Tor von Ilir Azemi erreicht die SpVgg Greuther Fürth ein verdientes 1:1 beim Tabellenführer, der nicht so souverän aufgetreten war, wie es der Punktestand verheißt. Trainer Frank Kramer quittierte den Schlusspfiff um 22.07 Uhr mit einem dicken Seufzer der Erleichterung, die Kölner Fans in der Kurve schwiegen vernehmlich.

Fürth liegt nun einen Punkt vor einem Trio auf dem zweiten Aufstiegsrang. "Ein Punkt bringt keine Sicherheit", sagte Kramer. "Die Liga ist so verrückt, da kann jeder gegen jeden gewinnen."

Zunächst aber ist lobend zu erwähnen, dass dieses Spiel überhaupt stattfand. Daran hatte mancher Kölner bis zuletzt gezweifelt nach den beunruhigenden Bildern und Nachrichten aus dem Fürther Krankenlager, aber dann durfte der FC-Manager Jörg Schmadtke um kurz vor acht befriedigt feststellen, dass elf Mann zum Spiel bereit standen, "die man auch alle kennt". Nur Zoltan Stieber, der Torjäger, nahm auf der Bank Platz, weil er noch vom Virus geschwächt war. Er kam zur zweiten Halbzeit ins Spiel.

Kein Kombinationsspiel der Kölner

Die Kölner Mannschaft schien hingegen etwas überrascht davon zu sein, wie schnell ihr Gegner wieder zu Kräften gelangt war. Sie sah sich in den ersten Minuten schnellen Angriffen der furios rochierenden Fürther ausgesetzt, und Tom Weilandt machte sich nach seinem Schuss von der Strafraumgrenze schon zum Jubel bereit - aber Torhüter Timo Horn streckte sich gerade noch rechtzeitig und lenkte den Ball über die Latte (6. Minute).

Die Kölner sammelten sich zwar und konnten das Spiel wieder beruhigen, aber das war vorerst das Einzige, was ihnen glückte. Die Fürther hatten kaum Mühe, die Angriffsversuche des Tabellenführers abzufangen. Benedikt Röcker und Margim Mavraj in der Abwehrzentrale wurden selten gefordert, der Kölner Paradesturm mit Patrick Helmes und Anthony Ujah kam nicht zur Geltung, weil die Zuspiele auf der Strecke blieben.

Die Kölner brachten kein Kombinationsspiel zustande, im erwartungsvollen Publikum waren sogar Pfiffe zu hören. Die schnellen Daniel Halfar und Marcel Risse starteten ein paar Sololäufe, aber sie preschten so kopflos drauflos, dass die Stimmung keineswegs besser wurde. Ein harmloser Kopfball von Helmes in die Arme von Wolfgang Hesl, das war schon der Höhepunkt der Kölner Bemühungen (34.).

Mit guten Vorsätzen kamen die Gäste aus der Pause

Um so mehr staunten sämtliche Anwesenden, als der Ball plötzlich im Tor lag. Eine Kölner Ecke, die eigentlich schon entschärft schien, landete nach einem Missgeschick von Abdul Baba auf dem Kopf von Ujah und schließlich vor den Füßen von Innenverteidiger Kevin Wimmer, der mühelos vollendete (36.). Die Kölner nahmen danach Fahrt auf. Helmes kam noch zu zwei, drei halbgaren Kopfballchancen, der Halbzeitpfiff verschaffte den Fürthern die Pause, die sie brauchten.

Die Gäste kamen mit guten Vorsätzen zurück und ergriffen die Initiative, Florian Trinks versuchte es mit einem mächtigen Weitschuss, den Horn zur Seite boxte. Zehn Minuten später steuerte Niclas Füllkrug nach einem tollen Pass von Niko Gießelmann aufs Tor zu, aber bevor er sich zum Schuss entschließen konnte, hatte ihm Miso Brecko den Ball entwendet.

Beide Seiten wagten jetzt mehr Risiko, die Chancen häuften sich: Ujahs Sololauf endete bei Hesl (67.), ein Schuss von Helmes sauste knapp am Pfosten vorbei (74.), während Gießelmann Horn eine weitere starke Parade abverlangte. Auf der anderen Seite bekam Hesl soeben noch die Hand an den Ball und verhinderte damit ein Eigentor von Röcker. Nach 86 Minuten passierte es dann: Azemi profitierte von einer Irritation in der Kölner Abwehr und traf aus kurzer Distanz ins Tor, und da war selbst der starke Horn machtlos.