1. FC Köln Wer hängt noch in China fest? Anthony Modeste!

2017 war Anthony Modeste der Held in Köln - jetzt soll er wieder Tore schießen. Aber wann kann er endlich spielen?

(Foto: dpa)
  • Zweitligist Köln wartet weiterhin auf die Freigabe ihres Stürmers Anthony Modeste.
  • Der bisherige Klub des Franzosen steht nach der Verhaftung des Investors unter staatlicher Aufsicht.
  • Der FC Köln hofft weiterhin darauf, mit Modeste ein außerodentlich gutes Geschäft zu machen.
Von Philipp Selldorf, Köln

Als der 1. FC Köln Mitte November den wohlbekannten Mittelstürmer Anthony Modeste als Zugang präsentierte, da schien der Klub im Begriff zu sein, das beste Geschäft zu machen, das sich ein Unternehmen im Profifußball nur wünschen kann. Knapp anderthalb Jahre zuvor hatte der Verein den Angreifer für annähernd 30 Millionen Euro an den chinesischen Erstligisten Tianjin Quanjian verkauft - und nun sah es so aus, als ob die Kölner für die Rückkehr des Publikumshelden keinen Cent bezahlen müssten.

Unter Berufung auf unerfüllte Gehalts-Zahlungen der Chinesen hatte Modeste seinen Vertrag mit Tianjin gekündigt; die Rechtmäßigkeit dieser Kündigung vorausgesetzt, sollte er somit vertragslos und ablösefrei sein. Noch sei die Sache "nicht durch", gab zwar ein Kölner Funktionär in Anbetracht ungelöster Formalitäten damals zu bedenken, doch derlei Einwände fanden im allgemeinen Jubel von Verein und Fans wenig Gehör. Zumal, da der FC feierlich bekannt machte, mit Modeste einen Vertrag bis ins Jahr 2023 verabredet zu haben.

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Tatsächlich nimmt der 30 Jahre alte Franzose seit jenem November-Wochenende am Training der Kölner Profis teil, aber dem Spielbetrieb hat er sich wegen der fehlenden Dokumente des Weltverbandes Fifa immer noch nicht anschließen dürfen. Und wenn die Anwälte des Spielers und die Kölner Offiziellen bisher der Meinung waren, einen schwierigen Fall vor sich zu haben, so müssen sie nun erkennen, dass die Lage sogar noch viel komplizierter ist.

Bisher wussten sie immerhin, mit wem sie es in China zu tun hatten, aber das hat sich geändert, seit die chinesische Justiz den milliardenschweren Investor des Vereins wegen mutmaßlich betrügerischer Geschäfte in Haft genommen hat. Mit ebenjenem Unternehmer hatten die Kölner - auf Vermittlung ihres Mitglieds Martin Schulz, vormals SPD-Kanzlerkandidat -, im Herbst ein, wie sie glaubten, einvernehmliches Ablösegespräch in Sachen Modeste geführt. Das erwies sich als Irrtum.

Für den Betroffenen ist die Entwicklung allerdings noch viel unerfreulicher - wobei ihn die drohende Gefängnisstrafe sicher härter trifft als die 500 Millionen Euro, die er in den Verein gesteckt und nun verloren hat. Die Kölner sehen immerhin nun eine Chance, aus dem unübersichtlichen Verfahren als stiller Gewinner hervorzugehen. In Tianjin geht es jetzt um die Existenz des Vereins - der Rechtsstreit mit dem vormaligen Angestellten Modeste gerät dabei, so hofft man beim FC, zur Nebensache.