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Gabriele Skarda: Was Hund und Herrchen so gut schmeckt

In ihrem Kochbuch „Animal Dinner – Abendessen für Drei“ präsentiert Gabriele Skarda gesunde, leicht zuzubereitende Rezepte, die sowohl Hunden und Katzen als auch deren Besitzern schmecken

Gabriele Skarda: Was Hund und Herrchen so gut schmeckt

Gesunde und für Tier und Mensch gleichermaßen geeignete Lieblingsessen sind leicht zuzubereiten.. Foto: Adobe Stock (Kl-generiert)

„Liebe geht durch den Magen, das weiß doch jeder“, sagt Gabriele Skarda, die vor Kurzem ihr erstes Kochbuch mit dem schönen Titel „Animal Dinner – Abendessen für Drei“ herausgegeben hat. Die Schäftlarner Autorin bekocht darin nicht nur ihre vierbeinigen Hausgenossen, sondern sich selbst gleich mit! Denn die dort vorgestellten Gerichte sind gleichermaßen für Hund, Katze und Halter konzipiert. Überhaupt ist Gabriele Skarda eine Frau mit vielen Talenten: Als Künstlermanagerin mit eigener Agentur betreute sie viele Jahre internationale Musiker wie Chuck Berry, Blues Brothers Band, Alvin Lee und Chris Norman. Darüber hinaus hält sie Fachseminare und ist als Businesscoachin in der Musik- und Veranstaltungswirtschaft unterwegs. Seit über zwanzig Jahren engagiert sie sich außerdem ehrenamtlich für psychisch Kranke. Im Interview erzählt die passionierte Köchin und Tierfreundin, die wegen einer Eigenbedarfskündigung gerade auf Wohnungssuche ist, was hinter dem ungewöhnlichen Kochbuch steckt.

Frau Skarda, was hat Sie dazu inspiriert, ein Kochbuch für Haustiere und Halter zu schreiben? Das klingt schon sehr originell.

Originell ja, aber das Kochbuch ist durchaus ernst gemeint. Ich habe schon als Kind sehr gern gekocht. Meine Großmutter war Chefköchin in einem großen Hotel in meiner Heimatstadt Siegen. Von ihr und von meiner Mutter habe ich früh gelernt, mit Kelle und Kochtopf umzugehen und wie man Speisen schön appetitlich anrichtet. Übrigens schon damals zur Freude der in unserer Familie lebenden Tiere, denn als ich klein war, gab es noch kein Fertigfutter wie Chappi oder Whiskas. Es war früher ganz normal, dass die Hunde mit den Resten davon ernährt wurden, was mittags bei uns auf den Tisch kam, zum Beispiel Fleisch mit Soße und Kartoffeln.

„Mit dem Kochen kann man sich und den Tieren Gutes tun“

Was ist der Gedanke hinter dem Buch? Viele Tierbesitzer finden vielleicht, eine Dose mit Futter ist doch viel schneller geöffnet.

Ich bin alles andere als ein Missionar. Aber mit dem Kochen kann man doch den Tieren so etwas Gutes tun und sich selber auch! Es gibt Millionen Menschen, die allein mit ihrem vierbeinigen Hausgenossen leben. Für sich als Single haben sie wenig Lust zu kochen, meistens bleibt die Küche kalt und es gibt Brotzeit. Aber für ihr geliebtes Zamperl würden sie vielleicht schon den Kochlöffel schwingen, und warum dann nicht gleich für sich mit? Die Liebe zum Tier ist doch ein wunderbares Motiv, auch selber ein bisschen gesünder zu leben. Und Spaß macht das Ganze auch, die eine oder andere leckere Mahlzeit zuzubereiten und dann zu beobachten, wie sich der vierbeinige Hausgenosse genussvoll darüber hermacht und laut schmatzt.

Ist das Selberkochen nicht mit viel Arbeit verbunden?

Überhaupt nicht. Ich koche einen ganzen Topf und friere dann verschiedene Portionen ein. So kann ich mehrere Mahlzeiten für mich und die Tiere in einem Arbeitsgang zubereiten. Einmal kochen und alle können essen. So ist das wahnsinnig effizient. Jeden Tag in der Küche stehen, dazu fehlt mir die Zeit, ich bin ja immer noch berufstätig.

Gab es ein besonderes Erlebnis, dass Sie veranlasst hat, Ihre Vierbeiner zu bekochen?

Mir hat vor Jahren ein Zeitungsbericht über die Tierfutterindustrie die Augen geöffnet. Was da alles für billige Füllstoffe und minderwertige Zutaten in so manchem industriellen Futter verwendet werden... Da habe ich beschlossen, mein Kater soll was Gescheites bekommen. Seitdem koche ich für meine Tiere selber. Ich will wissen, was drin ist. Und alle waren pumperlgesund und sind steinalt geworden. Und übrigens haben sie auch nie gemüffelt. Denn die Tiere dünsten das schlechte Futter über die Haut aus, was man riechen kann.

Hatten Sie schon immer Haustiere?

Ja, schon als Kind. Ich liebe Tiere. In Pöcking hatte ich einen Kater namens Wuschel, ihn habe ich als erstes bekocht. Später kamen Hündin Jana und Dobermann-Schäfermix Leo dazu. Übrigens sind alle meine Tiere durch die gesunde Ernährung sehr alt geworden! Wuschel hat als Freigänger das biblische Alter von 18 Jahren erreicht, Jana wurde 14 und Leo 16 Jahre. Seit eineinhalb Jahren habe ich die Cora bei mir, sie ist eine Straßenhündin aus Moldawien, die ich aufgenommen habe. Jetzt lebt sie im kulinarischen Schlaraffenland und bedankt sich mit Zuneigung und guter Laune.

Im Kochbuch gibt es Rezepte für Putengeschnetzeltes, Pichelsteiner oder Chickenwings. Das klingt ja richtig lecker. Aber funktioniert das wirklich, dass man eine Mahlzeit für alle zubereitet?

Viele köstliche Gerichte sind für Mensch und Tier gleichermaßen geeignet. Das geht so, dass ich eine Grundmahlzeit vorbereite und die Portion für mich mit mehr Gewürzen oder weiteren Zutaten verfeinere. Was auch dem Herrchen und Frauchen schmeckt und wie man sie entsprechend abwandelt, steht bei jedem Rezept im Buch dabei. Meinen Hackfleischtopf aus 150 Gramm angebratenem Hackfleisch und einer halben Tasse Reis, Karotten und Brühe mag jeder. Oder das Rührei, ein elementares Grundnahrungsmittel, rein und unverfälscht. Das lieben Katzen und Hunde und ich gleichermaßen.

Ist das wirklich alles gesund und artgerecht für die Tiere? Wie kann man da sichergehen?

Alle meine Rezepte, die ich über Jahre gesammelt habe, sind von einer Tierernährungsberaterin überprüft worden. Hier und da hat sie Zutaten optimiert oder die verwendeten Öle ausgetauscht. Das war mir sehr wichtig. Und klar, manche Lebensmittel sind für Tiere nicht bekömmlich.

Was dürfen Tiere zum Beispiel nicht essen?

Bei Katzen muss man besonders aufpassen, ihre Verdauung ist heikel. Viele Gewürze werden nicht verdaut. Auch Zwiebeln und Lauch sollte man weder Hunden noch Katzen verfüttern, Schnittlauch nur in Mini-Mengen. Auch rohe Kartoffeln, rohe Auberginen oder grüner Paprika gehören nicht in den Futternapf und Trauben, Rosinen, Schokolade oder Kakao sind ein absolutes Tabu. Salat oder das meiste gedämpfte Gemüse sind aber überhaupt kein Problem, sehr nahrhaft sind zum Beispiel Karotten.

Erklären Sie uns doch mal, schmecken Tiere anders als Menschen? Wie trifft man die verschiedenen Geschmäcker?

Tiere verfügen über reduzierte Geschmacksnerven. Ein Mensch hat 9000 Geschmacksrezeptoren, der Hund 1900 und die Katze nur 500. Der Hund kann wie der Mensch fünf Geschmacksrichtungen unterscheiden, von herzhaft, sauer, salzig, bitter bis süss. Die Katze eigentlich nur zwei und sie schmeckt nichts Süßes. Der Hund ist ein Allesfresser, er verträgt auch pflanzliche Nahrung. Die Katze ist ein reiner Fleischfresser. Sie auf vegetarisch umstellen zu wollen, wäre Unsinn. Bei ihr müssen die Fleischportionen größer sein, jedoch sind geringe Gemüsebeilagen vertretbar. Katzen sind sehr viel heikler mit dem Essen, weil ihr Geschmackssinn mit dem Geruchssinn eng verbunden ist. Legen Sie Ihrer Katze ein zwei Tage altes Hackfleisch vor, sie wird Ihnen mit ihrem Verhalten zeigen, ob das noch genießbar ist!

Wie kamen Sie auf den Buchtitel „Animal Dinner“?

Sie kennen doch sicher den Sketch „Dinner for One“. Der hat mich inspiriert. Es sind aber eben nicht Mr. Pomeroy und Admiral Snyder, die Miss Sophie Gesellschaft leisten, sondern Hund und Katze im feinen Zwirn. Die Münchner Illustratorin Natalia Melnikova hat das ganz toll auf dem Cover gezeichnet, finde ich.

Auf dem Buchcover sehen wir, wie Hund und Katze gemütlich zusammen mit Frauchen am Tisch sitzen. Ist das so wie bei Ihnen zu Hause?

Das nun nicht (lacht). Aber wir essen alle gemeinsam, und es gibt nichts Schöneres als dieses Gefühl des Verbundenseins. Ich sitze am Tisch vor meinem Teller, und die Tiere haben ihr Schüsselchen an ihrem Essbereich in der Küche und schmatzen genüsslich vor sich hin.

Bei Rezeptnamen wie „Schinkentaler“ oder „Seelachsfilet mit Reis“ läuft einem ja das Wasser im Mund zusammen. Haben Sie schon erlebt, dass es unter den Tieren auch richtige Feinschmecker gibt?

Absolut. Mein Maincoon-Kater Wuschel war ein richtiger Gourmet. „Lachs in Sahnesauce“ war nicht nur mein Lieblingsessen, sondern auch seins! Unglaublich, wie er dieses Gericht verspeiste, richtig zelebriert hat er die Mahlzeit. Hätte er mit Messer und Gabel umgehen können, hätte er das auch noch gemacht. Er legte auch großen Wert auf die Menüabfolge. Das Dessert musste immer das Mahl beschließen, zwei Teelöffel Bananenjoghurt. Zum Spaß habe ich ihn öfter auf die Probe gestellt und dazu die Schälchen vertauscht. Aber er hat das sofort gemerkt und darauf bestanden, erst das Hauptgericht serviert zu bekommen. Den Nachtisch mit dem Joghurt wollte er sich für den letzten Gang aufheben. Genial, dieses intelligente Tier.

Sogar ein Leberwursteis und eine Geburtstagstorte gibt es

Als Köchin sicher eine befriedigende Erfahrung, wenn alles ratzeputz aufgegessen wird.

Mein Hund Leo hat geschlemmt wie sonstwas. Wenn es ihm besonders gut schmeckte, dann schob er den Fressnapf mit der Schnauze durch die ganze Wohnung, in der Hoffnung, noch das kleinste Fitzelchen darin zu finden. Manchmal hat er das leere Plastikschüsselchen auch mit dem Maul gepackt und mir gebracht, wenn es etwas besonders Feines gab. Das war das Signal „Wie wäre es mit einem Nachschlag?“

Sogar ein Leberwursteis gibt es aus Leberwurst mit Joghurt und eine Geburtstagstorte für Hunde mit Hackfleisch und Wiener Würstel.

Ja, auch solche kulinarischen Highlights durften nicht fehlen. Beide Rezepte stammen von der Tierernährungsberaterin Claudia Eylitz. Leberwurst ist überhaupt der Hit bei Tieren wegen ihres leicht süsslichen Geschmacks. Eine frische Kalbsleberwurst vom Metzger ist einfach köstlich für Tier und Halter und in kleinen Mengen keinesfalls schädlich. Gerade wenn Sie Tabletten füttern müssen, gibt es nichts Besseres, als sie in Leberwurst einzupacken. Mein Hund Leo hat es genossen, zweimal die Woche zum Frühstück eine zwei Tage alte, harte Scheibe Roggenbrot mit Leberwurst ganz selig zu verzehren. Stückchen für Stückchen, es war ihm bewusst, was ich ihm für eine Köstlichkeit serviere.

Das Gespräch führte Susanne Hauck.

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