„Netzwerken ist immer ein Geben und ein Nehmen“, sagt Beate Mader. Die Kommunikationsberaterin aus Bad Tölz unterstützt sowohl Selbstständige als auch Menschen auf dem Weg in das eigene Unternehmen und bietet unter anderem vom Arbeitsamt geförderte Gründungscoachings an. Weil die 57-Jährige Netzwerkerin mit Leib und Seele ist, sind ihre ehrenamtlich angebotenen Netzwerktreffen für Gründerinnen und Gründer für sie eine Herzensangelegenheit. Die Vorteile des Netzwerkens erklärt sie im Interview.
Frau Mader, Sie bezeichnen sich als leidenschaftliche Netzwerkerin - warum?
Beate Mader: Ich glaube, ich habe immer schon Netzwerke geknüpft. Mir war früh klar, dass ich nicht alles selber machen kann oder vielleicht Leute kenne, die etwas besser können als ich. Später habe ich in einer Münchner Event-Agentur Netzwerken auf höchstem Niveau kennengelernt. Das geht nicht ohne die Frage, was der andere braucht, denn Netzwerken ist immer ein Geben und ein Nehmen. Wenn man dabei ist, geht es nicht, ohne sich einzubringen. Ich persönlich liebe es, Menschen zu verbinden und Ideen zu verknüpfen.
Seit wann bieten Sie Ihre Netzwerktreffen für Existenzgründer an und wer besucht diese?
Die Gründertreffen biete ich seit über drei Jahren regelmäßig einmal im Monat an. Im Schnitt nehmen daran zwischen zwei und zehn Personen teil. Das ist ein ganz buntes Publikum. Es kommt überwiegend aus der Region. Aber wir haben auch immer wieder mal Interessierte aus anderen Ecken Bayerns, die das kleinere Format smart finden. Wer gerade etwas mehr Ansprache braucht, kommt öfter, andere nur dann, wenn sie ein spezielles Thema interessiert.
Was erwartet die Teilnehmer bei den Treffen?
Wir haben jedes Mal ein Schwerpunktthema, zum Beispiel Nachhaltigkeit, Marketing oder Präsentationscoaching, also: „Wie erkläre ich in 30 Sekunden mein Business?“. Die Referenten sind aus meinem Netzwerk, sie geben auch Impulse und stehen anschließend für Fragen zur Verfügung.
Was nehmen die Gründer - außer neuem Wissen - von den Treffen mit?
Das Gefühl, nicht allein zu sein, ist sehr stark und hilfreich. Vom Angestelltendasein in die Gründung zu gehen, ist schon ein sehr großer Schritt. Das Umfeld ist dabei oft emotional eine der größten Hürden. Netzwerke mit ihrer gegenseitigen praktischen, aber auch emotionalen Unterstützung sind da sehr wertvoll.
Wie knüpfen oder halten die Gründenden Kontakte?
Oft bilden sich langjährige Netzwerke, die von Bürogemeinschaften über Kooperationen bis zu Freundschaften oder sogar Ehen reichen. Persönlich in Kontakt zu bleiben, ist natürlich hier in der Region sehr einfach und bietet sich geradezu an.
Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Teilnehmenden?
Für sie ist das Netzwerk wie ein sicherer Hafen. Sie wissen, dass sie hier anderthalb Stunden zusammenkommen, etwas lernen, sich mit anderen austauschen und in Kontakt bleiben können. Es geht dabei ja immer um die Hilfe zur Selbsthilfe. Das habe ich in der Situation gebraucht und das hat mir geholfen, sagen mir Teilnehmer im Anschluss häufig.
Was geben Sie den Gründerinnen und Gründern über die Treffen hinaus mit auf den Weg?
Auch nach rechts und links zu schauen, was es noch so gibt. Übrigens gibt es für Gründer noch weitere sehr gute und kostenfreie Möglichkeiten, etwa bei der IHK oder bei den Aktivsenioren. Auch Unternehmerinnen und Unternehmer helfen sehr gerne mit guten Ratschlägen, Tipps, Empfehlungen oder Kontakten weiter. Ich sage den Gründern immer: Einfach fragen und miteinander reden, das tut nicht weh.
Welche Tipps geben Sie den gründungswilligen Netzwerkern am liebsten mit?
Ich rate ihnen, sich Hilfe zu holen und Hilfe auch anzunehmen. Sie sollten in drei Sätzen darlegen können, was sie wollen und was sie brauchen. Außerdem ist es hilfreich, für Ideen offen zu sein und gegebenenfalls auch Scheuklappen abzulegen. Und dann: Ideen haben und anfangen. Je klarer ich übrigens weiß, warum mein Produkt diese Welt besser macht, desto erfolgreicher werde ich es auch verkaufen können. Dabei hilft es, im Vorfeld Menschen zu fragen, ob die Idee bei ihnen auf Interesse stoẞen würde.
Das Gespräch führte Ina Berwanger.