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Hitzeschutz im Landkreis: Städte reagieren auf Klimawandel

Mehr Schatten, Trinkwasser und grüne Oasen: Kommunen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen setzen gezielt Maßnahmen gegen Hitzeinseln und sorgen für Schutz bei steigenden Temperaturen

Hitzeschutz im Landkreis: Städte reagieren auf Klimawandel

Die Parkanlage am Taubenloch in Bad Tölz wurde neu gestaltet und bietet Schutz vor Hitze und schattige Plätze. Foto: Laura Loewel

Hitze ist das größte durch den Klimawandel bedingte Gesundheitsrisiko in Deutschland. Sie kann für alle gefährlich werden - und das Problem wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen, so die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) e.V. anlässlich des Hitzeaktionstags am 4. Juni 2025. Das Bewusstsein für die Gefahren von Hitze und die Maßnahmen zum Schutz insbesondere für gefährdete Personen muss dringend gestärkt werden, mahnte die Initiative, die sich seit 2023 für das Thema starkmacht. Denn: In den letzten Jahrzehnten hat sich die Anzahl der Hitzetage in Bayern fast verdreifacht. Das zeigt eine Grafik des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU): In den Jahren 1951 bis 1980 gab es jährlich durchschnittlich drei Hitzetage in Bayern, im Zeitraum von 1993 bis 2022 waren es bereits über acht Tage. Als Hitzetage gelten laut Meteorologen Tage mit Temperaturen über 30 Grad Celsius - kombiniert mit nächtlichen Werten über 20 Grad. Auch die Zahl hitzebedingter Notfälle und Krankheitsbilder wie Schwindel, Verwirrtheit, Erschöpfung, Hitzschlag nimmt zu, so die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V., ebenso die Mortalität: Für den Sommer 2024 schätzte das Robert Koch Institut circa 3000 hitzebedingte Sterbefälle in Deutschland.

Unternehmen aus der Region

Auch wenn es in Bayern vielerorts sehr grün ist und auch viele Flüsse und Seen in Reichweite sind, heizen sich Orte mit hohem Verkehrsaufkommen und vielen versiegelten Flächen bei hohen Temperaturen besonders stark auf. Dass etwas getan werden muss, darüber sind sich Städte und Kommunen in Bayern immer mehr bewusst - so entwickeln viele von ihnen bereits spezielle Pläne zum Schutz vor Hitze und Trockenheit und haben sie teils auch schon umgesetzt, etwa in ein Hitzetelefon des Seniorenamts in Nürnberg, das bei Temperaturen ab 30 Grad erreichbar ist und ehrenamtliche Unterstützung vermittelt. Würzburg - eine der trockensten und wärmsten Städte in Süddeutschland - hat seit 2023 einen Hitzeaktionsplan und bietet zusätzlich Stadtklimaführungen und Trinkbrunnen an. Die Stadt München hat seit August 2024 eine Karte mit kühlen Orten in Parkanlagen, Grün- und Badeflächen sowie öffentlich zugänglichen kühlen Innenräume, etwa in Kirchen, online gestellt (geoportal.muenchen.de/portal/ kuehle_orte/ ).

Der Stallauer Weiher zwischen Bad Tölz und Bad Heilbrunn. Foto: Susanne Hauck
Der Stallauer Weiher zwischen Bad Tölz und Bad Heilbrunn. Foto: Susanne Hauck

Schatten schaffen, für Abkühlung sorgen

Auch in der Region zwischen Isar, Loisach und Tegernsee gibt es bereits Initiativen, wie in Geretsried: Einen explizit so bezeichneten „Hitze(aktions)plan“ gibt es zwar bisher nicht, allerdings fließt ein adäquater Umgang mit extremen Hitzeperioden seit Jahren in die Stadtplanung mit ein etwa über die Bemühungen im Bereich naturnahes Stadtgrün und die Förderung von Biodiversität und Klimaschutz. Bad Tölz hat ebenfalls die Grünflächen im Fokus, um für die Bevölkerung schattige und angenehme Plätze zu schaffen. So wurden am Isarufer Sitzliegen unter Bäumen angeschafft, unter anderem am Tölzer Taubenloch. Hier wurde zudem die bestehende Parkanlage zur vorbeifließenden Isar hin geöffnet und der Fluss wieder in das Blickfeld der Besucherinnen und Besucher gerückt. Das Ufer ist wieder zugänglich, die Böschung mit Findlingen und Sitzmauern am Wasser ist ein herrlicher Ort, um kurz oder etwas länger Rast oder Mittagspause zu machen. Am Amortplatz wurde als Hitzeschutzmaßnahme für die Bevölkerung an der Isarbrücke bereits 2023 ein Trinkwasserspender in Betrieb genommen sowie im Rahmen der Neugestaltung Bäume gesichert und Bänke im Schatten aufgestellt.

Unternehmen aus der Region

Penzberg engagiert sich schon seit Jahren aktiv, die als Schattenspender so wichtigen Bäume im Stadtgebiet besonders zu pflegen: So wurde ein zweiter Gießwagen angeschafft, der Bauhof wässert regelmäßig und eine Baumkontrolleurin macht sogar am Wochenende Überstunden, um den Zustand der Bäume zu überwachen. Von Unwetter in Mitleidenschaft gezogene Bäume werden an Spielplätzen umgehend wieder nachgepflanzt, Trinkbrunnen am Penzberger Stadtplatz spenden auch für Bürger kühles Nass.

App für Trinkwasserspender

Im Bereich Tegernsee gibt es neben der Riedler Brücke in Kreuth den Dorfbrunnen mit Trinkwasser und Fahrradständer mit Steckdosen für E-Bikes. Mit einer praktischen App lassen sich übrigens noch mehr Trinkwasserstellen im Alpenvorland finden (trinkwasser-unterwegs.de/brunnen-finden). Die Gemeinde Münsing hat seit dem Neubau des Bürgerhauses ebenfalls innerhalb des Hauses eine öffentliche Stelle für Trinkwasser. Außerdem verweist die Gemeinde zum Thema Hitzeschutz auf die zahlreichen Bepflanzungen im Rahmen der Freiflächenplanung öffentlicher Gebäude - zum Beispiel aufwendige Außenanlagen um das Bürgerhaus, die auch zur Abkühlung beitragen.

Wasser und Wald: Der Buchsee bei Münsing ist ein kleiner Moorsee und liegt mitten in der Natur. Foto: Susanne Hauck
Wasser und Wald: Der Buchsee bei Münsing ist ein kleiner Moorsee und liegt mitten in der Natur. Foto: Susanne Hauck

Im Kampf gegen Hitzeinseln starteten im Frühjahr 2025 der Verein Lebendige Altstadt Wolfratshausen (LAW), Wor for Future und der Bund Naturschutz das Projekt „Hier fehlt ein Baum“ in der Flößerstadt. Der Bereich rund um die Einmündung der Weidacher Hauptstraße in die Sauerlacher Straße gilt als eine von vielen Hitzeinseln, an denen sie sich eine größere Verschattung wünschen. Durch die Anpflanzung von Schattenspendern soll eine Kühlung der Luft entlang von Fuß- und Radwegen, Bushaltestellen und Parkplätzen erreicht werden. Seit 2024 nimmt die Stadt Wolfratshausen zudem als Pilotkommune am zweijährigen Netzwerk der Energiewende Oberland e. V. (EWO) teil: Ziel des Netzwerks ist die Unterstützung der Kommunen und Landkreise bei der Anpassung an extreme Wetterereignisse, insbesondere Starkregen und Hitzewellen. Dazu wird unter anderem eine Plattform mit Infomaterialien, Karten und Handlungsempfehlungen erarbeitet.


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