In Sachen Schenken soll sich einer auskennen! Sie hat sich schon immer den Armreifeiner bestimmten Schmuckmarke gewünscht und er hat schon wieder nicht zugehört und ihr stattdessen einen Milchschäumer geschenkt? Okay, es ist der beste Milchschäumer, den man kriegen kann. Er hat ihn auch in seiner Wohnung ... womit dann auch geklärt wäre, dass er an ein eventuelles Zusammenziehen offenbar nicht mal im Traum denkt.
Frohes Fest, kann man da nur sagen. Und glücklich diejenigen, die das gesamte Jahr über an Geschenke denken und an Heiligabend nur ihr Geschenkeversteck voller liebevoll ausgesuchter Gaben inspizieren müssen. Die Leinenservietten für die Eltern, den Stanley-Thermobecher (Modell „The Quencher“, 1,18 Liter fassend) für die Tochter, eine bestickte Clutch für die Freundin-da kann ja wohl nix schiefgehen... es sei denn, es ist plötzlich Wichteln angesagt und alle würfeln sich ihre Geschenke, um sie dann im nächsten Schritt an die Person links von sich weiterzugeben. Herrlich, wenn Opa dann die Spitzentangas auspackt und Baby Pauli das Aquarellier-Set zerfetzt. Dann doch lieber nach Wunschliste schenken und haargenau das besorgen, was draufsteht. Man braucht nicht lang zu überlegen und erntet an Heiligabend ein zufriedenes Nicken. Ah, stimmt, ich hatte mir ja den Entsafter gewünscht...
Hilfe, das soll Weihnachten sein, das Fest der Liebe und der Überraschungen, die von Herzen kommen? Da schenkt man doch lieber fancy Dinge wie ein Paar Manschettenknöpfe aus alten Schreibmaschinentasten, obwohl er nie Smoking und also auch kein Smokinghemd trägt. Oder die Smaragdohrringe, wo sie doch gar keine Ohrlöcher hat. Dann müssen die Beschenkten Freude heucheln, weil die Schenkenden zwar über die Geschenke gegrübelt, der beschenkten Person aber nur wenig Gedanken gewidmet haben. Andererseits, wie soll man geheime Wünsche erraten, wenn sie doch geheim sind?
Wie kommt man raus aus der Geschenkefalle, ohne auf Geschenke generell zu verzichten? Vielleicht, indem man weniger erwartet und sich wiederum nicht selbst so unter Druck setzt? Dann können sowohl das easy Schenken nach Einkaufsliste, als auch die missglückten Überraschungen, vollkommen okay sein-die echten Herzensgeschenke sind es sowieso.„Weißt du noch, der Entsafter? Das Beste daran ist, dass du es bist, der ihn bedient!“ „Dass du an Paris gedacht hast und dann auch noch unser altes Hotel!“ oder „Oh cool, Expecto Patronum mit Professor Remus Lupins Patronus-Wolf!“, jubelt das Kind, bevor es mit dem Lego für den Rest des Heiligabends in seinem Zimmer verschwindet.
Weihnachten ist unberechenbar, als Gottes Sohn auf die Welt kam, wusste man auch noch nicht genau, wie nachhaltig dieses Geschenk war. Und, na klar, darf man auch Geschenke wiederverwenden. Die Nudelmaschine, die Oma vergangenes Jahr bekam, macht heuer beim Enkel die Tagliatelle, und der Schokobrunnen von vor zig Jahren ... er ist verschwunden, wahrscheinlich längst weiterverschenkt.
Wir sollten uns freuen an Weihnachten, Leid ist eh genug. Und Socken sind nie verkehrt.
Bettina Rubow